Samstag 05.07.2008   

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Naturparadies La Palma (III)

Biosphärenreservat und Naturräume

Da die Naturinsel La Palma flä­chenmäßig relativ klein ist und durch die ständige Bevölke­rungszunahme die Naturräume und Ökosysteme bedroht waren, hat man aufgrund des Bodenschutzgesetzes von 1987 zwanzig Gebiete unter Naturschutz gestellt, die ca. 35 Prozent der Fläche der Insel einnehmen.

Bereits 1983 wurde das Gebiet von Los Tilos mit dem Barranco del Agua (Nordosten La Palmas) von der UNESCO zum Weltbiosphärenreservat „El Canal y Los Tiles“ erklärt. Damit war La Palma die erste Insel der Kanaren, der eine solche Auszeichnung zuteil wurde. Seit Mitte der 90er Jahre zeigte sich jedoch zuse­hends, dass die Fläche des Biosphärenreservats nicht aus­reichend genug war, um die Ziele der UNESCO zu erfül­len.


Blick von der Vulkanroute aus zum Kraterbeginn der „Caldera de Taburiente“
Blick von der Vulkanroute aus zum Kraterbeginn der „Caldera de Taburiente“
09.05.2008 - Gemäß dem Wortlaut des Verwaltungsrats hieß es, dass sich „das ausgewählte Gebiet in ein Korsett verwandelt hat, das die angemessene Erfüllung der drei Zielsetzungen (Erhalt, Logistik und Entwicklung), die das Programm „Man and the Biosphere“ (MaB) für Welt-biosphärenreservate vorsieht, verhindert“. In einer ersten Erweiterung gelang es, das Weltbiosphärenreservat um 13.240 Hektar zu erweitern, eine Fläche, die 27 Mal grö­ßer als die ursprüngliche Zone war.

Bei dieser Gelegenheit wurde der erste Name des Reservats „El Canal y Los Tiles“ zu „Los Tilos Weltbiosphärenreservat“ umgewan­delt. Zum ersten Mal erstreckte sich das Reservat über einen ganzen Landstrich, mit allen zugehörigen verschiedenen Ökosystemen vom Hochge­birge bis zur Küste. Und zum ersten Mal wurden auch die Inselbewohner in die Zielset­zungen als Verantwortliche für den Schutz und Erhalt des Gebiets mit eingebunden. Im November 2002 wurde dann schließlich die ganze Insel La Palma zum Biosphärenreservat erklärt. Das bedeutet, dass die Aktivitäten in Landwirtschaft und Tourismus im Sinn einer nachhaltigen und umweltbe­wussten Nutzung ausgeübt und die Subventionen zur Erhaltung der Natur La Pal­mas eingesetzt werden.

Institutionen zum Schutz der Natur

Das der UNESCO unterste­hende Institut für einen nach­haltigen Tourismus „Insula“ hat  zusammen mit dem Rei­severanstalter „TUI“ dazu beizutragen, La Palma zu einer nachhaltigen Urlaubs­insel zu machen. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Forum ins Leben geru­fen, das für die Innovation der nachhaltigen Entwicklung von Inseln zuständig ist. Dadurch wurde ein intensiverer und fruchtbarerer Erfahrungsaus­tausch zwischen den insularen Biosphärenreservaten im Hin­blick auf eine spezielle Aus- und Fortbildung für Reisebü­roangestellte, Fremdenführer und Restaurant- bzw. Hotelan­gestellte, auf die Lösung von Abfall- und Transportproble­men oder auf den Einsatz von erneuerbaren Energiequellen erzielt. Auf La Palma wirken drei verschiedene Netzorgani­sationen zusammen: die „Red Canaria“ (Kanarischer Natur­schutzverband), ein Zusam­menschluss der kanarischen Naturschutzgebiete, der um die Vereinigung kultureller und ästhetischer Werte bemüht ist und Umweltdienstleistungen zur Verfügung stellt. Die „Red 2000“ tritt für den Schutz wichtiger europäischer Lebens­räume und Arten ein und das „Internationale Biosphären­reservate-Netz“ der UNESCO hat die schwierige Aufgabe, den Erhalt und die nachhal­tige Entwicklung unserer Erde in Einklang zu bringen. Bios­phärenreservate sind keine Naturschutzgebiete im her­kömmlichen Sinn, in denen die Natur um ihrer selbst wil­len geschützt wird. Als Teil des Programms „Man and the Bios­phere“ (MaB) der UNESCO sind Biosphärenreservate ein­zigartige Naturräume, deren Schutz menschliches Tun im Sinn einer nachhaltigen Nut­zung, wie z.B. traditionelle Land- und Forstwirtschaft mit einschließt. Die Erklärung der gesamten Insel zum Biosphä­renreservat kommt damit nicht nur der Umwelt zu Gute, sie fördert darüber hinaus auch die Forschung, dient der Erhal­tung der traditionellen Lebens- und Wirtschaftsformen und zwingt die öffentliche Hand dazu, sich verstärkt für eine umweltfreundliche Entwick­lung einzusetzen.

