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Freitag, 21.11.2008
Der Botanische Garten in Puerto de la Cruz (I)
Geschichte einer Attraktion
Auch heute noch ist der Botanische Garten in Puerto de la Cruz auf Teneriffa eine der meist besuchten Sehenswürdigkeiten Teneriffas. Zu der Zeit, als Puerto de la Cruz noch Puerto de La Orotava hieß, war der Jardín de Aclimatación de La Orotava bereits eine Attraktion für Reisende, Naturgelehrte, Botaniker und Maler aus aller Welt.
Erste Anpflanzungsversuche an verschiedenen Plätzen im Orotavatal gingen der Entscheidung für die optimale Lage und den endgültigen Standort des Gartens voraus. In San Clemente, östlich von La Quinta, befinden sich heute noch Reste einer dieser Anlagen. Bei all den Versuchen stellte sich heraus, dass sich die wärmeren Temperaturen im Küstengebiet von Puerto de La Orotava (Puerto de la Cruz) am besten eigneten, um einen Akklimatisierungsgarten anzulegen. Das Land, auf dem sich der Garten heute befindet, war eine Schenkung von Francisco Bautista de Lugo y Saavedra, Señor de Fuerteventura und Nachfahre des Konquistadors Alonso Fernández de Lugo, und stammte aus dessen Großgrundbesitzungen Llanos de la Paz-Durazno, zu dem auch das heute der Öffentlichkeit zugängliche Herrenhaus „Abaco“ gehört.
Wasser für die Bewässerung des Gartens kam aus La Orotava – bewilligt von der Gesellschaft Muy Noble Junta de los Caballeros del Agua de La Orotava. Im Zentrum von La Orotava kann man den 4.000 m2 großen Garten Hijuela del Jardín Botánico besichtigen - eine Außenstelle des heutigen Botanischen Gartens von Puerto de la Cruz, in dem alte Drachenbäume, Strelizien, Lilien, Bananengewächse und andere subtropische Pflanzen wachsen. Alonso de Nava y Grimón war auch Gastherr der „Tertulia de Nava“, einem Zirkel hervorragender Persönlichkeiten der Aufklärung (Ilustración) in La Laguna und Leiter der RSEAP, der Königlichen Wirtschaftsgesellschaft der Freunde des Landes von Teneriffa (Real Sociedad Económica de Amigos del País).
Zu diesen intellektuellen Treffen im Hause Nava kam auch der Architekt Diego Nicolás Eduardo aus La Laguna, der mit dem Gartenbauprojekt des Botanischen Gartens beauftragt wurde und die Anlage nach streng geome-trischer Form gestaltete. Da die Regierung von Teneriffa nicht mehr Geld für die Gründung und Erhaltung des Gartens als das veranschlagte Budget investieren wollte, übernahm der Marquis die gesamte weitere Finanzierung aus eigener Tasche. Für seine Großzügigkeit und sein immenses Engagement ließ man ihm zu Ehren 1961 eine Steinbüste im Botanischen Garten errichten. 1791 waren die Arbeiten für den Gartenbau abgeschlossen und ein Jahr später wurden die ersten 35 Pflanzungen bzw. Ansaaten vorgenommen. Die Akklimatisierung der tropischen Pflanzen gelang zwar auf Teneriffa, das Klima auf dem spanischen Festland stellte sich jedoch als unverträglich für die Planzen heraus.
Als der Botanische Garten im Laufe der Zeit auch international bekannt geworden war, fanden sich hier bekannte Persönlichkeiten aus aller Welt ein. So besuchte ihn der französische Naturgelehrte André Pierre Ledrú (1761-1825), der 1796 auf die Insel kam und das erste Pflanzenverzeichnis des Botanischen Gartens anlegte. Dessen Illustrierung realisierte der damalige französische Vizekonsul auf Teneriffa, Naturforscher und Zeichner Louis Le Gros. Auch der deutsche Naturforscher und Geograph Alexander von Humboldt (1769-1859) kam am 20. Juni 1799 in den Botanischen Garten und traf sich hier mit Louis Le Gros, um ihn als Führer für seine Besteigung des Pico del Teide zu gewinnen und die Tour vorzubereiten, da dieser die Route bestens kannte.
Hier auf Teneriffa, wo das Land in kurzer Distanz vom Meeresspiegel bis auf 3.718 Meter ansteigt, hatte Humboldt auf engstem Raum verschiedene Vegetationsstufen ausgemacht, d.h. die Gesetze der Geobotanik erkannt und mit der Pflanzengeographie eine neue Wissenschaft begründet. Er gab der Vulkanologie neue Impulse und betrieb erstmals ökologische Landschaftsforschung. Ein Viertel Jahrhundert später schrieb der französische Diplomat, spätere Konsul auf Teneriffa und Naturgelehrte Sabin
Berthelot (1794-1880), ein Lehrwerk über kanarische Bäume. In den Jahren zwischen 1826 und 1830 unterstützte er Don Alonso de Nava y Grimón bei den Forschungsarbeiten im Botanischen Garten. Weitere Arbeiten, die er mit dem englischen und ebenfalls im Botanischen Garten weilenden Botaniker Philip Barker Webb schrieb, vervollständigten sein wichtigstes Werk, die „Histoire Naturelle des Iles Canaries“, in dem er dem Botanischen Garten ein Kapitel widmete.
Nach dem Tod von Alonso de Nava y Grimón verfiel der Garten zusehends und erst ab 1856 begannen sich einige Direktoren des Gartens wieder mit mehr Erfolg um seine Pflege und Instandhaltung zu kümmern, wie z.B. Nicolás Benítez de Lugo, zu dessen Zeit der alte Pavillon durch einen neuen ersetzt wurde.
In der nächsten Ausgabe des Kanaren-Express berichten wir über die Ära des Schweizers Hermann Josef Wildpret, der Blütezeit des Jardín de Aclimatación de La Orotava.
Jardín de Aclimaticación de La Orotava
Puerto de la Cruz, Calle Retama 2
9 – 19 Uhr (1. April – 30. September)
9 – 18 Uhr (1. Oktober – 31. März)
Geschlossen: 25. Dezember, 1. Januar und Karfreitag
Hijuela del Jardín Botánico (Außenstelle)
La Orotava, Calle Tomás Pérez 1
9 – 14 Uhr
Geschlossen: Samstag, Sonntag und Festtage
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