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Dienstag, 02.12.2008
Sportwissenschaftler enträtseln
Das Geheimnis der Athleten
Die Olympischen Spiele von Peking sind zu Ende, jetzt schlägt die Stunde der Wissenschaftler. In Bayreuth nahmen Sportmediziner jetzt den Medaillenspiegel unter die Lupe – und forschten nach den Gründen, warum bestimmte ethnische Gruppen in bestimmten Disziplinen so erfolgreich waren.
Besonders markant ist dabei die Bilanz der schwarzen Läufer, die nicht erst in Peking erfolgreich waren, sondern bereits seit Jahren Dauergast auf den Siegerpodesten internationaler Wettkämpfe sind. Sportwissenschaftler an der Universität von Bayreuth untersuchten das Phänomen.
© Melodi T/stockxpert
Lange Zeit waren Forscher auch davon ausgegangen, dass ein besonders großes Herz dem afrikanischen Athleten auf das Siegertreppchen helfe. Doch Studien haben ergeben, dass die Herzen schwarzer Athleten im Vergleich zu Mitteleuropäern sogar relativ klein sind. Und auch ihre Muskelfasern unterscheiden sich nicht wesentlich in der Zusammensetzung. Der Grund für die sportliche Überlegenheit schwarzer Athleten im Laufen liegt nach neuesten Erkenntnissen woanders: Man hat herausgefunden, dass beispielsweise ostafrikanische Läufer über einen anderen Körperbau verfügen als Europäer. Sie haben im Verhältnis zum Oberkörper deutlich längere und zudem sehr schlanke Beine. Dazu muss man wissen, dass bereits geringe Gewichtsunterschiede an den Beinen den Läufern zu einem deutlichen Vorteil verhelfen. Deshalb tragen sie übrigens ausnahmslos im Wettkampf leichtere Schuhe als im Training. Interessantes Ergebnis der Forschungen: Die Mediziner haben entdeckt, dass die afrikanischen Athleten ein Enzym haben, das ihren Fettstoffwechsel begünstigt: Sie benötigen für dieselbe Laufgeschwindigkeit weniger Sauerstoff und produzieren dennoch weniger Milchsäure als europäische Sportler. Darum ermüden sie langsamer und können ihre Leistung länger halten. Damit nicht genug der Unterscheidungsmerkmale: Westafrikanische Läufer haben zudem eine besonders stabile Achillessehne.
Diese Unterschiede sind einer der Gründe, weshalb die Spitzenleistungen der schwarzen Athleten meist auf das Laufen begrenzt bleiben.
Relatives Neuland betraten die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen über die Gründe, warum asiatische Sportler in ganz unterschiedlichen Disziplinen Medaillen holten. China beispielsweise war im Fechten, Gewichtheben, Tischtennis und Turnen ausgesprochen erfolgreich. Ihre im Vergleich zu Europäern oder Afrikanern oft kleinere Statur verschafft ihnen einen idealen Vorteil in Sportarten, bei denen vor allem Körperkoordination gefragt ist, wie etwa Turnen oder Synchronspringen. Die Gründe liegen auf der Hand: Kleinere und leichtere Menschen müssen weniger Masse beschleunigen und haben ein geringeres Drehmoment. Wenn ein Zwei-Meter-Mann beispielsweise beim Turmspringen eine Schraube dreht, wirken deutlich größere Kräfte, als wenn ein kleinerer Mensch sich dreht. Auch das Trägheitsmoment ist geringer, weil der Schwerpunkt der Teilmassen näher an der Drehachse liegt.
Es stellt sich die Frage, ob diese Untersuchungen auch für Europäer und Amerikaner gelten. Offenbar nicht ganz. Denn sie sind wahre Allrounder was den Medaillenspiegel angeht. Vielleicht kommt dabei aber eine andere Sache zum Tragen: Das mentale Training nämlich. Bereits seit geraumer Zeit wird das in Europa verstärkt genutzt, um Sportler auf den Wettkampf vorzubereiten. Auch die deutschen Dressurreiter arbeiteten bei der Vorbereitung auf Olympia mit mentalen Trainingseinheiten. So mussten beispielsweise immer zwei Reiter gemeinsam einen Parcours mit dem Auto bewältigen – dem Fahrer wurden dabei die Augen verbunden, der Beifahrer war Lotse.
Von Andrea Rink
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