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Samstag, 22.11.2008
Weltrangliste der Pressefreiheit 2007 öffentlich
Deutschland, Österreich und Schweiz in den Top20
Zum mittlerweile sechsten Mal veröffentlichte die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) ihre Rangliste zur weltweiten Situation der Pressefreiheit. Dabei wird die Lage der Medien in 169 Ländern miteinander verglichen. Eine wesentliche Rolle bei der Erhebung der Rangliste spielen sowohl Zensur als auch Gewalt gegen „die vierte Gewalt“.
In Europa sind Journalisten am „freisten”
Die 14 best platzierten Länder liegen in Europa; alle Mitgliedsländer der Europäischen Union sind unter den ersten 50 – mit Ausnahme von Bulgarien (51.) und Polen (56.).
In Bulgariens Hauptstadt Sofia laufen Journalisten Gefahr, wegen kritischer Berichte attackiert zu werden. Das Klima dort hat sich weiter verschärft, weil die Anklage gegen Polizisten fallen gelassen wurde, die einen Journalisten zusammen geschlagen hatten. In Polen weigern sich die Behörden, Pressevergehen zu entkriminalisieren; Journalisten erhalten häufig Bewährungsstrafen. Seit die Brüder Kaczynski an der Macht waren, mehrten sich die strafrechtlichen Verfolgungen von Journalisten.
Die Länder in Nordeuropa schneiden wie auch in den vergangenen Jahren am besten ab. Die Niederlande sind allerdings vom ersten auf den zwölften Platz abgerutscht. Zwei Journalisten der Tageszeitung „De Telegraaf“ wurden zwei Tage in Gewahrsam genommen, da sie sich weigerten, den Justizbehörden ihre Quellen zu nennen.
Dänemark zählt wieder zu den Spitzenreitern. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen ist beendet. Die Journalisten der Tageszeitung „Berlingske Tidende“ wurden von dem Vorwurf der „Gefährdung der Staatssicherheit“ freigesprochen.
Spanien erreichte nur Platz 33. Die baskische Separatistengruppe ETA hat ihren Waffenstillstand gebrochen. Daher schwindet die Hoffung, dass Journalisten wieder frei von Drohungen und Angst vor Gewalt arbeiten können. Viele spanische Journalisten haben Polizeischutz.
Hier dürfen Journalisten ihre Meinung nicht frei äußern
Die unteren 20 Ränge belegen sieben asiatische Länder (Pakistan, Sri Lanka, Laos, Vietnam, China, Birma/Myanmar und Nordkorea), fünf afrikanische Staaten (Äthiopien, Äquatorial Guinea, Libyen, Somalia und Eritrea), vier aus dem Nahen Osten (Syrien, