Die Macken des Partners
Du nervst!Männer sind vom Mars und Frauen von der Venus. Wenn dieser Satz bei Ihnen ratloses Stirnrunzeln auslöst, ist das ausgesprochen schade. Denn damit ist die löbliche Absicht der Autorin, die diesen Ratgeber verfasst hat, schon im Keim erstickt. Mit dem zugegeben kryptischen Titel wollte sie nämlich auf eine weltweite Misere aufmerksam machen: Männer und Frauen stammen von anderen Planeten – können sich also gar nicht verstehen.
|
 | | Totale Harmonie bleibt meistens ein schöner Traum | | © Fragenus |
| 07.08.2008 - Achtspuriger Highway
Streng logisch betrachtet, müsste dieses (und ähnliche) Ratgeberbücher somit schon zu Ende erzählt sein, bevor man die erste Seite aufgeschlagen hat. Wer auf verschiedenen Planeten lebt, kann sich nun mal nicht verständigen. Das gelingt ja teilweise nicht einmal Deutschen und Österreichern …
Aber das Thema der fehlerhaften Kommunikation zwischen Männlein und Weiblein ist zu spannend, als dass sich damit nicht ganze Bücherregale füllen könnten. Von Kommunikationskursen und Ratgeber-Videos gar nicht zu reden. Außerdem ist dieses Thema für jeden wichtig, der schon mal versucht hat, mit einer Frau über die Faszination Shopping zu sprechen. Oder wahlweise mit einem Mann über den Mythos Fußball.
Lassen wir zunächst die Wissenschaft zu Wort kommen: Die amerikanische Neuropsychologin Louann Brizendine fand heraus, dass das weibliche Gehirn weitaus mehr Kommunikationszellen besitzt als das männliche. Sie beschreibt das so: „Frauen haben einen achtspurigen Highway, um ihre Gefühle auszudrücken, Männer nur eine Landstraße.“ Viele Frauen würden an dieser Stelle wahrscheinlich den Begriff „Landstraße“ durch das Wort „Einbahnstraße“ ersetzen wollen, aber das ist Haarspalterei. Wesentlich wichtiger ist doch die Erkenntnis, dass vor diesem Hintergrund eine Kommunikation nahezu aussichtslos ist. Zumindest dann, wenn Männer und Frauen in einer Beziehung leben. Den Satz eines Polizeibeamten: „Sie sind zu schnell gefahren, hier ist ihr Strafzettel über 50 Euro“, versteht nämlich – ganz geschlechtsunabhängig – jeder.
Ganz anders als in jeder durchschnittlichen Partnerschaft.
Dort führen schon einfachste Fragen zu kriegsähnlichen Zuständen. Ein Klassiker: „Wie geht es Dir?“ Fragt Er. Und löst damit eine Kettenreaktion gigantischen Ausmaßes aus. Für Sie nämlich impliziert diese Fragestellung folgendes: „Er fragt mich sonst nie, wie es mir geht. Entweder, ich sehe heute ganz furchtbar aus. Oder er hat ein schlechtes Gewissen. Bestimmt hat er das. Er betrügt mich vielleicht. Ha - da ist doch diese neue Kollegin von ihm im Büro …“
Den Rest der Gedankengänge können Sie erraten, wenn Sie eine Frau sind, wie sich die Kommunikation nach dieser simplen Frage entwickelt, wissen Sie ziemlich genau, wenn Sie ein Mann sind.
Somit ist niemandem geholfen, wenn er den wichtigsten Ratschlag der Ratgeber-Literatur befolgt: Hören Sie Ihrem Gegenüber zu. Was nützt das, wenn der achtspurige Highway des weiblichen Gehirns etwas ganz anderes empfängt, als auf der Landstraße losgeschickt wurde …
Richtig anstrengend wird dann diese fehlerhafte Kommunikation, wenn es um die Dinge geht, die am Partner gewaltig nerven. Das Repertoire reicht dabei von mangelhaft ausgedrückten Zahnpastatuben (Er) bis zu Endlostelefonaten mit der besten Freundin, die überdies ein Haus weiter wohnt und mit der sie in einer Firma arbeitet.
Immer wieder gern genommen wird auch des Mannes liebstes Spielzeug – nein, diesmal nicht das Auto, sondern der Computer. Sitzungen, die mehr als eine Viertelstunde dauern, werden dann spitz mit: „Immer hockst Du nur vor der blöden Kiste“ kommentiert. Wobei Ratgeber-Autoren in aller Welt bei dem Gebrauch des Wortes „immer“ unisono die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würden. Gilt dieser verallgemeinernde Begriff doch als Gift für jede halbwegs funktionierende Kommunikation.
Auch „ständig“ gehört in diese Kategorie. Was vielleicht erklärt, warum Frauen im Allgemeinen hoch allergisch darauf reagieren, wenn man ihnen vorwirft, sie „stehen ständig stundenlang vor dem Spiegel“. Während sie in Wahrheit höchstens eine Dreiviertelstunde brauchen.
