Verletzte Schildkröten wieder gesund ins Meer entlassen
In Los Silos und in Puerto de la Cruz wurden insgesamt sechs Unechte Karettschildkröten, Tortugas bobas, wieder ins Meer entlassen. Zwei Exemplare wurden im Nordwesten dem Ozean übergeben und weitere vier schwammen von der Playa Jardín in Puerto de la Cruz aus davon. Sogar Bürgermeisterin Lola Padrón ließ es sich nicht nehmen, ein Tier persönlich in den Atlantik zu setzen. Alle Tiere wurden in der Anlage der Stiftung Neotropico gesund gepflegt, nachdem sie verletzt aufgefunden worden waren.
Am Charco de las Arañas in Los Silos erklärte der Leiter der Stiftung, dass es häufiger zu Unfällen komme. Das läge vor allem daran, dass diese Tiere besonders gerne an der Wasseroberfläche herumdümpeln, um eine Art Sonnenbad zu nehmen oder eine Siesta zu halten. Dabei kann ihnen die Nähe des Menschen in Form von Booten oder Jetskis zum Verhängnis werden.
Deshalb nutzen die Tierschützer die Aufmerksamkeit während dieser Freisetzungsaktionen gerne, um die Menschen für die Probleme zu sensibilisieren, die oftmals durch Unachtsamkeit ausgelöst werden. Besonders gefährlich ist eben Plastikmüll, in Form von Tüten oder Six-Pack-Halterungen. Wenn die Tiere beim Auftauchen den Kopf unglücklich durch ein solches Plastikloch stecken, haben sie meist keine Chance mehr, es wieder los zu werden.
Sanfte Riesen mit hartem Panzer
Die Unechte Karettschildkröte ist in den Kanarischen Gewässern sehr weit verbreitet. Besonders ältere Tiere kommen gerne in Küstennähe. Dabei sind diese Schildkröten reinste Reise-Weltmeister und legen häufig tausende
von Kilometern durch die Weltmeere zurück. Meist folgen sie dabei den Strömungen. Nur zur Fortpflanzung kehren sie, durch einen inneren Kompass perfekt geleitet, an den Strand zurück, an dem sie selbst einst das Licht der Welt erblickten. Die Natur hat eben ihr ganz eigenes „GPS-System“. Vor den Kanaren halten sich die Tiere zwar häufig und gerne auf, es ist aber nichts bekannt, dass sie die Küste als „Kinderstube“ nutzen. Auf Fuerteventura will man diese Schildkrötenart allerdings „einbürgern“ und vergräbt deshalb deren Eier im Sand des Cofete Strandes. Nach rund 10 bis 30 Jahren erreichen diese Schildkröten ihre Geschlechtsreife, je nachdem wie schnell sie wachsen. Erst, wenn der Panzer rund einen Meter lang ist, ist das Tier erwachsen und damit fortpflanzungsfähig. Immerhin können diese Schildkröten ein biblisches Alter von rund 100 Jahren erreichen, während derer sie kreuz und quer durch die Weltmeere ziehen. In der Regel wiegen ausgewachsene Tiere etwa 100 Kilogramm. Man hat aber auch schon Einzelexemplare angetroffen, die wesentlich größer waren und bis zu 700 Kilogramm wogen. Der Kopf dieser Art läuft spitz zu und bildet an der Schnauze eine Art festen zahnlosen Schnabel, den sie braucht, um ihre Lieblingsspeise zu knacken. Sie bevorzugt nämlich hartschalige Meeresfrüchte, wie Muscheln oder Krebse. Nebenbei vertilgt sie Fische, Quallen und sogar Tintenfische. Auch einer „Gemüsebeilage“ in Form von Meeresalgen ist sie nicht abgeneigt. Mit ihrem scharfen Schnabel könnten die Tiere sogar einen menschlichen Finger oder gar eine Hand abtrennen. Allerdings sind sie sehr friedlich und es ist noch nie ein Angriff auf einen Menschen bekannt geworden. Bei Rettungsaktionen, die die verletzten Tiere in einen extremen Angstzustand versetzen, sollte man allerdings darauf achten, der Schnauze nicht zu nahe zu kommen. Man sollte die Tiere immer am Panzer anfassen. Findet man ein verletztes Tier, ist es immer am besten, die Polizei zu verständigen.
Erste Hilfe erhalten die Schildkröten auf Teneriffa in der Tierauffangstation „La Tahonilla“ bei La Esperanza. Danach werden sie meist der Obhut der Stiftung Neotropico übergeben. Dort bemüht man sich, die Tiere so schnell wie möglich gesund zu pflegen und in die Freiheit zu entlassen, damit sie sich nicht an die Nähe des Menschen gewöhnen. Bevor sie freigesetzt werden, wird von jedem Exemplar ein Porträtfoto geschossen, das in eine Datenbank eingegeben wird. „Die Zeichnung des Kopfes ist bei den Schildkröten genauso individuell wie der menschliche Fingerabdruck, und so können wir ein Tier wieder erkennen, falls es noch einmal in menschlicher Obhut auftaucht“, erklärt ein Neotropico-Mitarbeiter. Wer mehr über die Arbeit der Stiftung erfahren möchte, findet Einzelheiten auf der Webseite www.neotropico.org (sv)
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02.12.2008 - 














