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Naturparadies La Palma (II)

Eine Insel stellt sich vor

La Palma ist eine der kleineren Inseln im kanarischen Archi­pel – nur La Gomera und El Hierro sind noch kleiner. Als nordwestlichste der sieben Inseln liegt die «Isla bonita» (die schöne Insel) auf der geo­graphischen Breite der Mittel­sahara, d.h. 445 km vom afri­kanischen und ca. 1.500 km vom spanischen Festland ent­fernt.


Bananenplantagen im weitläufigen Aridanetal
Bananenplantagen im weitläufigen Aridanetal
27.04.2008 - Allein schon das ozeanisch-subtropische Klima mit seinen milden Wintern und gemä­ßigten Sommern garantiert dem Urlauber Erholung und Entspannung. Die Wassertem­peraturen des Atlantischen Ozeans liegen infolge des rela­tiv kühlen Kanarenstroms im Winter bei 20°C, im Sommer bei ca. 22°C. Nur kurze Winter­regen unterbrechen den sonst dauernd wehenden Nordost­passat und die sonnigen Tage. La Palma ist eine Besonderheit unter den Kanarischen Inseln: sie ist mit dem  fast zweiein­halbtausend Meter hohen „Roque de los Muchachos“ die höchste Insel der Welt im Verhältnis zu ihrer geringen Grundfläche von gerade mal 706 km2. Schon beim Anflug auf La Palma fallen die extre­men Steilhänge der Insel auf. Wer über Land fährt oder die Insel durchwandert, dem tut sich eine Kulisse der Schräge, der Abhänge, der Aufstiege, der Trockenschluchten (barran­cos) und Vulkankegel auf.

Große Höhenunterschiede werden auf kurze Distanzen schnell überwunden: so kann man sich z.B. im Winter auf dem „Roque de los Mucha­chos“, auf dem sich wegen der klaren und sauberen Luft eine der größten Sternwarten der Welt befindet, im Schnee tum­meln und schon eine Stunde später am Strand von Puerto de Tazacorte in der Sonne räkeln und bei 20°C ein Bad im Atlan­tik nehmen. Beeindruckend ist die Vielfalt der Landschaft mit ihren verschiedenen Vegeta-tionszonen, den Lorbeerwäl­dern, den kanarischen Kiefern, den Drachenbaumhainen und den Kanarischen Palmen. So ist La Palma eher das Inselziel für den individuellen Natur- und Wanderfreund als für den eingefleischten Badetouristen. Dies hat in erster Linie damit zu tun, dass es hier wegen der überwiegenden Steilküste nur recht wenige Strände gibt, deren feiner schwarzer Vulkan­sand aber dennoch ein beson­derer Anziehungspunkt ist.

Zwei Strände, in Los Can­cajos auf der Ostseite und in Puerto de Naos auf der West­seite, besitzen die „Blaue Flagge“, die höchste Aus­zeichnung der EU in Bezug auf die Qualität von Strand und Wasser. Bevorzugte Wan­derungen führen in den Natio-nalpark „Caldera de Tabu­riente“, dessen Krater mit seinen ca. 2.000 Metern als einer der tiefsten Senkkessel der Welt gilt, und auf der „Vul­kanroute“, die beim „Refugio El Pilar“ oberhalb von El Paso auf der Westseite beginnt, am Bergkamm der „Cumbre“ ent­lang nach Fuencaliente zur Südspitze La Palmas. Im Osten wird dieser Kessel der „Caldera de Taburiente“ von den stei­len Ausläufern der „Cumbre“ gesäumt, eines Gebirgszugs, der sich im Halbkreis um den Krater legt (Cumbre Nueva) und nach Süden verlängert (Cumbre Vieja).

