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Samstag, 22.11.2008
Alexander von Humboldt
Ein Botanik-Pionier erobert die Welt
Als Alexander Freiherr von Humboldt am 14. September 1769 in Berlin geboren wurde, ahnte noch niemand, dass einer der größten Botaniker seiner Zeit das Licht der Welt erblickt hatte. Er wuchs unter der strengen Hand seines Vaters Alexander Georg, einem preußischen Offizier, im Schloss Tegel auf.
Als sein Vater starb, war der junge Humboldt erst zehn Jahre alt. Zu seiner Mutter hatte er ein eher kühles Verhältnis, denn sie favorisierte seinen zwei Jahre älteren Bruder, der als intelligenter galt. Für ihren Jüngsten hatte sie eine Beamtenlaufbahn im Bergbau im Auge. In diesem Sinne wurde die Ausbildung aufgebaut.
„Alexander von Humboldt hat Amerika mehr Wohltaten erwiesen als alle seine Eroberer, er ist der wahre Entdecker Amerikas.“
Simón Bolívar
James Cook (1728-1779) und Charles Marie La Condamine (1701-1774), die großen Entdeckungsreisenden seiner Zeit, inspirierten den jungen Humboldt und erweckten in ihm Fernweh. Erst durch sein Erbe, das er nach dem Tod der Mutter im November 1796 erhielt, war ihm die Möglichkeit gegeben, seiner wahren Leidenschaft, dem Reisen und Entdecken, zu folgen. Eine Begegnung mit dem französischen Arzt und Botaniker Aimé Bonpland wurde zu einer Schicksalsfügung. Gemeinsam wollten sie Ägypten erkunden, wurden aber durch politische Unruhen von diesem Vorhaben abgebracht. Schließlich landeten sie im spanischen Königshaus. Insgesamt sechs Monate warteten die beiden Abenteurer auf einen Freibrief des spanischen Königs für die Erforschung der „Neuen Welt“.
In dieser Zeit trug Humboldt maßgeblich zur geografischen, botanischen und klimatischen Erschließung der iberischen Halbinsel bei. Als er 1799 mit seinem Freund Bonpland zu einer fünfjährigen Forschungsreise aufbrach, führten sie die modernsten Messgeräte, die damals zur Verfügung standen, mit sich. Ein Zwischenaufenthalt führte Humboldt auch nach Teneriffa. Begeistert beschreibt er seine Eindrücke in einem Reisetagebuch. Nach ihm ist der „Mirador de Humboldt“ (Humboldtblick), ein Aussichtspunkt zwischen Santa Úrsula und La Orotava, benannt. Mit ergreifenden Worten hatte er das beeindruckende und üppig blühende Orotavatal beschrieben. Die Botanik und außergewöhnliche Geografie der Insel beeindruckten ihn zutiefst. Die Gegend von San Juan de la Rambla, in der damals Wein wuchs, wurde von ihm als bezaubernder Garten beschrieben. Von Puerto de la Cruz aus stieg er bis zum Gipfel des Teide. Er erfasste die geologischen Daten des Kraters, die unterschiedlichen Vegetationszonen und erstellte ein botanisches Profil Teneriffas.
„Humboldt überschüttet uns mit geistigen Schätzen.“
Johann Wolfgang von Goethe
Von Teneriffa aus setzten Humboldt und Bonpland ihre Abenteuerreise nach Amerika und Südamerika fort. Fünf Jahre lang bereisten sie unter anderem Venezuela, Mexiko und Peru. Die beiden Männer erforschten den Orinokofluss, wobei Humboldt eine Verbindung zum Amazonas entdeckte. Als erste Europäer bestiegen sie 1802 die beiden Gipfel des Vulkans „Pichincha“ bei Quito in Ecuador: den 4.690 Meter hohen Rucu Pichincha und den 4.794 Meter hohen Guagua Pichincha. Der Versuch, den Chimborazo mit seinen 6.310 Metern zu bezwingen, mussten sie in einer Höhe von 5.700 Metern abbrechen. Trotzdem hielten sie mit dieser Leistung jahrzehntelang den Weltrekord und beschrieben erstmals die Symptome der Höhenkrankheit.
Als sie 1804 nach Bordeaux zurückkehrten, hatten sie 9.650 Kilometer zurückgelegt und 60.000 Pflanzen bestimmt. Rund zehn Prozent davon waren bis dato noch gänzlich unbekannt. Die kommenden 20 Jahre blieb Alexander von Humboldt in Paris, um die geologischen und geografischen Daten, die er auf der Reise gesammelt hatte, auszuwerten und in einem Buch zu veröffentlichen. Aufgrund seiner Beobachtungen behauptete er, dass die Stärke des Magnetfeldes von den Polen zum Äquator hin abnehme.
„Sie beschäftigen sich mit Botanik? Genau wie meine Frau!“
Napoléon Bonaparte
1805 promovierte Alexander von Humboldt in Frankfurt an der Oder, wurde zum königlich-preußischen Kammerherrn ernannt und in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Aber erst 1827 kehrte er endgültig nach Berlin zurück und hielt dort seine berühmten Vorlesungen an der von seinem Bruder Wilhelm von Humboldt gegründeten Universität. Von 1845 bis 1862 schrieb er an seinem Hauptwerk in fünf Bänden - „Kosmos; Entwurf einer physikalischen Weltbeschreibung“, das ihn weit über seinen Tod hinaus populär machen sollte. Im Mai 1859 starb Alexander vom Humboldt im Alter von fast neunzig Jahren.
Er war ein Mann, der vom Forschergeist durchdrungen und angetrieben wurde. Zahlreiche geologische und physikalische Erkenntnisse, auf die wir uns heute noch stützen, sind ihm zu verdanken. Gleichzeitig war er ein Kosmopolit und liberaler Freidenker, der es verstand, sich den Strömungen seiner Zeit anzupassen, ohne sich selbst aufzugeben. Viele bedeutende Persönlichkeiten, Künstler, Philosophen und Literaten zählten zu seinem Freundeskreis.
Von Sabine Virgin
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