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Der Botanische Garten in Puerto de la Cruz (II)

Durch einen Schweizer zu Ruhm und internationalem Ansehen

Unter der Leitung des Schwei­zers Hermann Wildpret (1860 und 1894) erlebte der Bota­nische Garten seine Blütezeit und erlangte Weltruf. Natur­gelehrte, Botaniker und Maler besuchten dieses Pflanzenpa­radies. Wildpret war auch der Erste, dem die Winterbestei­gung des Pico del Teide gelang, als er 1866 den bekannten Naturforscher Ernst Haeckel während dessen Exkursion auf den höchsten Berg Spaniens führte - ausgerüstet mit Nagel­schuhen und Eispickel.


Impression aus dem Botanischen Garten
Impression aus dem Botanischen Garten
Puerto de la Cruz - 10.02.2008 - Hermann Wildpret wurde 1834 in Warmbach bei Rhein­felden (Baden) geboren und erhielt eine praktische und naturbezogene Erziehung im Pestalozzistift von Olsberg. Nach seiner Ausbildungszeit als Gärtner in Aarau, Lehrjah­ren in Zürich und einem Fran­kreichaufenthalt (Besançon) bekam er durch die Vermitt­lung seines ehemaligen Direk­tors des Olsberger Stiftes die Möglichkeit, bei dessen Freund Hermann Honegger, einem in Santa Cruz de Tenerife leben­den Kaufmann, als Gärtner zu arbeiten. Da ein Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln sei­ner labilen Gesundheit zugute kam, nahm er die Stelle an.

Zwei Jahre blieb er in Santa Cruz und zog 1858 nach La Orotava, wo er sich als Han­delsgärtner niederließ. In dieser Zeit schuf er Gärten, wie z.B. öffentliche Parks in Santa Cruz, La Orotava (Gar­ten des Humboldt-Kurhauses), Puerto de la Cruz und eine große Anzahl von Privatgär­ten (Hotel „Santa Catalina“ in Las Palmas de Gran Cana­ria). Hermann Wildpret hat auf Teneriffa geradezu eine bota­nische Kulturmission erfüllt, da er erkannte, dass sich das milde Klima ausgezeichnet für Gartenanlagen eignete. 1860 wurde die Stelle des Obergärt­ners am Botanischen Garten in Puerto de la Cruz frei und ihm mit einem Gehalt von 1.000 Peseten angeboten. 34 Jahre lang hatte er diesen Posten inne, von dem er alleine, d.h. ohne seinen Beruf als Han­delsgärtner, nicht hätte leben können.

Mit vollem Einsatz und Liebe zur Botanik baute er den verwilderten Park wieder auf und verhalf ihm zu Ruhm und internationalem Ansehen. Als er von seinem Vorgesetz­ten dazu gedrängt wurde, die spanische Staatsbürgerschaft anzunehmen, trat er 1894 von seinem Amt zurück, da er dadurch seine Identität als Schweizer verloren hätte. Ende 1908 starb er in Santa Cruz de Tenerife. Neun Kinder gin­gen aus der 1859 geschlos­senen Ehe mit einer Spanierin hervor. Einer seiner Urenkel, Professor Wolfredo Wildpret de la Torre, ist heute emeritierter Dekan der Fakultät für Pflan­zenbiologie an der Universität La Laguna.

Als Hermann Wildpret 1860 die Stelle am Bota­nischen Garten in Puerto de la Cruz antrat, nahm er sofort ein Inventar der vorhandenen Pflanzen auf: es waren 220 Arten. 1879, als er seinen mit Nicolás Benítez de Lugo erarbeiteten Pflanzenkatalog herausgab, war die Zahl auf 2.486 angestiegen. In den vie­len Jahren seiner Tätigkeit hat Hermann Wildpret über 5.000 Pflanzen auf die Kanarischen Inseln eingeführt. Andererseits ist durch ihn eine große Anzahl einheimischer Arten (zum Teil veredelt) nach Europa und in andere Erdteile exportiert wor­den, wie z.B. die Heinekenie (Lotus berthelotii; sie wurde von Sabine Berthelot ent­deckt), auch Kanarischer Horn­klee oder Papageienschnabel (Pico de Paloma) genannt, eine Hängepflanze mit roten schmetterlingsartigen Blüten, die nicht in ihrer endemischen Spezies, sondern nur als Zier­pflanze überlebt hat.

