Tierschützer gegen Loro Parque
„Wir haben gegen den Loro Parque Anzeige wegen Tierquälerei in Bezug auf die Haltung der Orkas und Delfine erstattet“, so wurde die Umweltschutzorganisation Gran Simio Project kürzlich in einigen spanischen Medien zitiert. Demzufolge werfen die Naturschützer dem Park vor, die Tiere mit unnatürlichen Verhaltensweisen, die sie im Zuge der Shows ausüben, lächerlich zu machen. Außerdem würden die Tiere mit totem Fisch gefüttert, was widernatürlich sei, und man würde sie hungern lassen, um sie überhaupt dazu zu animieren, ihre Kunststücke vorzuführen. Es gäbe, im Gegensatz zu gültigem Recht, keinen Tierarzt, der die ordnungsgemäße Fütterung überwache. „Die Becken sind für die Wale und Delfine, die sich permanent per Sonar orientieren und in der Natur bis zu 500 Meter tief abtauchen, eine Tortur“, beklagt Gran Simio weiter. Auch der Vorwand, die Orkas und Delfine würden unter anderem zu wissenschaftlichen Studien gehalten, sei eine Farce.
Weltweit sind zahlreiche Tierschutzaktivisten der Meinung, man müsse auf diese Art der Volksbelustigung verzichten.
Speziell auf den Loro Parque bezogen bat die Redaktion des Kanaren Express Herrn Kiessling, Direktor des Parks, um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen. „In den letzten Monaten sehen wir uns vermehrt Angriffen von Tierschutzorganisationen ausgesetzt, die einfach Behauptungen in den Raum stellen und sie dann als Wahrheit 'verkaufen'. Wir weisen alle von Proyecto Gran Simio erhobenen Vorwürfe entschieden zurück. Vieles davon basiert einfach auf Unkenntnis und nicht auf fundiertem Wissen“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme aus dem Loro Parque. Gerade der Loro Parque sei Vorreiter gewesen, als es darum ging die Normen für europäische Zoos neu festzulegen, und er sei nicht umsonst der erste Zoo der Welt, der das Zertifikat als „Animal Embassy“ (Tierbotschafter) vom Institut für verantwortungsbewussten Tourismus erhalten habe. Auch auf weitere Vorwürfe ging die Stellungnahme ein. So wurde versichert, dass die Ernährung von Tierärzten streng überwacht werde und je nach Geschlecht, Größe und Gewicht auf jedes Tier abgestimmt sei. Fisch sei nur eine der Belohnungen, die das Tier für gewünschtes Verhalten bekomme, Zuneigung oder Aufmerksamkeit das Zweite. Es handelt sich um eine Konditionierung, die man zum Beispiel auch bei der Erziehung von Hunden anwende. Viele Verhaltensweisen, die den Meeressäugern beigebracht werden, sieht das Publikum überhaupt nicht, sondern sie beziehen sich auf Grundlegendes, das zu ihrer Gesunderhaltung beiträgt. Zum Beispiel das Schwimmen auf eine Plattform, wo Veterinäre Kontrolluntersuchungen vornehmen können. „Den Sonar setzen Delfine und Orkas nicht ständig ein, sondern nur dann, wenn ihr wichtigster Sinn, das Sehen, nicht ausreicht und auch dann nur, wenn sie auf der Jagd sind oder etwas Neues erkunden. Selbst in der Natur tauchen sie nur dann auf 500 Meter ab, wenn sie auf der Suche nach Nahrung dazu gezwungen sind. Ihr beliebtestes Jagdrevier liegt nur etwa 30 Meter unter der Wasseroberfläche. Die Töne, die Orkas zum Beispiel zur Kommunikation ausstoßen, haben mit dem Sonar nichts zu tun. Erst kürzlich haben Forscher der Universität Hamburg mit Spezialgeräten die „Gespräche“ unserer Orkas aufgenommen und dabei festgestellt, dass sie sich mit einer ähnlichen Vielzahl an Tönen und Silben verständigen, wie sie es in ihrer natürlichen Umgebung tun würden. Viele Tierschützer gehen immer wieder mit heftiger Kritik gegen Delfinarien vor, ohne dabei auch nur ansatzweise auf die rund 300.000 Tümmler einzugehen, die in der Freiheit jedes Jahr durch Unfälle, Fischfang oder Umweltverschmutzung verenden. Gerade da sehen wir aber unsere Aufgabe: Delfinarien können dazu beitragen, die Menschen für die Situation von Delfinen zu sensibilisieren und zu animieren, sich für deren Schutz einzusetzen. Deshalb hat der Loro Parque zahlreiche Erziehungsprogramme entwickelt, von denen Schulklassen oder Erwachsene aus aller Welt profitieren. Dass wir nichts zu verbergen haben, zeigt sich doch alleine schon an der Tatsache, dass fast täglich TV-Aufnahmen von Teams aus der ganzen Welt in unserem Park gedreht werden und wir diese auch freimütig hinter die Kulissen blicken lassen“, hieß es abschließend aus der Direktion des Loro Parques.
Übrigens die Existenz dieser Anzeige hat weder Seprona (Umweltschutzeinheit der Guardia Civil) in Madrid noch auf Teneriffa bestätigen können. Bis Redaktionsschluss lag dort nichts vor. Die Fotos, die man auf der Webseite des Projekts Gran Simio sieht, stammen ganz offensichtlich nicht aus dem Loro Parque, obwohl im Text vor allem dieser angegriffen wird. Generell kann man sich natürlich die Frage stellen, ob der Mensch überhaupt zoologische Gärten – als das ist auch der Loro Parque zu verstehen – einrichten darf und sollte. Uns interessiert die Meinung unserer Leser zu diesem Thema. Schreiben Sie uns doch eine E-Mail an redaktion@kanarenexpress.com oder einen Leserbrief.
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