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Samstag, 22.11.2008
So vermeiden Sie Stolperfallen im Beruf
Benimm im Büro
Erfolg im Beruf. Auf den ersten Blick ist dieser vor allem abhängig von der Qualifikation. Aber: Selbst wenn man Super-Zeugnisse und einen hervorragenden Lebenslauf vorweisen kann, ist das noch nicht zwingend ein Karriere-Garant. Denn der Joballtag ist gespickt mit Situationen, in denen es auf mehr ankommt als auf Know-how: auf gutes Benehmen, Fingerspitzengefühl und soziale Intelligenz nämlich.
Kurioserweise scheitern besonders häufig Menschen an diesen Dingen, die auf der anderen Seite mit hervorragenden fachlichen Qualifikationen punkten können. Für sie endet die Karriereleiter entgegen aller Prognosen dann schon oftmals auf einer der unteren Stufen…
© Constantin Jurcut
Hürde Vorstellung
Eine weitaus wichtigere Rolle als bisher angenommen spielen die unbewussten Signale der Körpersprache beim Bewerbungsgespräch, wie etwa nervöses Herumrutschen auf dem Stuhl.
Verhaltenspsychologen empfehlen einen einfachen Trick: Nehmen Sie genau die Sitzhaltung ein, die der des Gegenübers entspricht. Denn Menschen, die sich sympathisch sind, spiegeln oft die Körperhaltung. Das bewahrt Sie davor, wie ein Häufchen Elend auf der Stuhlkante zu hocken, breitbeinig den Lässigen zu markieren, aus lauter Nervosität mit den Füßen zu scharren oder sich am Ohrläppchen zu zupfen. Wer sein Auge für die Körpersprache des anderen schult, hat überdies die Chance, das Vorstellungsgespräch entscheidend mitzubestimmen: Auch der versierteste Personalchef wird sich beispielsweise gespannt ein wenig vorbeugen, wenn er vorhat, dem Bewerber eine besonders kniffelige Frage „um die Ohren zu hauen“. Der wiederum wird davon nicht so sehr überrascht, wenn er die Körpersprache bereits vorher gedeutet hat.
Apropos Fragen: Natürlich ist so ein Bewerbungsgespräch kein Spaziergang. Generell muss man sich aber eins vor Augen halten – egal, wie provokativ die Fragen auch wirken, die man gestellt bekommt – es geht einem Unternehmen vor allem darum, einen eventuell künftigen Mitarbeiter kennenzulernen, nicht ihn zu brüskieren. Die genannten Provokativ-Fragen dienen daher oftmals auch dem Zweck, zu beurteilen, wie ein Bewerber unter Stress reagiert.
Da hilft nur: Ruhe bewahren und sich der Motivation seines Gegenübers immer im Klaren sein. Und natürlich: gute Vorbereitung. Wer auf die Frage, warum er denn unbedingt in dieser einen Firma arbeiten möchte, nur mit Belanglosigkeiten reagieren kann, hat schlechte Karten – eine umfassende Information über das Unternehmen setzt jeder Personalchef schlicht voraus.
Immer wieder gern genommen, wird beim Vorstellungsgespräch auch die Frage nach dem Grund für den Firmenwechsel. Wer dann anfängt, über die unfähige Konzernleitung, die inkompetenten Kollegen und das saumäßige Betriebsklima in der alten Firma vom Leder zu ziehen, kann eigentlich gleich das Gespräch abbrechen. Wer an diesem Punkt mangelnde soziale Intelligenz beweist, scheidet meistens auch dann aus, wenn er ansonsten perfekt in das neue Unternehmen passen würde.
Hürde Alltag
Wer die Hürden des Vorstellungsgesprächs mit Bravour gemeistert und den Job in der Tasche hat, auf den warten schon eine Menge neuer Stolpersteine: der Alltag im neuen Büro.
Dabei ist es eigentlich gar nicht so entscheidend, ob man bei einer Bank, im Hotel oder Restaurant arbeitet – einige Punkte des sogenannten „Büro“-Knigge haben überall ihre Gültigkeit. Hier einige Beispiele:
Aufstehen oder Sitzen bleiben? Diese Frage stellt sich im Job meist gar nicht. Denn wer Besucher empfängt steht auf, um zu signalisieren: „Ich setze mich für Sie in Bewegung.“ Außerdem kann so auf gleicher Augenhöhe gleichberechtigt kommuniziert werden. Falls Sie gerade ein Telefongespräch führen, das Sie nicht gleich unterbrechen können, so signalisieren Sie dem Besucher mit Gesten und Augen, dass er doch Platz nehmen möchte. Nach Beendigung des Gesprächs ist eine kurze Entschuldigung unerlässlich.
