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Dienstag, 02.12.2008
Regenwaldzerstörung und Klimawandel verstärken sich gegenseitig
Der Amazonas-Regenwald wird immer wieder als die Lunge der Welt bezeichnet. Laut Angaben der Umweltschutzorganisation WWF wird er die klimatische Zukunft unseres Planeten ganz entscheidend mitbestimmen.
© Foto: WWF, Zig Koch
Experten gehen davon aus, dass bis 2050 die Hälfte des gesamten Amazonas-Regenwaldes vernichtet sein wird, wenn der momentane Trend anhält. Im diesem Fall würden laut WWF alleine durch Rodungen bis dahin etwa 55 bis 97 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen werden. „Das entspricht dem weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid von etwa zwei Jahren“ erklärt Michael Evers, Wald-Experte des WWF, und fordert, die Abholzungen am Amazonas zu stoppen, um die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen. Die Studie beweist, dass die Waldzerstörung den Treibhauseffekt anheizt und umgekehrt die Erderwärmung das Sterben des Waldes beschleunigt. Somit sehen sich Experten einem Teufelskreis gegenüber.
Der Amazonas-Regenwald hat die Funktion einer riesigen Klimaanlage. Die verdunstete Feuchtigkeit, die in ihm entsteht, sorgt dafür, dass es zur Wolkenbildung und somit zu Regenfällen kommt. Diese wiederum haben einen kühlenden Effekt auf das Klima. Ohne die Kühlung steigen die Temperaturen, die Vegetation vertrocknet und Brände breiten sich schneller aus. Wissenschaftler sagen voraus, dass die Regenfälle in den Urwäldern am Amazonas bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa 20 Prozent zurückgehen werden, wodurch es zu einer lokalen und in deren Folge zu einer globalen Erwärmung kommt – die noch stärker sein wird, als bisher befürchtet.
„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“
Der WWF fordert eine Doppelstrategie, um den Waldverlust zu stoppen. Zum einen sollen die Amazonas-Staaten weiter Gebiete unter Schutz stellen, zum anderen müsse vermehrt auf Viehwirtschaft und die damit einhergehenden Rodungen verzichtet werden. Dabei soll die internationale Staatengemeinschaft finanziell unterstützen. Gleichzeitig fordert die Organisation von den Industrieländern, ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 abläuft zu treffen, bei dem der Erhalt der Wälder im Vordergrund steht.
Wirtschaftswachstum wichtiger als Umweltschutz
Nach Ablaufen des Kyoto-Klimaschutzprotokolls muss der Klimaschutz neu definiert werden, darüber sind sich nicht nur Umweltschützer klar. Die Mächtigen der Welt scheinen sich aber noch immer nicht darüber einig zu sein, ob sie den Planeten tatsächlich retten wollen oder nicht. Auf der Klimakonferenz, die Ende 2007 auf Bali stattfand, zeigten sich wichtige Verhandlungspartner stur. Wie das Magazin „Der Spiegel“ berichtete, verlangten die Entwicklungsländer und Schwellenländer wie China, zuerst wachsen zu wollen und sich danach dem Umweltschutz zu widmen. Dies bedeutet, Industrialisierung, Motorisierung, ein Explodieren des Energieverbrauchs und einen drastischen Anstieg von Treibhausgasen – und das alles, noch bevor man über die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf das Weltklima nachdenken will. Aber auch Industrieländer wie die USA lehnen bindende Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen strikt ab. Aus Angst, die Wirtschaft könnte darunter leiden.
„Die Wissenschaft hat die Ziele vorgegeben“, zitiert „Der Spiegel“ den deutschen Umweltminister Gabriel. Demnach müssten die CO2-Emissio-nen im Vergleich zu 1990 bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden, bis 2020 um 20 Prozent. Für die Industrieländer bedeute das eine Reduktion der Treibhausgase um 30 bis 80 Prozent.
Einer der zentralen Streitpunkte auf der Klimakonferenz von Bali waren dabei „grüne“ Technologien und die Frage, ob diese den Entwicklungsländern kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollten, oder ob die Urheber- und Patentrechte der Erfinder gewahrt und entsprechend dafür bezahlt werden würde. Vor allem die USA haben sich gegen die Forderung gewehrt, ihre Erfindungen herzuschenken. Auch über ein System der Verschmutzungsrechte wurde man sich nicht einig. Eine mögliche Variante – dass reiche, „Verschmutzerländer“ von ärmeren Ländern mit weniger CO2-Ausstoß Kontingente kaufen müssen, gefiel den reichen Staaten weniger. Zu einer Einigung kamen die Staaten auf der Konferenz von Bali nicht wirklich. Noch stehen fruchtbare Verhandlungen zum Nachfolgeabkommen des Koyoto-Protokolls aus.
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02.12.2008 - 















