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Dienstag, 02.12.2008
Beste Sicht aufs Himmelszelt
Tage der offenen Tür in der Sternwarte von La Palma
Seit die Kanaren Ende der fünfziger Jahre als internationales Ferienparadies entdeckt wurden, gelten sie als Synonym für Sonnenschein und Badefreuden, vor allem im Winter.
Nicht selten preisen die Reiseveranstalter die Kanarischen Inseln auch als „España tropical“ an. Tropisch sind die Inseln genau genommen nicht, denn die Südspitze der Insel El Hierro liegt noch fast 500 Kilometer vom nördlichen Wendekreis entfernt, der die Nordgrenze des Tropengürtels bildet. Viel mehr trifft das Klischee vom „ewigen Frühling“ auf den Archipel im Atlantik zu. Das ausgeglichene subtropische Klima der Inseln wird vom Ozean geprägt. Er hält die Sommertemperaturen tiefer als man sie aus dem Mittelmeerraum kennt.
Observatorio del Roque de los Muchachos
1985 wurde die Sternwarte auf dem Roque de los Muchachos (Observatorio del Roque de los Muchachos/ORM) in der Gemeinde Garafía eingeweiht, ein Projekt, das von einem Astronomenverband aus Spanien, Italien, Belgien, Holland, Schweden, Dänemark, Finnland und Deutschland unter englischer Leitung finanziert und realisiert wurde und als eines der größten astrophysischen Observatorien der Welt gilt.
Mittlerweile sind von all diesen verschiedenen Nationen insgesamt zwölf Teleskope und eine Wetterstation in Betrieb. Die klare Atmosphäre, die saubere Luft und die Tatsache, dass in den Gebirgsregionen nur selten Wolkenanballungen aufkommen, zeichnen den Ort auf dem Roque de los Muchachos durch optimale Sichtbedingungen aus und machen ihn zu einer prädestinierten astrophysischen Beobachtungsstation. Um die hervorragenden Beobachtungsbedingungen zukünftig sicherzustellen, entschloss sich vor zwanzig Jahren die spanische Regierung zum Erlass gesetzlicher Bestimmungen, die zur Kontrolle von öffentlichen und privaten Lichtquellen dienen sollten.
Die Ley 31/1988 sobre la Protección de la Calidad Astronómica de los Observatorios del IAC (Instituto de Astrofísica de Canarias) hatte das spanische Parlament 1988 erlassen. Daraufhin hat man auf La Palma die Straßenbeleuchtung umgestellt, d.h. das Streulicht der Straßenlampen wurde stark reduziert, indem deren Lichtwinkel ausschließlich nach unten abstrahlen durfte. Zudem waren nur noch spezielle Glühbirnen zugelassen. Den Gesellschaften von Flugverkehr, Rundfunk- und Fernsehsendern wurden bestimmte Richtlinien auferlegt. Sogar an Volksfesten und Fiestas muss die Beleuchtung auf La Palma eingeschränkt bleiben. Dies ist auf der ganzen Welt einzigartig.
Führungen durch einen Parcours von Nacht- und Sonnenteleskopen
Nur zweimal im Jahr erhält man Einlass in die Welt auf dem Olymp der Astronomen, die für uns Normalsterbliche ansonsten verschlossen bleibt. Um so mehr werden dann diese beiden Tage der „Offenen Tür“ im Juli und August jedes Jahr zu einem besonderen Ereignis, wenn man durch einen Parcours von riesigen Teleskopen geführt wird (gruppenweise), die Funktion der einzelnen Konstruktionen erklärt bekommt oder etwas über die neuesten Erkenntnisse und Forschungsergebnisse erfährt.
Für Besucher, die zum ersten Mal das Astrophysische Observatorium besichtigen, sind vor allem auch Nachtteleskope, wie z.B. das Isaac-Newton-Teleskop (1984) mit 2,54 Meter und das William-Herschel-Teleskop (1987) mit 4,20 Meter Spiegeldurchmesser von großem Interesse. William Herschel, 1738 in Hannover geboren, war eher Musiker als Astronom und emigrierte 1757 nach England, wo er sich sein Geld als Kirchenmusiker verdiente. Während dieser Zeit baute er Teleskope von unvergleichlicher Leistungsfähigkeit, mit denen er 1781 den Planeten Uranus entdeckte. Die von ihm verwendete Montierung eines Spiegels - Altazimuth Montierung genannt - wurde auch beim Bau des William-Herschel-Teleskops auf La Palma verwendet. Bei dieser Montierung wird das Teleskop sowohl horizontal als auch vertikal, also um zwei Achsen bewegt.