„El Canal y Los Tiles”

Das 1983 zum Biosphä­renreservat erklärte Gebiet von Los Tilos „El Canal y Los Tiles“ gehört zum Naturpark „Las Nieves“ und wurde 1997 auf den gesamten Nordosten der Insel ausgedehnt. Da es einen der besterhaltenen Lorbeerwäl­der der Kanaren besitzt, beab­sichtigte die erste Erklärung des Gebietes von Los Tilos zum Weltbiosphärenreservat, einen der letzten erhaltenen Lorbeer­wälder der Erde unter diesen besonderen Schutz zu stel­len. Der Naturpark „Las Nie­ves“ erstreckt sich über die Gemeinden Santa Cruz de La Palma, Puntallana, San Andrés y Sauces sowie Barlovento und schließt das Herz des Biosphä­renreservats „El Canal y Los Tiles“ mit ein.

Dieses besonders feuchte Ökosystem stammt noch aus der Tertiärzeit. Vor 20 Milli­onen Jahren erstreckte sich ein feuchter  Waldgürtel über das gesamte Mittelmeergebiet. Trockenperioden und Eiszeiten drängten jedoch das Ökosys­tem nach und nach zurück, bis es schließlich nur noch auf den Inselgruppen der Kanaren, der Azoren und der Insel Madeira existierte. Die intensive Nutzung während der ersten Besiedlung im 2. Jh. n. Chr. führte zu einer weiteren Vernichtung dieser Lorbeerwäl­der und artete dann im Zuge der spanischen Conquista im 16. Jh. in einen regelrechten Raubbau der Lorbeerwälder aus, da die neu entstande­nen Gewerbe wie Zuckerher­stellung aus Zuckerrohr oder Schiffsbau immense Mengen an Holz erforderten. „Tilo“ (= Linde) nannten die Eroberer den Lorbeerbaum wegen des der Linde ähnelnden Holzes. Diese Bezeichnung war Namen gebend für das Waldgebiet von Los Tilos im Nordosten La Pal­mas. Der botanische Begriff „Ocotea foetens“ (Stinklor­beer) verdankt der Baum der Tatsache, dass dem frisch geschlagenen Holz ein unange­nehmer Geruch entströmt. Der Stinklorbeer ist ein schlank­wüchsiger Baum, hat eine ausladende Baumkrone und erreicht eine Höhe von bis zu 30 Metern. Seine annähernd elliptischen Blätter sind glän­zend grün und die olivenför­migen eichelartigen Früchte haben eine Länge von ca. drei Zentimetern. Ungefähr 18 unterschiedliche Arten verei­nen die Lorbeerwälder auf den Kanaren. Alle Arten haben im Lauf ihrer Entwicklung immer längere und spezifischere Blät­ter ausgebildet, um die Feuch­tigkeit aufzufangen, die von den Passatwinden herange­tragen wird. Das Gebiet von Los Tilos (oberhalb von Los Sauces) ist Ausgangspunkt für schöne Wanderungen, wobei festes Schuhwerk und Regen­schutz unbedingt erforderlich sind. Schluchten und Bergrü­cken sind von urwaldartiger, fast undurchdringlicher Vege­tation überzogen. Überall rie­selt Wasser aus Spalten in den Felswänden oder es tropft von den Bäumen. Oberhalb von Los Tilos befindet sich das Gebiet von Marcos y Cordero, wo man an zahlreichen Quellen vorbei­kommt und an Wasserkanälen entlang wandern kann.

Weltbiosphärenreservat La Palma und seine Naturschutzräume

Zur Kernzone eines Welt­biosphärenreservats gehören folgende Naturschutzräume: Nationalparks (Naturräume hohen ökologischen und kul­turellen Wertes, dessen Erhalt im Allgemeininteresse der Nation liegt), Integrale Natur­schutzgebiete (Naturräume, in denen Tier- und Pflanzenarten vorkommen, die vom Ausster­ben bedroht sind), Sonderna­turschutzgebiete (Zonen, in denen geologische Formationen existieren, die wegen ihrer Sel­tenheit besonderen Schutzes bedürfen), Naturschutzparks (Gebiete, die durch mensch­liche Nutzung nicht in ihrem Wesen verändert wurden) und Meeresschutzgebiete (offizielle Schutzgebiete einer bestimm­ten Meereszone, in der der Erhalt bestimmter Spezies begünstigt wird).

