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Ausflugstipp

Auf den Spuren der Ureinwohner in den Pirámides de Güímar

Manche behaupten, die Pirá­mides de Güímar wären nicht mehr als ein Haufen Steine, die einst Bauern aufeinander geschlichtet hätten. Und tat­sächlich sind die angeblichen Pyramiden bis heute nicht als solche anerkannt.


Die Pirámides de Güírmar sind heute in einen abwechslungsreich gestalteten Themenpark integriert
Die Pirámides de Güírmar sind heute in einen abwechslungsreich gestalteten Themenpark integriert
Güímar - 29.03.2008 - Weder stehen sie unter Denkmalschutz, noch sind sie von besonderem öffentlichen Interesse. Dabei hat die Ent­deckung der terrassenartig angelegten „Steinhaufen“ eine Reihe von wissenschaftlichen Fragen aufgeworfen und seit­her viele Menschen dazu moti­viert, gängige Theorien über die menschliche Besiedlung der Insel Teneriffa in Frage zu stellen.

Die Abenteuer des Thor Heyerdahl

Einer der ersten, der in den Pirámides de Güímar mehr als nur aufeinander geschichtete Steine erkannte, war der nor­wegische Forscher Thor Heyer­dahl, der erstmals durch seine Expedition auf seinem weltbe­kannten Floß Kon-Tiki (1947) Schlagzeilen machte. Als er durch Zeitungsartikel 1991 von der Existenz pyramiden-förmiger Terrassen auf Tene­riffa erfuhr, beschloss er, sich deren Erforschung zu widmen. Er kam auf die Insel und stellte fest, dass die Terrassenfelder in Güímar eindeutige Paral­lelen zu den Pyramiden ver­schiedener Hochkulturen auf­wiesen und dass es sich dabei unmöglich um reinen Zufall handeln konnte. Er deklarierte die Terrassenfelder als Pyrami­den und erklärte, dass es sich bei den dazwischen angelegten Flächen eindeutig um Zeremo­nieplätze eines Sonnenanbeter-Volkes handelte, das Kontakt mit vergleichbaren Zivilisa­tionen aus Übersee gehabt haben musste. Die Fred Olsen S.A. erwarb das Grundstück, auf dem sie sich befinden, um sie vor der Zerstörung durch die rasante Urbanisierung in diesem Gebiet zu schützen.

Dass es den Menschen früher Hochkulturen (wie den Ägyptern oder den Inkas in Südamerika) tatsächlich mög­lich gewesen war, mithilfe ihrer primitiven Balsa-Boote Ozeane zu überqueren, hatte Heyer­dahl mehrfach bewiesen. Nach seiner abenteuerlichen Expedi­tion der auf Kon-Tiki, mit der er zeigte, dass die Besiedlung Polynesiens durchaus von Südamerika aus erfolgt sein könnte, ließ er weitere Nach­bauten von Balsa-Holz-Booten anfertigen. Mit seinem Boot Ra II war es ihm 1969/1970 gelungen, von Marokko über den Atlantik bis in die Kari­bik zu segeln. Thor Heyerdahl starb 2002, seine Ra II ist noch heute im Themenpark „Píramides de Güímar“ aus­gestellt. Beim Sturm Delta (2005) war sie allerdings stark beschädigt worden. Sie wurde von Grund auf reno­viert, allerdings stammt ein großer Teil der verwendeten Materialen nicht mehr vom Original.

Ethnographischer Park

Im ethnographischen The­menpark „Pirámides de Güí­mar“ kann man sich nicht nur auf die Spuren des aben­teuerlichen Thor Heyerdahl begeben, sondern sich auch sein eigenes Bild über die verschiedenen Theorien zur Besiedlung der Insel und zwi­schen den möglichen Zusam­menhängen der frühen Hoch­kulturen  machen. So weisen auch zahlreiche Ausstellungs­stücke im zum Themenpark gehörenden Museum darauf hin, dass es Kontakt zwischen diesen Zivilisationen gegeben haben könnte. Die Besucher haben zudem Gelegenheit, die verblüffende Ähnlichkeit zwi­schen Fundstücken aus Süd­amerika und solchen, die auf den Kanaren gefunden wur­den, feststellen. Zu bestaunen gibt es Miniatur-Modelle aller wichtigen Pyramiden der Welt, ebenso wie zahlreiche Fotos und Schautafeln zu verlorenen Schätzen und nur teilweise gelüfteten Geheimnissen der Geschichte.

