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Freitag, 21.11.2008
Affen mit besserem Kurzzeitgedächtnis
„Game over“ für den Menschen
Der Mensch stammt vom Affen ab. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Dass aber Schimpansen einige Dinge sogar besser können, als der Homo Sapiens, dürfte überraschend sein.
Genau das wurde jetzt bei einem Versuch an der Universität von Kyoto (Japan) festgestellt: Fünf Jahre alte Schimpansen erwiesen sich als schneller und präziser, wenn es darum ging, Zahlenreihen wiederzugeben, die kurz auf dem Bildschirm aufblinkten.
Bei dem Versuch waren dann diese Zahlen willkürlich in quadratischen Feldern auf dem Bildschirm angeordnet. Wurde das Feld mit der Nummer eins berührt, wurden alle anderen Felder plötzlich weiß. Die Schimpansen hatten jetzt die Aufgabe, diese Quadrate so zu berühren, dass die Zahlen zwei bis neun in der ursprünglichen Anordnung auf den Bildschirm zurückgeholt wurden.
Am schnellsten war dabei Schimpanse Ayumu. Er durfte deshalb auch in einem zweiten Test antreten, bei dem zwar nur fünf Zahlen gezeigt wurden – dafür aber auch viel kürzer: Sieben, vier und zwei Zehntelsekunden hatten die Wettbewerber Zeit, sich deren Anordnung einzuprägen.
Leuchteten die fünf Zahlen sieben Zehntelsekunden lang auf, erreichten Ayumu und seine neun studentischen Gegner jeweils eine Trefferquote von 80 Prozent. Blinkten die Zahlen jedoch nur noch vier oder sogar nur zwei Zehntelsekunden auf, war Ayumus Leistung immer noch zu 80 Prozent korrekt, die Studenten erzielten jedoch nur noch eine Trefferquote von 40 Prozent.
Bei den fünfjährigen Affen habe sich eine Art fotografisches Gedächtnis gezeigt, erklärt Tetsuro Matsuzawa, der Leiter der japaniscen Studie. Die Verhaltensforscher schlussfolgerten, dass Schimpansen das gezeigte Zahlenmuster im Kurzzeitgedächtnis eindeutig besser erfassen konnten. Vermutlich handle es sich hierbei um eine kognitive Fähigkeit, die der Mensch im Laufe der Evolution zurückgestellt habe, um andere Fähigkeiten wie beispielsweise die Sprache zu erlernen. Die Fähigkeit, Bilder in allen Details kurzzeitig im Gedächtnis zu behalten, wird immer wieder bei Kindern beobachtet. In künftigen Versuchen sollen die Menschenaffen deshalb gegen jüngere menschliche Konkurrenten antreten.
Dieser Versuch ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr sich das Denken von Mensch und Schimpanse gleicht. Eine Studie am „Yerkes National Primate Research Center“ an der Emory Universität in der amerikanischen Stadt Atlanta gab unlängst einen weiteren, interessanten Einblick in die Gedankenwelten von Mensch und Affe: Dabei zeigte sich, so berichten die Forscher, dass die Denkprozesse von Schimpansen große Ähnlichkeit mit denen von Menschen im Ruhezustand aufweisen. Als Denken im Ruhezustand könne man etwa das intensive Grübeln über Problemlösungen bezeichnen, erklärte Jim Rilling, Forscher am Yerkes National Primate Research Center. Die Resultate der Studie bezeichnete der Wissenschaftler als besonders signifikant, da sie sowohl für die Einzigartigkeit des Menschen als auch für dessen Naheverhältnis zu seinem engsten lebenden Verwandten, dem Schimpansen, Beweis seien.
Die US-Forscher stellten unter anderem fest, dass die Gehirnaktivitäten in bestimmen Regionen bei beiden Versuchsgruppen ähnlichen Mustern folgen. Dies trifft insbesondere auf jene Bereiche zu, die für die Reflexion des eigenen sowie des Geisteszustandes anderer zuständig sind. Aber auch Unterschiede wurden gefunden. So finden sich jene Bereiche des Gehirns, die für Sprache und Bedeutungsverständnis zuständig sind, nur beim Menschen.
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