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Dienstag, 02.12.2008
Die Geschichte wiederholt sich
In Santa Cruz fuhr die Straßenbahn schon vor 100 Jahren
Seit Juni diesen Jahres ist Teneriffas moderne Straßenbahn in Betrieb. Mehr als eine Million zahlende Fahrgäste haben bis jetzt bewiesen, dass das öffentliche Verkehrsmittel des Unternehmens Metropolitano mehr als beliebt ist.
Dabei ist die Straßenbahn auf der Insel nichts Neues. Durch die Inselhauptstadt fuhren nämlich schon Straßenbahnen, als es längst noch keine Busse gab. Im Jahr 1901 nahm die erste elektrisch betriebene Tram der Insel in Santa Cruz ihren Betrieb auf.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts war öffentlicher Verkehr ein Thema auf Teneriffa. Pferdefuhrwerke transportierten damals die Menschen zwischen La Laguna und Santa Cruz hin und her. 1899 stellte ein belgisches Unternehmen ihr Straßenbahnprojekt vor: Elektrisch betriebene Züge sollten den öffentlichen Personenverkehr von Santa Cruz bis nach Icod de los Vinos übernehmen. Nebenlinien würden über La Orotava und Puerto de la Cruz führen. Der dafür notwendige elektrische Strom sollte aus einem zentralen Kraftwerk in La Cuesta kommen. Die Pläne der Belgier wurden für gut befunden und so machte man sich am 29. Oktober 1899 an daran, sie in die Realität umzusetzen. Die „Sociedad Anónima Tranvías de Tenerife“ wurde gegründet.
Im Januar des Jahres 1900 verließen die ersten Metallschienen die flämische Stadt Antwerpen, von wo aus sie mit dem Schiff nach Santa Cruz gebracht wurden. Von der Inselhauptstadt aus wurden sie auf Oxenkarren weiter transportiert. Fast genau ein Jahr danach stieg die erste Rauchsäule aus dem Dampfkraftwerk in La Cuesta – der Stromgenerator wurde in Betrieb genommen. Im Februar wurden die ersten Probefahrten durchgeführt. Im März war die erste Teilstrecke durch Santa Cruz fertiggestellt. Die elf Haltestellen von damals waren: Plaza de La Constitución, Calle del Nore, Banco de España, Plaza de Wehler, Fierlato, Hoya de los Locos, La Cuesta, Gracia, Plaza de San Cristóbal, de San Juan und Plaza de La Antigua. Die Straßenbahn fuhr diese Strecke in 34 Minuten. Offiziell eröffnet wurde der erste Straßenbahnabschnitt mit einer großen Einweihungsfeier am 7. April 1901.
Während die Straßenbahn heute zu den Hauptverkehrszeiten im Fünf-Minuten-Takt fährt, fuhr sie Anfang des letzten Jahrhunderts in nicht ganz so kurzen Abständen: die Tram kam etwa einmal pro Stunde an jede Haltestelle. Außerdem war sie nur zwischen 7 Uhr morgens und 8 Uhr abends in Betrieb, während dessen die moderne Straßenbahn heute an Freitagen, Samstagen und Feiertagen rund um die Uhr unterwegs ist. Dennoch war die Tram zunächst so beliebt, dass es nicht beim Ausbau der ersten Teilstrecke blieb. Im Juli 1904 wurde bereits die zweite Teilstrecke, die bis nach Tacoronte führte, eröffnet. Zum Bau der ursprünglich geplanten Route bis nach La Orotva kam es allerdings nie. Auch in Richtung Osten wurde die Strecke nicht – wie eigentlich vorgesehen – erweitert. 1921 kaufte die Inselregierung die bis dahin privat geführte Tram-Linie auf. Finanziert wurde die Übernahme durch einen Bankkredit über 1.100.000 Peseten (das entspricht etwa 6.600 Euro) mit einer Laufzeit von 25 Jahren. In den folgenden Jahren hatte das Unternehmen „Straßenbahn“ mit vielen Problemen zu kämpfen. Es gab finanzielle Engpässe und außerdem wurde die Kritik seitens der Passagiere über das wenig zuverlässige Service der Bahn immer lauter. Gleichzeitig forderten die Straßenbahn-Angestellten höhere Löhne. Am 1. September 1934 wurde die Linie 15 von fünf maskierten Männern angehalten und ausgeraubt (die Beute betrug 700 Peseten, das entspricht etwas mehr als vier Euro). Ein Passagier und der Fahrer wurden bei dem Überfall getötet – das öffentliche Image der Straßenbahn war damit weiter angeschlagen. 1936 machte die Straßenbahn erstmals Defizite. 1949 wurde die Haltestelle in Tacoronte zu einem öffentlichen Platz gemacht und als 1956 bei einem Zugwagen die Bremsen versagten, fuhr die Straßenbahn gegen eine Mauer. Dabei kam ein 16-jähriger Passagier ums Leben. Weitere Passagiere erlitten Verletzungen. Das Fahrservice der Straßenbahn wurde daraufhin vorübergehend aufgehoben und im Februar des Folgejahres schließlich ganz eingestellt.
Der letzte Straßenbahn-Waggon konnten noch viele Jahre danach neben der Straße nach Tejina besichtigt werden, wo er einem Café als „Behausung“ diente. In weiterer Folge brachte man ihn in die Urbanisation El Trébol, Las Galletas-Ten Bel, wo er dann bei einem Brand zerstört wurde. Die Reste des letzten Straßenbahn-Waggons landeten auf dem Schrottplatz.
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02.12.2008 - 















