Iberoamerikanisches Museum in La Orotava
La Orotavas Stadtbild wird von zahlreichen historischen Bauten geprägt, die größtenteils in Privatbesitz und damit der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Darunter befinden sich aber auch Schmuckstücke, die von der Stadt erworben und einem neuen Zweck zugeführt wurden. Dazu zählt das Gebäude des Iberoamerikanischen Museums in der Calle Tomás Zerolo 34 in der Innenstadt.
Früher beherbergte das einfache Gebäude zunächst das Kloster San Benito Abad und ging 1592 in den Besitz des Dominikanerordens über. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts baute dieser Orden es zu einem stattlichen Kloster aus. Die wohlhabende Familie Mesa unterstützte die Ordensbrüder und so weist das Gebäude heute noch einige architektonische Besonderheiten auf, die von dem bekannten kanarischen Architekten, Bildhauer und Goldmaler Antonio de Orbarán stammen. Die Dominikaner unterhielten das Kloster, bis sie es im Jahre 1846 aufgaben.
Das Bauwerk, das ein besonderes Flair verströmt, beherbergt seit 1991 das Iberoamerikanische Museum und bietet in elf Ausstellungsräumen eine Begegnung mit anderen Völkern und anderen Zeiten. Für alle, die sich für Kunsthandwerk interessieren, birgt es einen vielfältigen Fundus interessanter Objekte der Neuzeit, aber auch längst vergangener Kulturen. Menschliche Fantasie, Geschicklichkeit und künstlerisches Talent haben sich zu jeder Zeit Ausdrucksmöglichkeiten verschafft. Im Parterre trifft man zunächst auf eine Sammlung unterschiedlichster Musikinstrumente, die von einfachen Bambus-Flöten über fantasievolle Rhythmusgeräte bis hin zu anspruchsvollen Saiteninstrumenten reicht und die teils diesseits und teils jenseits des Atlantiks hergestellt wurden. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich Kuriositäten wie ein Tiergebiss mit Metallblättchen oder der Körper eines Saiteninstruments, der mit einem Fell überzogen wurde.
Danach wird der Besucher mit Tongefäßen, vor allem von den Kanaren und dem iberischen Festland, konfrontiert. Selbst innerhalb des Archipels scheinen die Vorlieben und Grundmaterialien unterschiedlich gewesen zu sein. Gefäße aus La Palma wirken eher dunkelgrau, fast schwarz, während auf Teneriffa und Gran Canaria Gefäße in Terrakotta-Farben entstanden. Da scheint es auch nicht verwunderlich, dass sich die Erzeugnisse der spanischen Provinzen zum Teil ebenfalls stark unterscheiden. Besonders berühmt für seine kunstvollen Schmuckstücke und auch Gefäße ist die Provinz Toledo. Während beim Schmuck vor allem die goldenen Intarsienarbeiten bekannt sind, zeichnen sich die Tonerzeugnisse mit farbenfrohen und kunstvollen Bemalungen und Verzierungen aus. Einzelne Stücke, die auf der jährlichen iberoamerikanischen Handwerksmesse ausgezeichnet wurden, haben im ersten Stock einen Ehrenplatz.
Weitere Räume des Museums führen in die Welt des Alltags. Zu bewundern sind unter anderen textile Erzeugnisse: von Kleidung über Decken bis hin zu Hängematten. Eine eindrucksvolle Sammlung geflochtener Dinge des täglichen Gebrauchs zeugt von der Kreativität geschickter Hände. Man kann Körbe, Hüte und Behältnisse in unterschiedlichen Größen, Formen und aus unterschiedlichen Materialien sehen. Eine Auswahl an Waffen und Messern belegt, wie die Menschen in früheren Zeiten zu jagen und sich zu verteidigen wussten. Alten Ackergeräten sieht man an, mit welcher Mühsal ihre Verwendung verbunden war. Daneben gibt es Sattel für Reitpferde oder Lastkörbe für Esel.
Ein besonderer Blickfang ist ein aus Schilf geflochtenes Segelboot, das vom Rumpf bis zum Segel nur aus Flechtwerk besteht. Verwundert und fasziniert fragt sich so mancher Betrachter insgeheim, ob er sich damit wirklich aufs Wasser wagen würde. Eine andere Abteilung widmet sich der religiösen Kunst. Dabei sind christliche Motive und Statuen ebenso vertreten wie Kopfschmuck und bunte Masken, die aus Naturreligionen stammen. Kleine Wandschränkchen bergen zahlreiche und auffallend farbenfrohe Gestalten, die christliche Szenen nachstellen. Daneben sind Madonnen oder ein geflochtenes Kreuz mit einer Jesusfigur zu bewundern. Einige Ausstellungsstücke gehen sogar auf philippinischen Ursprung zurück und geben einen kleinen Einblick in eine weitere fremde Kultur. Jeder, der an anderen Völkern, Epochen, Traditionen und Riten interessiert ist, wird in diesem Museum reiche Anregung finden. Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr.
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02.12.2008 - 