Steckbrief La Palma

Nach dem „Pico del Teide“ (3.718 m) auf Teneriffa ist der „Roque de los Mucha­chos“ (2.426 m) der zweit­höchste Berg auf den Kana­rischen Inseln. Das Bergmassiv der „Cumbre“ teilt die Insel in zwei Hälften: im Westen in das weitläufige Aridanetal, Hauptgebiet für den Bananen­anbau, im Osten in die Hoch­ebenen von Las Breñas, auf denen Obstbäume, Tabak und Mais wachsen. Diese Teilung sorgt nicht nur für unterschied­liche Landschaftsbilder, son­dern macht auch das Klima zu einem spannenden Erlebnis: von Osten her verfangen sich an der Luvseite (die dem Wind zugekehrte Seite) des Berg­massivs der „Cumbre“ Wol­ken, die sich zu einer Front verdichten und den Hang hin­auf gleiten, um dann ähnlich einem gigantischen Wasserfall über den Kamm hinunter zu stürzen und sich wenig später aufzulösen. Ursache für dieses Naturschauspiel ist der Nord­ostpassat, der die vom Atlantik kommenden Luftmassen gegen das Bergmassiv der Cumbre drückt. Der Nutzen dieses Phä­nomens, das auch als „hori­zontaler Regen“ bezeichnet wird, zeigt sich darin, dass sich Bäume und Pflanzen aus dem Wolkenmeer Feuchtigkeit sau­gen und dadurch La Palma zur grünen Insel werden lassen. So hat dieser herzförmigen Insel, die eine Länge von 47 km und eine maximale Breite von 29 km besitzt, ihr Reich­tum an Wasser und Wald als die grünste Insel der Kanaren die Bezeichnung «Isla verde» eingetragen.

Auf der Ostseite liegt die Hauptstadt Santa Cruz de La Palma mit gut 20.000 Ein­wohnern, auf der Westseite Los Llanos de Aridane, das das Wirtschaftszentrum bil­det und einwohnermäßig die Hauptstadt überholt hat (22.000).

In 14 Gemeinden leben ca. 88.000 Menschen, wovon der Ausländeranteil 10 Prozent beträgt. Die Gemeinden Tija­rafe, Puntagorda und Garafía liegen im nördlichen Teil der Insel und bestechen durch ihre landschaftliche Schönheit mit den grünen Terrassengärten für Obst- und Gemüseanbau, dem bekannten Teawein - der in Fässern lagert, die aus dem Kernholz (tea) der Kanarischen Kiefer gezimmert werden -, der fruchtbaren rötlichen Erde, den im Januar/Februar zauberhaft blühenden Mandelbäumen - immer mit der blauen Kulisse des Meeres im Hintergrund.

Im Nordosten der Insel lie­gen die Gemeinden Barlovento und Puntallana, wo sich auch der Ursprung des Biosphären­reservats La Palma befindet: Los Tilos mit seinen Feuch­tigkeit spendenden Lorbeer­wäldern und die Gebirgsquel­len von Marcos y Cordero. Die Gemeinde Fuencali­ente an der Südspitze befin­det sich auf Vulkanland, auf dem auch der ausgezeichnete „Malvasía“-Wein wächst, der durch seine über das Lavage­stein kriechenden und immer der Sonne ausgesetzten Reb­stöcke ein fruchtiges Aroma erhält. Diesen Wein hat man übrigens nach dem Vulkan Teneguía benannt, der 1971 das letzte Mal ausgebrochen ist und den Boden für den Weinanbau geschaffen hat. In der Nähe des Leuchtturms von Fuencaliente kann man die Salinen besichtigen, wo Meersalz gewonnen wird. El Paso schließlich ist die größte Gemeinde auf der Insel, da zu ihr die meisten Landanteile der Caldera de Taburiente und der Cumbre Vieja gehören.

Abwechslungsreiches Freizeitangebot

Obwohl La Palma eine kleine Insel ist und vorwiegend Wanderfreunde anzieht, bie­tet sie dennoch die Möglich­keit, sich in Besucherzentren (Vulkanologisches Informa-tionszentrum in Fuencali­ente, Besucherzentrum „Cal­dera de Taburiente“ oder Biosphärenreservat „El Canal y Los Tiles“ bei Los Sauces), Museen (Inselmuseum und Schiffsmuseum in Santa Cruz de La Palma, Seidenmuseum in El Paso, Weinmuseum in Las Manchas oder Bananen­museum in Tazacorte) und Kunsthandwerkstätten (wie z.B. die alte Kachelmanufaktur „Arte Cuadrado“ in Fuencali­ente oder das Glasbläseratelier „Artefuego“ in Argual/Los Lla­nos de Aridane) über die Insel, ihre Bewohner und ihre Tradi­tionen („La Carnicería“ in San José de Breña Baja und „La Destiladera“ in San Pedro de Breña Alta) zu informieren.