Wer Kundenkontakt hat, sollte besonderen Wert auf ein gepflegtes Ambiente an seinem Arbeitsplatz legen. Aber auch ohne Besucherströme sagen Ordnung oder Chaos rund um den Schreibtisch einiges über die Professionalität eines Mitarbeiters aus – und über seine Arbeitseinstellung: Wer abends den Schreibtisch im Chaos hinterlässt, wirkt als sei er auf der Flucht: vor der Arbeit nämlich.
Mobiltelefone, die ständig klingeln oder eingehende SMS durch schrilles Piepsen ankündigen, sind ein echtes Ärgernis – für Kollegen und Chefs gleichermaßen. Deshalb gehört das Handy im Job auf stumm geschaltet, wenn es unbedingt an sein muss: bitte nur Vibrationsalarm und dann bitte das Handy nicht auf dem Schreibtisch liegen lassen. Dass Meetings grundsätzlich ohne Handy-Alarm zu veranstalten sind, versteht sich eigentlich von selbst.
Abstand wahren – im wörtlichen und im übertragenen Sinne: Die sogenannte soziale Distanz beträgt eine Armlänge, weniger wird vom Gegenübr als Eindringen in seinen Intimbereich empfunden. Eine gewisse Distanz sollte man auch bei persönlichen Gesprächen wahren – Fragen nach der Beziehung oder nach Krankheiten sind im Job tabu. Auch dann, wenn man mit dem Kollegen nach Feierabend über solche Dinge spricht.
Fast jedes Jahr kommt es in Büros auf aller Welt zu Streitereien wegen des Jahresurlaubes. Dabei wären diese Querelen durchaus vermeidbar. Generell gilt: Kollegen mit schulpflichtigen Kindern haben bei der Urlaubsplanung Vorrang. Schlicht deshalb, weil sie sich nach den Ferienzeiten richten müssen. Alles andere ist – wie so oft im Leben – eine Sache von Planung und Kommunikation. Wer allerdings den Jahresurlaub drei Wochen vor dem Wunschtermin einreicht, darf sich nicht wirklich wundern, mit dieser Hauruck-Methode auf Unverständnis zu stoßen.
Apropos Unverständnis: Umfragen zufolge ärgern sich die meisten Arbeitnehmer vor allem über eins: notorisch unpünktliche Kollegen. Eigentlich auch nicht verwunderlich, immerhin können diese den Ablauf im Team entscheidend stören.
Direkt danach rangieren dann Quasseleien auf der Hitliste der No-Gos im Job. Dabei geht es aber weniger um die normale Bürokommunikation, sondern um die brodelnde Gerüchteküche. Die verbessert nicht gerade das Betriebsklima und ist schlimmstenfalls die Vorstufe zum Mobbing. Richtig gefährlich kann es für Betriebsangehörige jedoch werden, wenn sie Vermutungen und Fakten preisgeben, die unter die Kategorie Betriebsgeheimnis fallen. Von einer Abmahnung über die Kündigung bis hin zum Schadensersatz kann Plaudertaschen alles drohen. Sogar Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren sind in manchen Berufszweigen (Juristen, Ärzte) möglich. Darum: Verschwiegenheit ist Pflicht. Loyalität ist Treue zum Unternehmen und somit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Firma und ihre MitarbeiterInnen. Ein gestörtes Vertrauensverhältnis lässt meistens nur einen konsequenten Schluss zu: Wechsel des Arbeitsplatzes, um die Atmosphäre und die Leistungsfähigkeit (auch die eigene) nicht zu gefährden.
Das bedeutet nun aber nicht, dass man am Arbeitsplatz am besten gar nicht miteinander spricht und wenn dann nur über berufliche Dinge – ganz im Gegenteil ist Kommunikation das Salz in der Suppe jeden Jobs. Aber auf die Dosierung kommt es an. Mit besonders sympathischen Kollegen verabredet man sich deshalb auch lieber für die Mittagspause, als dass man mit ihnen stundenlang am Kopierer tratscht.
Ein ganz besonderer Stolperstein verbirgt sich übrigens unter dem glatten Parkett von Betriebsfeiern und -Ausflügen. Dass man sich bei solchen Events nicht hemmungslos betrinkt, sollte eigentlich jedem klar denkenden Menschen bewusst sein (ist es aber leider nicht immer). Aber auch Verbrüderungsaktionen mit Kollegen oder gar dem Chef, kommen nicht gut an – weder bei der jeweiligen Veranstaltung noch später im normalen Alltag.
Was aber in beiden Fällen gern gesehen wird: gute Laune und Lachen. Denn beides hebt nicht nur nachweislich die Arbeitsleistung, es ist auch gut für das Betriebsklima. Schließlich soll der Job ja auch Spaß machen.
Miesepeter und Moralapostel werden deshalb auch in keinem Beruf gern gesehen, haben sie doch, nicht unberechtigt, den Ruf das Klima zu vergiften.
Von Andrea Rink
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