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Dienstag, 02.12.2008
Neuer Trend aus den USA
Scheidungs-Parties
Der neueste Trend kommt – wie könnte es anders auch sein – aus den USA! Scheidungsparties sind dort der Renner, professionelle Veranstalter kümmern sich darum, dass es den frisch „Ent-Trauten“ auch richtig gut gut.
Eine dieser Parties wurde erst unlängst in Florida gefeiert: Dort tanzten rund 400 frisch Geschiedene ausgelassen bis in die Morgenstunden. Sie tranken Cocktails mit dem doppeldeutigen Namen „Marriage on the rocks“ (wörtlich: Ehe auf Eis). Und demonstrativ wanderte das ein oder andere Ehering-Imitat mit der Toilettenspülung in unbekannte Tiefen – die echten Ringe wären dann für viele doch zu wertvoll gewesen; außerdem: So ein kleines bißchen hängt das Herz ja doch daran…
Der Name der Website von Angie Smith bedeutet frei übersetzt übrigens „nieder mit Katie“ – und hat selbstredend eine Geschichte: Nachdem ihr Mann sie 2006 wegen einer Geliebten namens Katie verlassen habe, hätten ihr Freundinnen ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Fragt Katie, wo mein Mann ist“ geschenkt, berichtet die Unternehmerin. Erstmals seit der Scheidung habe sie wieder lachen können - deshalb beschloss die Betriebswirtin und Marketingexpertin lustige Scheidungs-Geschenke zu vertreiben. Heute feiert Angie Smith mit Ehering-Särgen und ähnlichem Schnickschnack riesige Erfolge.
Soziologen kennen auch den Grund für den Boom von Scheidungparties und -accesoires: Mittlerweile sind Trennungen so alltäglich geworden, dass sie für die Betroffenen keine Lebenskatastrophe mehr darstellen. Also kann man durchaus auch feiern, dass man den mittlerweile ungeliebten Partner endlich los ist.
Ein Stück weit liegt es auch in der Natur des Menschen, einschneidende Erlebnisse durch eine ausgelassene Party zu feiern. Allerdings lässt sich der Hype um die Happy Scheidung auch auf die - geschmacklose - Spitze treiben, wie ein Trend aus Australien zeigt:
Ein australisches Männermagazin hat gerade einen Wettbewerb mit einer kostenlosen Scheidung als Hauptgewinn ausgeschrieben. „Zoo Magazine“ werde sämtliche Kosten übernehmen, erklärte Chefredakteur Paul Merrill. „Es ist ziemlich traurig, wenn eine Ehe scheitert, aber noch trauriger ist es, wenn ein Mann mit einer Frau unter einem Dach festsitzt, die vielleicht mit seinem besten Freund geschlafen hat“, sagte Merrill der australischen Nachrichtenagentur AAP. Zum Gewinn gehört auch die Hilfe bei der Suche nach einer neuen Freundin. Da darf die ketzerische Frage durchaus erlaubt sein: Was können die Männer von Down Under eigentlich allein…?
Überall allerdings stößt der Party-Scheidungs-Boom nicht auf Gegenliebe: „Jede Scheidung ist ein Ärgernis für Gott. Deshalb sollten Trennungen Tränen hervorrufen, nicht Lacher und Witze“, schimpfte der bei Evangelisten populäre christliche Internet-Blogger Barabbas über den lockeren Umgang mit traditionellen moralischen Werten und weiß sich damit in bester Gesellschaft mit traditionellen Kirchenvertretern, die nicht müde werden, Scheidungen als sündhaft zu verurteilen. Für Christina Rowe haben diese allerding auch eine andere Funktion: „Es ist wichtig, nach dem oft schmerzhaften Scheidungsprozess wieder raus zu gehen und zu feiern. Das ist eine emotionale Befreiung“, sagt die Organisatorin von „Amerikas größter Scheidungsparty“. Ihr Mann hatte sie nach 13 Ehejahren verlassen.
Rowe glaubt, dass es in Zeiten instabiler Beziehungen zunehmend einen neuen, selbstbewussteren Umgang mit Trennungen gibt. „Eine Scheidung ist auch der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, den man genauso feiern sollte wie Geburtstage oder Hochzeiten.“ Es stellt sich nur die Frage, wie weit man da geht: Das Ende der Ehe mit einer symbolträch-tigen Fahrt im Leichenwagen zu feiern, wie es zum Beispiel in New Orleans angeboten wird, ist vielleicht nicht unbedingt jedermanns Sache – oder aber bedarf einer wirklich schmutzigen Scheidung im Vorfeld. Wer allerdings meint, diese Scheidungsparties (auf denen übrigens gern auch das Brautkleid verbrannt wird) seien typisch amerikanisch und somit für Europäer nicht ganz ernst zu zu nehmen, irrt sich. Das zeigt ein Blick nach Frankreich. Dort organisieren Julie Vincent und Rebecca Hazan mit ihrem Unternehmen „Wedding Out“ seit einigen Jahren ebenfalls Scheidungsparties – wenngleich auch nicht so schrill, wie diese Veranstaltungen in den USA zelebriert werden. Aber: Eine Scheidungsparty ermögliche es, „gesellschaftlich wieder als Junggeselle anerkannt zu werden“, meint Julie. Deshalb ist auf einem solchen Fest im übrigen auch nur für einen der beiden Partner Platz. „Es soll ja etwas Neues anfangen, da schleift man nicht die Vergangenheit mit sich“, sagt Rebecca.
Auch in der kleinen (konservativen) Schweiz gelten Scheidungen heute nicht mehr als Tabu und als Trauergrund. So bietet der Zürcher Geschäftsmann Fredi Müller ebenfalls das Fest zur Trennung an, betont dabei aber, dass so ein Event keinesfalls billig und ordinär daherkommen dürfe. Der Unternehmer findet sogar, dass es möglich sein muss, gemeinsam mit dem Ex-Partner dieses Ereignis zu feiern. Dass da dann mal keine Versöhnungsfeier draus wird…
Von Andrea Rink
Photos: Simona Balint
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