Auch die interessanten Siedlungsreste und rätsel­haften Felsritzzeichnungen der palmerischen Ureinwohner kann man an verschiedenen Orten (z.B. in den archäolo­gischen Parks „La Zarza y Zar­cita“ bei Garafía und „Cueva Belmaco“ bei Mazo) besichti­gen und sich ein Bild über ihr Leben machen. Wer sich für Kunstgeschichte interessiert, findet in den Kirchen unge­ahnte Schätze flämischer Bild­hauerei und Malerei, die die Kolonisten nach der Eroberung durch die spanischen Konquis­tadoren (1492) aus ihrer alten Heimat (Holland und Belgien) mitbrachten. Von dieser Zeit zeugen noch die Herrschafts­häuser der Altstadt von Santa Cruz de La Palma in der Calle O’Daly und der Calle Pérez de Brito.

Die Häuserfront an der Ave­nida Marítima in Santa Cruz lässt mit ihren bunten Balko­nen portugiesischen Einfluss erkennen. Landsitze mit rie­sigen Grundstücken, wie z.B. die beiden Casas de Massieu in Argual (touristisches Infor­mationszentrum) und Taza­corte (Räumlichkeiten für Ausstellungen und kulturelle Anlässe) gehen ebenfalls in die Kolonialzeit zurück, alsnoch Zuckerrohr angebaut wurde. Bananenanbau gab es damals noch nicht auf La Palma, denn dieser wurde erst ab 1880 von den Engländern eingeführt. So klein die Insel auch ist, so hat sie dennoch viel zu bieten: La Palma hat sogar ein eigenes Sinfonieorchester, das sich in den Sommermonaten zu Kon­zerten erster Güte in Santa Cruz de La Palma und Los Llanos des Aridane formiert. In dieser Zeit finden hier auch Gastkonzerte klassischer Musik auf höchstem Niveau und Jazz vom Feinsten statt und auch Theater- und Opernfreunde kommen auf ihre Kosten. Doch fehlt es auch nicht an ande­ren Möglichkeiten, seine Frei­zeit auf abwechslungsreiche Weise auszufüllen: Boots­ausflüge zum Seeräubernest „Cueva Candelaria“ und zur Wassergrotte „Cueva Bonita“ (mit dem Boot von Puerto de Tazacorte aus), eine Besich­tigung des Astrophysischen Observatoriums (Juli/August) auf dem „Roque de los Much­achos“, ein Besuch im Vogel- oder Kakteenpark (El Paso/Los Llanos de Aridane) oder Kamelreiten in Fuencaliente beim Vulkan „San Antonio“.

Und sportliche Urlauber kommen natürlich auch nicht zu kurz: mit dem Angebot von Tennis, Motorradfahren, Biken über Wellenreiten, Tauchen, Segeln, Reiten bis hin zum Gleitschirmfliegen und Hoch­seefischen öffnet sich ein breites Spektrum an sport­lichen Aktivitäten. Ansonsten werden die traditionellen Feste auf der Insel groß geschrie­ben, die man nicht verpassen sollte, denn sie sind eine gute Gelegenheit, mit der einheimi­schen Bevölkerung in Kontakt zu kommen, um ihre Fröhlich­keit und Gelassenheit kennen zu lernen. Denn auch das All­tagsleben läuft auf La Palma gemächlich ab: „tranquilo“ und „mañana“. n
Von Cornelia Bertram


Bildergalerie: Eine Insel stellt sich vor
Bananenplantagen im weitläufigen Aridanetal Die Avenida Marítima in Santa Cruz de La Palma ist wegen der alten Häuser mit ihren bunten Balkonen sehenswert Blick auf Santa Cruz de La Palma und seinen Hafen Das Schiffsmuseum in Santa Cruz de La Palma befindet sich in einem der „Santa María“ von Christoph Kolumbus nachempfundenem Schiff. Der berühmte Entdecker ist jedoch nie auf La Palma gewesen
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