Er erforschte die einheimi­sche Flora und hat verschie­dene unbekannte Pflanzen, die in den Bergen wuchsen, bestimmt. Für sein verdienst­volles Wirken wurden einige Pflanzen von den Botanikern nach ihm benannt, wie z.B. die Symbolpflanze Teneriffas: Echium wildpretii (Wildprets Natternkopf), eher geläufig unter dem Begriff „Teide-Nat­ternkopf“ (Tajinaste rojo). Hier handelt es sich wahrscheinlich um die am meisten fotogra­fierte Pflanze der Kanarischen Inseln überhaupt, deren hohe mit zahlreichen roten Einzel­blüten besetzten Blütenstände zu den botanischen Besonder­heiten des Cañadas-National­parks gehören.

Der Botanische Garten in Puerto de la Cruz war Hermann Wildprets Lebenswerk. Durch seine Sortenzüchtung, den regen Handel von und nach Europa und der Katalogisie­rung, Bestimmung und sach­verständigen Pflege der Pflan­zen erlangte der Botanische Garten wegen seiner wissen­schaftlichen Bedeutung Welt­ruf und wurde zu einem einzig­artigen Muster subtropischer Pflanzenkultur. Hermann Wild­prets besonderer Verdienst lag aber auch darin, dass ihm das Weiterbestehen des Botanischen Gartens, .......dessen Existenz öfter bedroht schien, zu verdanken war. Immer wieder musste er finanzielle Unterstützung bzw. Vorschüsse aus den eigenen Erträgen sei­nes Samen- und Pflanzenhan­dels leisten, damit die Arbeiter des Botanischen Gartens ihren Lohn bekamen.

Das von der Regierung genehmigte Budget belief sich im Jahr auf 7.500 Peseten: 2.000 Pts für den Direktor, 1.000 Pts für den Obergärt­ner, 1.500 Pts für die Arbei­ter und 3.000 Pts für Pflan­zenkäufe, Dünger, Werkzeuge und Unterhaltung der Bauten. Unter welchen misslichen Umständen Hermann Wild­pret arbeiten musste, zeigte die traurige Tatsache, dass die oft wechselnden Direktoren, die von Botanik nicht viel Ahnung hatten, das Geld vom Staat zwar einkassierten, die Löhne der Angestellten aber nicht ausbezahlten. Am Ende seiner Amtszeit hatte Hermann Wildpret 10.000 Peseten aus eigener Tasche in die Erhal­tung des Gartens investiert. Nach seinem Weggang verfiel der Botanische Garten aus Mangel an Pflege und gärt­nerischem Sachverständnis immer mehr.

Im dritten Teil dieser Serie wird ein Einblick in die Zeit von dem Schweden Eric Sventenius bis zur heutigen Situation gegeben. 

Jardín de Aclimaticación de La Orotava
Puerto de la Cruz, Calle Retama 2

9 – 19 Uhr (1. April – 30. September)
9 – 18 Uhr (1. Oktober – 31. März)
Geschlossen:
25. Dezember, 1. Januar und Karfreitag

Hijuela del Jardín Botánico (Außenstelle)
La Orotava, Calle Tomás Pérez 1
9 – 14 Uhr
Geschlossen:
Samstag, Sonntag und Festtage



Bildergalerie: Durch einen Schweizer zu Ruhm und internationalem Ansehen
Impression aus dem Botanischen Garten Das „Echium wildpretii“ (Wildprets Natternkopf) oder eher geläufig unter dem Begriff „Teide-Natternkopf“ (Tajinaste rojo) wurde nach Hermann Wildpret benannt. Hermann Wildpret war in den Jahren zwischen 1860 und 1894 Leiter des Botanischen Gartens. 
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