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Dienstag, 02.12.2008
Modernes Leben hinter antiken Fassaden Teil III
Der Nava-Palast
Die geschichtsträchtige Stadt La Laguna bietet kostenlose Führungen an, damit Interessierte die Möglichkeit haben, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und dem Geist der Stadt durch die Jahrhunderte zu folgen. Diese Serie wendet sich an alle Leser des Teneriffa Express, die sich für Geschichtliches und insbesondere die Geschichte der ehemaligen Hauptstadt Teneriffas interessieren.
Das Geschlecht der Navas
Er hatte den Feldzug von Alonso Fernàndez de Lugo tatkräftig unterstützt und erhielt zum Dank am 25. April 1500 Grundbesitz auf der neu eroberten Insel.
Durch Heirat vergrößerte sich der Familienbesitz immer mehr, sodass sein Nachfahre, Tomás de Nava Grimón, den ersten Markgrafentitel auf Teneriffa erhielt. Das Eingangsportal aus dem Jahre 1585 zeigt das in Stein gemeißelte Wappenschild der Familie. Die Familie galt im Laufe der Jahrhunderte als eines der wichtigsten Geschlechter der Insel. Führende Positionen in der Stadtverwaltung und innerhalb der politischen Machtstrukturen wurden immer wieder von ihren Mitgliedern besetzt. Das Interesse der Navas galt aber auch intellektuellen und kulturellen Aspekten. Aus ihren Kreisen kam der Gründer des botanischen Gartens in Puerto de la Cruz. Die Navas gründeten Kulturzirkel und sorgten im 18. Jahrhundert durch die „Königliche Wirtschaftsgesellschaft der Freunde Teneriffas“ für erste Sozialprogramme, die die schlimmste Not der armen Bevölkerung zu lindern versuchte.
Ebenso stellten sie sich gegen die alleinige Erziehung der jungen Generation durch den Klerus und setzten sich für innovative Ideen ein. Außerdem exportierten sie als Erste kanarischen Wein nach Großbritannien. Selbst in Werken des britischen Dichters Shakespeare wurde der Rebsaft der Kanarischen Inseln lobend erwähnt.
Sinn für Kunst und Kultur
Der Nava-Palast weist typische Bauelemente der verschiedenen Epochen auf. Die beiden parallelen Säulen am Hauptportal sind charakteristisch für den spanischen Renaissance-Stil. Das Balkongeländer im Obergeschoss wurde 1590 von dem bekannten Steinmetz Juan Benítez angefertigt. Es ist im Original erhalten, während die Fenstereinfassungen im Laufe des 18. Jahrhunderts dem klassizistischen Baustil angepasst wurden.
Ein drittes nennenswertes Element aus dem 17. Jahrhundert ist der altar-ähnliche Aufbau, der dem Barock zuzuordnen ist. In der Mitte befinden sich das Wappen und an den Seiten jeweils paarweise salomonische Säulen, die eine ausgesprochene Seltenheit in der kanarischen Hausarchitektur darstellen. Dem Sinn für Kunst und Kultur ist ein sehenswertes Weihnachts-Triptychon (drei durch Schaniere miteinander verbundene Holztafeln) der flandrischen Schule zu verdanken. Es wurde im 16. Jahrhundert für den privaten Gebetsraum der Familie in Auftrag gegeben.
Das Mittelelement mit der Geburt Christi soll vom Maler Pieter Coecke geschaffen worden sein. Die beiden Seitenteile, die Beschneidung und die Vorstellung des jungen Jesu im Tempel wurde von dessen Schülern gemalt. Schließt man das Triptychon, ist als weiteres Bild die Verkündigung zu sehen. Das bedeutende Kunstwerk wurde nach Jahren der durch Erbschaft verursachten Zerrissenheit wieder vereint und ist heute im Städtischen Museum der Schönen Künste, Museo de las Bellas Artes, in Santa Cruz ausgestellt.
Das Geschlecht der Navas hat so nicht nur architektonisch das Bild La Lagunas entscheidend bereichert, sondern auch kulturell und als intellektuelle Vordenker seine Spuren hinterlassen. Seit 1976 gilt das herrschaftliche Gebäude, hinter dessen Mauern viele
weit reichende Entscheidungen gefällt wurden, als Baudenkmal und untersteht einem besonderen Schutz.
Deutsche Führungen werden von Montag bis Freitag um 11.30 Uhr angeboten, Spanische um 10.30 Uhr, 12 und 16 Uhr. Englisch und Französisch auf Anfrage. Bei Gruppen sind jederzeit Sonderabsprachen möglich. Um Voranmeldung wird bei allen Führungen gebeten.
Das Tourismusbüro befindet sich in der Casa Alvarado Bracamonte in der Calle La Carrera und ist unter der Telefonnummer 922 63 11 94, täglich von 9 bis 17 Uhr, zu erreichen.
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