Zu den Dauerbrennern im Beziehungs-Dschungel zählen auch folgende Eigenschaften. Er ist genervt wenn …
Sie alles ausdiskutieren will: Frauen sind häufig besser in der Lage über ihre Gefühle und Probleme zu sprechen als Männer. Sie wollen im Gespräch eine Lösung finden, während Männer eher alleine nachdenken möchten, um dann eine Lösung im Gespräch zu präsentieren. Das muss in der Tat etwas mit der menschlichen Evolution zu tun haben – der Jäger und Sammler der Steinzeit hatte wenig Zeit, zwischen zwei Mammuts Endlosdiskussionen zu führen. Die Steinzeitfrau dagegen saß mehr oder weniger den ganzen Tag in der Höhle herum. Prima, um sich viele Gedanken zu machen …
Manchmal würde es Beziehungskabbeleien daher deutlich minimieren, wenn Sie sich auf wirklich Wesentliches beschränken würde – dann hört Er meistens auch zu. Für den Rest gibt es Freundinnen, Kolleginnen, die nette Obstverkäuferin, die Kindergärtnerin und, und, und …
Richtig anstrengend wird es für Ihn, wenn er jede kleine Veränderung bei seiner Partnerin sofort kommentieren soll. Und wir reden hier nicht von einem komplett neuen Outfit inklusive anderer Frisur sondern von „Kleinigkeiten“ wie einem neuen Kleid. Man kann davon ausgehen, dass Er das Outfit durchaus registriert hat. Aber als Mensch der wenigen Worte (man erinnere sich an den Höhlenbewohner) lässt er so was gern mal unkommentiert. Abgefordertes Lob allerdings nervt ihn verständlicherweise. Es hat ja auch ein wenig was von Affendressur.
Es gibt sie durchaus auch heute noch: die Frauen, die offenbar meinen, ohne ihren mütterlichen Rat sei der Mann an ihrer Seite rettungslos verloren. So bekommt er dann auch vom Butterbrot bis zu den Socken am Morgen schön alles vorgesetzt und reagiert – genervt. Schließlich hätte er dann auch gleich bei seiner Mutter wohnen bleiben können.
Das Sündenregister der Männer liest sich allerdings kaum besser. Ganz oben auf der Hitliste steht dabei die typisch männliche Unordnung. Die manifestiert sich gern dadurch, dass genau erkennbar ist, wie Mann sich seiner Klamotten entledigt – an der Spur quer durch die Wohnung. Offenbar hört der Sammeltrieb der Männer abrupt auf, wenn es um das Aufsammeln der eigenen Sachen geht. Was hilft: Nicht meckern, liegen lassen. Und zwar konsequent so lange, bis der Herr des Hauses kein sauberes Hemd mehr im Schrank hat. Zartbesaiteten hilft ein Kurzurlaub außerhalb der eigenen vier Wände.
Ebenfalls für weiblichen Unmut sorgen drei Männer-Macken, die mit Kommunikation zu tun haben.
Da wäre zunächst das „Reden um des Redens Willen“. Wer beim gemeinsamen Abend mit Freunden Konstruktionsprobleme der bemannten Raumfahrt löst, aber andererseits nicht mal die Waschmaschine bedienen kann, stößt bestenfalls auf ein amüsiertes Grinsen. Schlimmstenfalls provoziert diese Kluft zwischen Theorie und Praxis einen Krach. Danach folgt das „Nicht Reden“. Besonders gern genommen, wenn gerade eine Krisensituation ansteht, und oftmals begleitet vom wortlosen Verlassen des Raums, treibt das so manche Frau zur Weißglut. Aber auch, wenn man dem Mann das gesamte Geschirr nachwirft, ändert das nichts. Solche Stumm-Schaltungen muss man aussitzen. Manche Dinge in der Partnerschaft könnten so einfach sein. Wenn Er mal zuhören würde. Und hier reden wir nicht von einer Endlosgeschichte über den letzten Yoga-Workshop. Sondern um ganz normale Alltagsdinge, die nun mal besprochen werden müssen. In diesem Zusammenhang wäre es interessant, mal eine weltweite Umfrage zu starten: Wie viele Männer schaffen es, so zuzuhören, dass sie von fünf Einkaufs-Artikeln ALLE mitbringen. Es steht allerdings zu befürchten, dass die Ergebnisse eher ernüchternd ausfallen …
Mindestens ebenso desillusionierend übrigens, wie diese Macken von Männern und Frauen beseitigen zu wollen. Das wird – auch nach der Lektüre zahlreicher Ratgeber – kaum gelingen. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass Männlein und Weiblein unterschiedliche Ratgeber lesen.
Darüber hinaus gibt es aber Dinge, die sich einfach nicht ändern lassen. In diesem Sinne gehören Fußballbesuche, Freundinnenabende, der Krach um die Zahnpastatube und der Konflikt ums neue Kleid schlicht zu den Dingen, mit denen man sich arrangieren muss. Wortlos, was die Männer angeht, mit Klagelitaneien bei der besten Freundin, was Frauen betrifft… Von Andrea Rink
|
|
Texte © 2007 - 2008 by Kanaren Express Alle Rechte vorbehalten
|
| KanarenExpress - Die Zeitung auf den Kanaren Der KanarenExpress, gegründet 2006, ist innerhalb kürzester Zeit die auflagenstärkste deutsche Zeitung auf den Kanarischen Inseln geworden. Die Zeitung wird an Verkaufsstellen auf den Inseln Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Lanzarote, La Palma, El Hierro und La Gomera verkauft. Nachrichten, Reportagen, Informationen von den Kanaren stehen in der Zeitung im Vordergrund. |
| | |
| | |  | |
| | | | | | Webradio Live-Stream |
|
|