Für Abwechslung sorgt ein Dokumentarfilm über die Bedeutung kultureller Parallelen und Thor Heyer­dahls Erkenntnisse. Er wird stündlich im Auditorium des Parks gezeigt und kann über ein spezielles Audiosystem in verschiedenen Sprach­spuren (auch deutsch) verfolgt

werden.Im Themenpark lernt man mehr über die Architek­tur der angeblichen Pyramiden von Güímar und erfährt bei­spielsweise, dass die Längs­seiten einiger der Terrassen­bauten in Richtung der beiden Sonnenwenden weisen. Am Tag der Sommersonnenwende kann man hier einen spektakulären Sonnenuntergang erleben, bei dem die Sonne genau in einem U-förmigen Ausschnitt des Gebirges im Hintergrund verschwindet.

Im Endeffekt liegt es am Besucher selbst, das, was er hier sieht und erlebt, zu inter­pretieren – denn die wissen­schaftliche Diskussion um das Phänomen dieser Terrassen­bauten ist noch lange nicht abgeschlossen. Dem kritischen Beobachter wird hier eine alternative Betrachtungsweise historischer Zusammenhänge angeboten, ohne ihn von einer bestimmten „Theorie“ über­zeugen zu wollen. Und selbst wenn es sich tatsächlich nur um ein paar von Bauern errich­tete Mauern handeln sollte, sind die „Pirámides de Güí­mar“ es wert, besucht zu wer­den. Der Themenpark bietet nicht nur historisch Interessier­ten zahlreiche Informationen und ebenso viele Denkanstöße, sondern hat auch jede Menge „Mystisches“ für esoterisch Angehauchte sowie fantas­tische Geschichten für Aben­teuerlustige auf Lager. Alle, die sich für Botanik interes­sieren, werden mit der schö­nen Gartenanlage des Parks ihre Freude haben – sie beher­bergt viele endemische Arten der Kanaren sowie zahlreiche exotische Exemplare aus aller Welt.

Lage und Anfahrt

Der Park ist täglich von 9.30 bis 18.00 geöffnet. Für Erwachsene kostet der Ein­tritt 10 Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Residenten erhal­ten einen Ermäßigung. Sie erreichen die Pirámides de Güímar über die Autobahnab­fahrt Puertito de Güímar (km 23), wo sie weiter bis zum Stadtviertel Chacona in Güí­mar fahren. Achten Sie auf die Schilder – sie führen Sie direkt zum Themenpark.

Guanchen-Höhle

In einer der Pyramiden fand ein Team, bestehend aus nord-amerikanischen und kanarischen Forschern, 1997/1998 eine acht Meter lange Höhle, in der Überreste der Ureinwohner (Guanchen) gefunden wurden – Ziegenknochen, Fischgräten, Stichel und Reste von Keramiken, Steinobjekte und Perlen­kettenreste. Mithilfe der C14-Methode zur Bestimmung des Alters archäologischer Funde wurden diese Relikte auf 680 bis 1020 n. Chr. datiert. Die Höhle befindet sich an der Seite der Pyramide. Im Inneren der Terrassenbauten wurde nichts gefunden. Ein weiterer Fund von jüngerer Import­keramik weist darauf hin, dass die Pyramiden aber nicht älter als aus dem 19. Jhdt. sind. Im Themenpark wird dies allerdings nur am Rande erwähnt, da es der Theorie Heyer­dahls widerspricht.
Von Margot Aigner



Bildergalerie: Auf den Spuren der Ureinwohner in den Pirámides de Güímar
Die Pirámides de Güírmar sind heute in einen abwechslungsreich gestalteten Themenpark integriert Die Ra II wurde beim Sturm Delta 2005 zerstört; mittlerweile ist sie wieder vollständig restauriert. Miniatur-Modell der Kon-Tiki, das Floß, das Thor Heyerdahl weltbekannt machte In der Gartenanlage des Themenparks gedeihen eine Reihe endemischer und exotischer Pflanzen
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