Samstag 05.07.2008   

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Leben zwischen Kunst und Geschichte Teil III

Iberoamerikanisches Museum in La Orotava

La Orotavas Stadtbild wird von zahlreichen historischen Bau­ten geprägt, die größtenteils in Privatbesitz und damit der Öffentlichkeit nicht zugäng­lich sind. Darunter befinden sich aber auch Schmuckstü­cke, die von der Stadt erwor­ben und einem neuen Zweck zugeführt wurden. Dazu zählt das Gebäude des Iberoame­rikanischen Museums in der Calle Tomás Zerolo 34 in der Innenstadt.

Früher beherbergte das ein­fache Gebäude zunächst das Kloster San Benito Abad und ging 1592 in den Besitz des Dominikanerordens über. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhun­derts baute dieser Orden es zu einem stattlichen Kloster aus. Die wohlhabende Familie Mesa unterstützte die Ordensbrüder und so weist das Gebäude heute noch einige architek­tonische Besonderheiten auf, die von dem bekannten kana­rischen Architekten, Bildhauer und Goldmaler Antonio de Orbarán stammen. Die Domi­nikaner unterhielten das Klos­ter, bis sie es im Jahre 1846 aufgaben.


Ein wunderschöner Innenhof zieht die Besucher gleich beim Betreten in seinen Bann
Ein wunderschöner Innenhof zieht die Besucher gleich beim Betreten in seinen Bann
© www.inselteneriffa.es
La Orotava - 05.05.2008 - Im Zuge der weiteren Geschichte diente es als Amtsgebäude, Künstlerwerk­statt, Verwaltungsgebäude der Guardia Civil und sogar als Obdachlosenherberge. Die zum Teil sehr achtlose Nut­zungsweise und der Zahn der Zeit haben zum starken Ver­fall des Gebäudes im Laufe der Jahrhunderte beigetra­gen. Mit Hilfe der regionalen und lokalen Regierung wurde es Ende des 20. Jahrhundert liebevoll restauriert und wie­deraufgebaut. Dabei wurden die architektonischen Beson­derheiten, wie zum Beispiel eine wunderschöne Rundkup­pel aus Holz im Treppenauf­gang, erhalten.

Das Bauwerk, das ein besonderes Flair verströmt, beherbergt seit 1991 das Iberoamerikanische Museum und bietet in elf Ausstellungs­räumen eine Begegnung mit anderen Völkern und ande­ren Zeiten. Für alle, die sich für Kunsthandwerk interes­sieren, birgt es einen vielfäl­tigen Fundus interessanter Objekte der Neuzeit, aber auch längst vergangener Kul­turen. Menschliche Fantasie, Geschicklichkeit und künstle­risches Talent haben sich zu jeder Zeit Ausdrucksmöglich­keiten verschafft. Im Parterre trifft man zunächst auf eine Sammlung unterschiedlichs­ter Musikinstrumente, die von einfachen Bambus-Flöten über fantasievolle Rhythmusgeräte bis hin zu anspruchsvollen Sai­teninstrumenten reicht und die teils diesseits und teils jenseits des Atlantiks hergestellt wur­den. Unter den Ausstellungs­stücken befinden sich Kurio­sitäten wie ein Tiergebiss mit Metallblättchen oder der Kör­per eines Saiteninstruments, der mit einem Fell überzogen wurde.

Danach wird der Besucher mit Tongefäßen, vor allem von den Kanaren und dem ibe­rischen Festland, konfrontiert. Selbst innerhalb des Archipels scheinen die Vorlieben und Grundmaterialien unterschied­lich gewesen zu sein. Gefäße aus La Palma wirken eher dun­kelgrau, fast schwarz, während auf Teneriffa und Gran Cana­ria Gefäße in Terrakotta-Far­ben entstanden. Da scheint es auch nicht verwunderlich, dass sich die Erzeugnisse der spanischen Provinzen zum Teil ebenfalls stark unterschei­den. Besonders berühmt für seine kunstvollen Schmuck­stücke und auch Gefäße ist die Provinz Toledo. Während beim Schmuck vor allem die goldenen Intarsienarbeiten bekannt sind, zeichnen sich die Tonerzeugnisse mit farben­frohen und kunstvollen Bema­lungen und Verzierungen aus. Einzelne Stücke, die auf der jährlichen iberoamerikanischen Handwerksmesse ausgezeich­net wurden, haben im ersten Stock einen Ehrenplatz.

Weitere Räume des Muse­ums führen in die Welt des All­tags. Zu bewundern sind unter anderen textile Erzeugnisse: von Kleidung über Decken bis hin zu Hängematten. Eine eindrucksvolle Sammlung geflochtener Dinge des täg­lichen Gebrauchs zeugt von der Kreativität geschickter Hände. Man kann Körbe, Hüte und Behältnisse in unterschied­lichen Größen, Formen und aus unterschiedlichen Materialien sehen. Eine Auswahl an Waffen und Messern belegt, wie die Menschen in früheren Zeiten zu jagen und sich zu verteidi­gen wussten. Alten Ackerge­räten sieht man an, mit wel­cher Mühsal ihre Verwendung verbunden war. Daneben gibt es Sattel für Reitpferde oder Lastkörbe für Esel.

Ein besonde­rer Blickfang ist ein aus Schilf geflochtenes Segelboot, das vom Rumpf bis zum Segel nur aus Flecht­werk besteht. Verwundert und fasziniert fragt sich so mancher Betrachter insgeheim, ob er sich damit wirklich aufs Was­ser wagen würde. Eine andere Abteilung widmet sich der religiösen Kunst. Dabei sind christliche Motive und Statuen ebenso vertreten wie Kopf­schmuck und bunte Masken, die aus Naturreligionen stam­men. Kleine Wandschränkchen bergen zahlreiche und auffal­lend farbenfrohe Gestalten, die christliche Szenen nachstel­len. Daneben sind Madonnen oder ein geflochtenes Kreuz mit einer Jesusfigur zu bewun­dern. Einige Ausstellungsstü­cke gehen sogar auf philippi­nischen Ursprung zurück und geben einen kleinen Einblick in eine weitere fremde Kultur. Jeder, der an anderen Völkern, Epochen, Traditionen und Riten interessiert ist, wird in diesem Museum reiche Anregung fin­den. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr. 


Bildergalerie: Iberoamerikanisches Museum in La Orotava
Ein wunderschöner Innenhof zieht die Besucher gleich beim Betreten in seinen Bann Ein alter Karren südamerikanischer Herkunft, mit dem man Lasten trans-portiert hat Nach der Plaza links den Hügel hinab, findet man das Museum in der Calle Zerolo Verschiedenste Gegenstände für den täglichen Gebrauch – früher fanden die Menschen alles, was sie benötigten in der Schatzkammer der Natur
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