Diese Kernzone besteht auf La Palma aus sieben Natur­schutzgebieten, die bereits einen besonderen gesetzlichen Schutz genossen haben: Natio-nalpark „Caldera de Taburi­ente“; Integrales Naturschutz­gebiet „Pinar de Garafía” und Sonderschutzgebiet „Guel­guén“; Gebiete wissenschaft­licher Bedeutung „Barranco del Agua“ und „Barranco de Juan Mayor“; Eingeschränkte Nutzungszonen der Natur­schutzparks “Cumbre Vieja” und „Las Nieves“ sowie Ein­geschränkte Nutzungszonen des Meeresreservats „Marina de Fuencaliente“. Diese schüt­zenswerten Naturräume werden von einer sogenannten „Puf­ferzone“ umgeben, die die übrigen Gebiete umfasst, die dem „Red Canaria“ angehören. Der bei den oben erwähnten Gebieten nicht aufgeführte übrige Teil der Insel, der eine Fläche von ca. 35.000 Hektar umfasst, wurde als Übergangs­zone eingestuft und erfasst alle Siedlungsgebiete La Palmas.  Im Norden La Palmas gehö­ren zu den schützenswerten Naturräumen das Kiefernnatur­reservat „Pinar de Garafía“ mit seinem urzeitlichen Kiefernbe­stand, das Naturreservat „Guel­guén“, das an der Küste zwi­schen Juan Adalid und Gaviota liegt und sich landschaftlich durch die zahlreichen Trocken­schluchten (barrancos) aus­zeichnet, und die geschützte Landschaft von „El Tablado“, die sehr abgeschieden liegt und den breiten Bergrücken des „Lomo de las Jaras“ ein­nimmt.

Unter den Naturdenkmä­lern auf der Westseite der Insel beeindrucken die geo­logischen Formationen der „Costa de Izcagua“, deren jäh abfallende Klippen durch ihre bizarre Schönheit beste­chen, und die Formationen des „Barranco del Jurado“, der Aridane-Vulkane und der 500 Meter langen „Vulkanischen Röhre“ von Todoque, die sich im erkalteten Lavastrom des 1949 ausgebrochenen Vulkans San Juan befindet (die Entste­hung von einem solchen Vul­kantubus wird durch die ver­schiedenen Fließeigenschaften der Lavaströme begründet. Da die äußere Lavaschicht schnel­ler abkühlt als die innere, fließt die innere Lavaschicht schnel­ler, wobei sich ein Hohlraum bildet, wenn keine Lava mehr nachfließt). An der Küste von Fuencaliente ist man seit Mai 2002 bemüht, die 1677 durch den Vulkanausbruch des San Antonio verschüttete Thermal­quelle „Fuente Santa“ unter einer Basaltschicht in einer Tiefe von 30 Metern wieder frei zu legen. Eine geologische Besonderheit sind die Phono­lithen (behäbige Felssäulen aus dichtem bis feinkörnigem grau-grünlichem Vulkange­stein), die wie Felsnadeln aus der Landschaft ragen (wie z.B. der „Roque Niquíomo“ ober­halb von Villa de Mazo) und während eines Vulkanaus­bruchs durch die Magma weit nach oben geschoben worden sind. Das graugrüne Ergussge­stein dieser Felsen wird auch wegen des beim Aufeinander­schlagen entstehenden Tones „Klingstein“ genannt.

Das bedeutendste Natur­schutzgebiet auf La Palma ist die 1954 zum Nationalpark erklärte „Caldera de Taburi­ente“. Als Sehenswürdigkeiten gelten hier der Idafe-Felsen, ein kultisch-religiöser Platz der Ureinwohner, und die „Cascada de Colores“, bei der die Abla­gerungen der Mineralien den Wasserfall farbig erscheinen lassen.  Der stark erodierte, von Kiefernwald bedeckte und fächerartig von Wasserläufen durchzogene Krater der „Cal­dera de Taburiente“ besitzt mit seinem weitläufigen „Bar­ranco de las Angustias“ eines der wasserreichsten Abflussge­biete der Kanarischen Inseln. Durch diese Schlucht stürzen jedes Frühjahr enorme Wasser­fluten mit Schwemm-Material aus dem Vulkankrater in Rich­tung Meer. Für anspruchsvolle und erfahrene Bergwanderer ein wahres Paradies, doch sei hier dringend geraten, auf kei­nen Fall alleine durch dieses Gebiet zu wandern, sondern sich einer geführten Wander­gruppe anzuschließen (Anmel­dungen im Besucherzentrum Caldera de Taburiente). 
Von Cornelia Bertram

Besucherzentrum Caldera de Taburiente
Ctra. General de Padrón 47, El Paso
Tel. 922 497 277
Mo-So: 9-14/16-18.30 Uhr

Besucherzentrum des Biosphärenreservats:
Los Tilos (oberhalb von Los Sauces) Informationszentrum oberhalb des Restaurants
Tel. 922 451 246
Nov.- Juni: 8.30-17 Uhr
Juli – Okt.: 8.30-17.30 Uhr

Besucherzentrum Fuencaliente:
Los Canarios (Volcán San Antonio)
Informationszentrum für Vulkanologie
Tel. 922 444 616
Sommer: täglich 9-21 Uhr
Winter: tägl. 9-18 Uhr 



Bildergalerie: Biosphärenreservat und Naturräume
Blick von der Vulkanroute aus zum Kraterbeginn der „Caldera de Taburiente“ Das Besucherzentrum des Biosphärenreservats „El Canal y Los Tiles“ Wasserkanal im Gebiet von „Marcos y Cordero“ oberhalb von Los Tilos Zu den Naturräumen im Norden gehört das Kiefernnaturreservat „Pinar de Garafía“
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