2007 wurde das größte und technologisch fortschrittlichste Nachtteleskop der Welt auf dem Roque de los Muchachos in Betrieb genommen, das Gran-Telescopio-Canarias (GTC), das auf spanische Initiative unter Leitung des „Instituto de Astrofísica de Canarias“ (IAC) konstruiert und von einem internationalen Konsortium gebaut wurde. Unter der weithin sichtbaren Kuppel des GTC mit einem Durchmesser von 34 Metern verbirgt sich unter anderem eine Stahlkonstruktion, die die wichtigsten Komponenten des Teleskops trägt: die Spiegel und die Instrumente zur Auswertung des Lichts. Das Besondere am GTC ist, dass 36 achteckige Spiegel so angeordnet sind, dass sie quasi einen großen Spiegel von 10,40 Metern Durchmesser darstellen. Jeder einzelne Spiegel kann durch eine komplizierte Streuung so ausgerichtet werden, dass Wind- und Temperatureinflüsse sowie mechanische Steuerungen zum großen Teil kompensiert werden können. Durch dieses Verfahren ist das GTC einem Teleskop mit nur einem monolithischen Spiegel weit überlegen. Doch nicht nur der Nachthimmel beschäftigt die Astronomen, auch in der Sonnenphysik wird auf dem Roque de los Muchachos fest geforscht. Das Dutch-Open-Telescope (DOT) z.B. ist ein von Holland finanziertes und gebautes Sonnenteleskop, das seit 1997 in Betrieb ist. Das Gerät besteht aus einer achtbeinigen und 15 Meter hohen Stahlkonstruktion, bei der jede der hohlen Streben einen Durchmesser von 25 Zentimetern aufweist. Die Forschungen am DOT tragen dazu bei, die Physik der Sonne genauer zu verstehen, wie z.B. die Gravitationswellen, das Entstehen und die Entwicklung der solaren Magnetfelder, die Struktur und die Dynamik der Sonnenflecken. Wesentliche Arbeiten am DOT beschäftigen sich mit der Untersuchung der räumlichen Atmosphärenstruktur der Sonne. Dazu gehört die Fotosphäre, eine ca. 400 Kilometer dicke Schicht, in der das für uns sichtbare Licht entsteht, das ungefähr die Hälfte der gesamten Strahlung der Sonne ausmacht.
Im März 2002 wurde das größte Sonnenteleskop Europas, das Nuevo-Telescopio-Solar-Sueco (NSST), auf der astrophysischen Beobachtungsstation in Betrieb genommen. Sein Durchmesser beträgt einen Meter und seine elektronische Technik, die durch atmosphärische Störungen bewirkte Bildverzerrungen korrigiert, sorgt dafür, dass nur 70 km große Elemente auf der Sonnenoberfläche aufgenommen werden können. Mit Hilfe dieses Sonnenteleskops sollen Fragen beantwortet werden, z.B. wie die Protuberanzen (glühende, aus der Sonnenoberfläche heraustretende Gasmassen) zustande kommen und wie es sich mit den von der Sonne ausgehenden Magnetfeldern verhält, die sich zusammen mit den Protuberanzen ungünstig auf den Funkverkehr auswirken.
Von Cornelia Bertram
Observatorio del Roque de los Muchachos
Tage der „Offenen Tür“:
Im Juli und August 2008 kann man je einmal mit einer Führung das Observatorium besichtigen (Vorschau in der palmerischen Lokalzeitung D’Ocasión) oder beim Observatorio del Roque de los Muchachos, Mountain-Top/Garafía:
Tel. 922 405 500
Fax 922 405 501
adminorm@orm.iac.es
www.iac.es/orm
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