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Dienstag, 02.12.2008
Ausflugstipp - Chinamada
Höhle verkleidet sich als Haus
Das versteckte Bergdorf Chinamada inmitten der kargen Felsformationen des Anagagebirges ist eine absolute Rarität der Insel. Auf den ersten Blick erwartet den Besucher ein bekanntes Bild. Nette Hausfassaden mit Fenstern, Türen, einem Stuhl vor der Haustür und ein paar Geranientöpfchen. Aber irgendetwas stimmt nicht. Auf den zweiten Blick, fragt man sich dann, „und wo ist eigentlich das Haus?“
© www.inselteneriffa.es
Nur noch rund ein Dutzend Menschen leben in diesem Kleinod, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Die meisten Besitzer sind mittlerweile in die Städte abgewandert und kommen nur mehr am Wochenende vorbei. Manche arbeiten irgendwo im Süden und nehmen jeden Tag die beschwerliche Fahrt von Chinamada auf sich. Nur noch wenige Alte, die schon das ganze Leben lang auf diesem Berg gelebt haben, können sich auch für ihren Lebensabend keinen besseren Ort vorstellen. Wie mag es sein, wenn man beim Aufwachen an die Decke blickt und weiß, dass gleich darüber ein Berg thront? Das Großmütterchen, das wir nach diesem Gefühl fragen, schmunzelt nur. „Gut ist das“, betont sie. „Ganz egal, was kommt, ob Sturm oder Unwetter, wir wissen genau, dass uns nichts passieren kann. Besser geschützt kann man nicht sein und bei uns fliegt auch garantiert nichts weg“, erklärt sie fröhlich. Die Menschen hier scheinen sich auf eine sehr eigene Art mit der Natur verbunden und arrangiert zu haben. Der ganze Ort strahlt eine seltsame Harmonie aus und bietet einen atemberaubenden Panoramablick über die bizarre Bergwelt bis hinunter an die Küste von Punta de Hidalgo.
Vom Leben gegerbt
Das bäuerliche Leben in dieser Höhe, auf rund 500 Metern über dem Meeresspiegel, ist früher bestimmt nicht einfach gewesen. Nicht nur der karge Boden, sondern auch die steilen Hänge und die manchmal recht rauen Witterungsbedingungen erforderten von den Menschen Einfallsreichtum. Maschinen kann man auf diesen Feldern nicht einsetzen. So waren es früher meist Esel, die den Bauern zur Hand gingen. Seilwinden wurden gebaut, mit deren Hilfe man die Ernte bis zur nächsten Straße hievte. Sie sind auch heute noch im Einsatz. Die Straße nach Chinamada wurde erst Anfang der 90er Jahre asphaltiert. Davor gab es nur einen sandigen Pfad, der vom Nachbarort Las Carboneras bis in diesen letzten Zipfel der Zivilisation führte. Wer sich heute beim Anblick moderner Solarmodule auf den „Dächern“ beziehungsweise Berghängen über diese fortschrittliche Energiegewinnung in der Einöde wundert, der wird auch gleich wieder eines Besseren belehrt. „Die brauchen wir heute nicht mehr“, erklärt ein kanarischer „Alp-Öhi, „die sind noch aus der Zeit, als wir hier keinen Strom hatten, aber seit fünf Jahren sind wir an das öffentliche Netz angeschlossen und haben Strom von der Unelco und Telefon. Alles ganz normal!“
Allein die Anfahrt ist ein Erlebnis
Man erreicht Chinamada entweder mit dem Auto, zunächst von La Laguna aus über den duftenden Mercedeswald auf der TF-13. Kurz vor Taborna biegt man dann links auf die TF-145 ab, fährt durch Las Carboneras und kommt direkt nach Chinamada. Von dort aus, kann man einen kleinen Spaziergang zu einem Mirador (Aussichtspunkt) unternehmen. Auch einige Bergtouren führen in das Dorf. Eine davon beginnt an der Küste von Punta de Hidalgo. Allerdings erfordert sie schon ein bisschen Übung und Kondition, denn es gilt etwa 500 Höhenmeter zu überwinden. Wer mit dem Bus bis Chinamada kommt, der kann bei einem rund 90-minütigen Abstieg den grandiosen Ausblick genießen. Egal für welche Version man sich entscheidet, hier lernt man eine aufregende Facette der tinerfenischen Inselwelt kennen.
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