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Dienstag, 02.12.2008
Modernes Leben hinter antiken Fassaden Teil IV
Kloster Santa Catalina de Siena
Das Monasterio de Santa Catalina de Siena stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört dem Dominikanerorden an. Die hier lebenden Nonnen leben in strenger Klausur, was bedeutet, dass sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten sind und Kontakt nach außen nur durch eine kleine Luke haben.
Während es in den letzten Jahrhunderten auch in reichen Familien üblich war, wenigstens eine Tochter als „Braut Christi“ abzugeben und die Klöster dadurch regen Zulauf hatten, leben heute nur noch sechs Dominikanerinnen in dem strikten Orden.
In der Weihnachtszeit verkaufen die Ordensfrauen traditionelles Weihnachtsgebäck, das als besonders lecker gilt und gerne gekauft wird. Das so genannte Sprechzimmer im ersten Stock des Gebäudes, das vom Innenhof aus zugänglich ist, zeugt von der Abgeschiedenheit, der die Nonnen in den vergangenen Jahrhunderten ausgesetzt waren. Ein Gitter sowie ein drei Meter breiter Korridor trennte die Nonne stets von Familienmitgliedern, die sie besuchten. Die Nonnen mussten sich auch räumlich von weltlichen Bindungen jeglicher Art distanzieren. Außerdem durften sie den Besuchern nur verschleiert gegenübertreten.
Der wunderschöne Kreuzgang im Inneren des Klosters bleibt den weltlichen Mitmenschen verborgen und dient lediglich den Exerzitien der Ordensfrauen. Ebenso der große Gemüse- und Kräutergarten, der zur Verpflegung und Herstellung von Heilmitteln gepflegt wurde. Die Nonnen haben im Laufe der Jahrhunderte eine bedeutende Rolle in der medizinischen Versorgung der armen Bevölkerungsteile gespielt. Frauen, die sich diesem Leben verpflichtet haben, waren zumindest in früheren Zeiten vollkommen von der Außenwelt isoliert, in Krisen- und Seuchenzeiten waren sie allerdings eine wichtige Stütze der Not leidenden Gesellschaft.
In den ehrwürdigen Gemäuern lebte vor 400 Jahren die legendäre Sor Maria Jesú. Ihr werden viele Wunderheilungen zugeschrieben. Zur Zeit steht sie kurz vor der Heiligsprechung durch Papst Benedikt. Damit würde sie nach Padre Anchieta und Hermano Pedro zur dritten Schutzheiligen der Insel.
Der Überlieferung nach lebte Sor Maria Jesú nach eigenen, noch rigoroseren Regeln. So soll sie wochenlang streng gefastet haben und regelmäßig ein Kreuz den Kreuzweg entlang geschleppt haben. Die Nacht verbrachte sie auf einem Nagelbrett und als Ruhekissen diente ihr ein Zementstein. Nach ihrem Tod wurde sie in dem klostereigenen Friedhof begraben. Als ein Korsar aus gutem Hause, der als spiritueller Freund der Nonne galt und nie einen Streifzug antrat, ohne sich von ihr segnen zu lassen, um die Erlaubnis bat, sie auszugraben und in einen besonderen, mit Blattgold verzierten, Sarg zu betten, stellte man überrascht fest, dass der Leichnam auch nach vier Jahren noch keinerlei Verwesungsspuren aufwies.
Im Gegenteil soll ein zarter Veilchenduft die verstorbene Nonne umgeben haben und noch Blut in ihren Adern geflossen sein. Noch heute ist dieses Wunder an jedem 15. Februar zu bestaunen. Dann wird der Sarg für einen Tag geöffnet und Hunderte Pilger strömen herbei, um bei der Verstorbenen Trost und Beistand zu finden. Gläubige schwören darauf, dass sie an ihnen Wunder gewirkt habe. Damit ist nicht nur die Nonne selbst, sondern auch das Kloster Santa Catalina de Siena zur Legende geworden.
Deutsche Führungen werden von Montag bis Freitag um 11.30 Uhr angeboten, Spanische um 10.30 Uhr, 12 und 16 Uhr. Englisch und Französisch auf Anfrage. Bei Gruppen sind jederzeit Sonderabsprachen möglich. Um Voranmeldung wird bei allen Führungen gebeten. Das Tourismusbüro befindet sich in der Casa Alvarado Bracamonte in der Calle La Carrera und ist unter der Telefonnummer 922 63 11 94, täglich von 9 bis 17 Uhr, zu erreichen.
| Bildergalerie: Kloster Santa Catalina de Siena |
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