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Freitag, 09.01.2009
Rosenkrieg in Ehe und Partnerschaft
Privat-Mobbing
Was im Job vielfach zum traurigen Alltag gehört, beobachten Paar-Experten vermehrt auch in Beziehungen: Mobbing.
Die Strategien sind dabei haargenau die gleichen wie beim Berufsmobbing: Eisiges Schweigen und Nicht-Weitergabe von wichtigen Informationen gehören ebenso dazu, wie der Versuch, innerhalb der Familie Fronten gegen den Partner aufzubauen oder den Anderen vor Dritten erbarmungslos bloßzustellen.
© ruthchristine/pixelio
Allen Mobbing-Attacken ist eins gemein: Wer sein Opfer mobbt, tut das, weil dieses seine Erwartungen nicht erfüllt. Gemobbte stören in einer Gruppe, sie sollen verschwinden oder passend gemacht werden, damit die Dynamik der Gruppe gewährleistet bleibt.
Genau nach diesem Prinzip läuft auch das Mobbing in der Liebe: Der Partner erfüllt die Erwartungen nicht, und die Enttäuschung, die der andere deswegen empfindet, lässt er an ihm aus. Aber: Er tut es nicht bewusst. Mobbing in der Liebe ist kein Willkürakt, den der Mobber ohne Mühe unterlassen könnte. Schmidbauer bezeichnet das vielmehr als Ausdruck innerer Not und Hilflosigkeit.
In der Regel lässt sich für das private Mobbing keine einzelne Ursache ausmachen. Vielmehr sind es die kleinen und großen Verletzungen, längst vergessen geglaubte Kränkungen oder Nöte. Nicht so schlimm, dass sich daraus eine psychische Störung entwickelt, aber schlimm genug, um aus einem enttäuschten Menschen einen potenziellen Mobber zu machen, der Kränkungen und Enttäuschungen nicht angemessen verarbeiten kann. Typische Verhaltensmuster solcher Menschen: Sie brechen Kontakte abrupt ab, statt Meinungsverschiedenheiten zu klären. „Der ist für mich gestorben“ ist ein typischer Satz von jemandem, der nicht gelernt hat, sich sozial kompetent zu verhalten.
Liebes-Mobber legen häufig auch eine gewisse burschikose Härte an den Tag. Ebenfalls ein typischer Satz: „Bin ich denn Dein Kindermädchen?“ Damit schmettern diese Menschen vor allem Wünsche ab, die für sie als kindlich gelten. Denn die gelten als Ausdruck von Schwäche, die man weder bei sich noch bei anderen dulden kann.
Gefährdet für das Liebes-Mobbing sind Menschen, deren Eltern entweder nie oder immer gestritten haben, die also keine Erfahrungen mit einem liebevollen Umgang mit Konflikten und Enttäuschungen machen konnten. „Deshalb suchen sie nach der totalen Harmonie, der absoluten Übereinstimmung mit einem Seelenzwilling. Wenn dann die Alltagsrealität nach der Verliebtheitsphase zeigt, dass es diesen Zwilling nicht gibt, kann die Kränkung nicht verarbeitet werden“. So beschreibt es Paarpsychologe Schmidbauer.
Es gibt aber schon vorher einige Indizien, die hellhörig machen sollten. Wer seine früheren Beziehungen ohne jede Einsicht, auch selbst etwas zu deren Scheitern beigetragen zu haben, abwertet, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein potenzieller Mobber. Das gilt auch für den, der höchste Ansprüche an eine Partnerschaft betont und übertriebene Liebesschwüre leistet. Ein wichtiges Signal ist zudem die Verleugnung von Kränkungen in Kombination mit der Unfähigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse zu ertragen – ohne sofort dem Partner zu vermitteln, dass er falsch liegt und versagt hat. Paradoxerweise durch rechtzeitiges Streiten. Denn auch das gehört zu einer funktionierenden Partnerschaft dazu – sofern man einige Regeln dabei beachtet.
Bevor man den Partner kritisiert, macht es Sinn, sich zu überlegen, ob der Anlass eigentlich einen Streit wert ist. Vereinfacht ausgedrückt: Manchmal ist es effektiver, eine nicht zugeschraubte Zahnpastatube schlicht selbst zu schließen, anstatt einen Streit darüber vom Zaun zu brechen.
Wenn es allerdings zur Kritik kommt, sollte man diese nicht als Generalabrechnung betrachten – bei der Sache bleiben, ist also oberstes Streitgebot.
Außerdem sollte man einen Konflikt nicht als Schlachtfeld betrachten, sondern als fruchtbaren Austausch, an dessen Ende beide Beteiligten gewonnen haben.
Was viele Menschen – und hier übrigens vor allem Frauen – lernen müssen: Es ist eine gute Lösung, nach einem Konflikt zur Tagesordnung überzugehen – ohne die berühmt-berüchtigten klärenden Gespräche. Denn die führen meistens nur zu neuen Kränkungen – so kann man sich wunderbar in einen wahren Teufelskreislauf manövrieren.
Für viele Paare macht es Sinn, einen Code festzulegen, mit dem ein Streit beendet werden soll. Das kann durchaus auch etwas völlig Absurdes sein, wie der Begriff „Avocado“.
Über eines muss man sich im Klaren sein: Mobbing in der Liebe belastet nicht nur die Partnerschaft selbst. Ebenso wie Mobbing im Job kann es sogar ernsthaft krank machen: Die psychophysischen Belastungen reichen von leichten Kopfschmerzen und erhöhter Anfälligkeit für Infektionen bis zu schweren Erkrankungen. Schmidbauer: „Alkoholismus, Depressionen, manchmal auch Krebs lassen sich mit solchen chronischen Belastungen in einer Mobbing-Beziehung verknüpfen.“ Vor allem aber wird durch Dauer-Mobbing das Selbstvertrauen geschwächt, das die Betroffenen dringend benötigen, um sich aus dieser unheilvollen Verstrickung zu befreien – durch gemeinsame Anstrengungen oder auch durch eine Trennung.
Von Andrea Rink
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09.01.2009 - 















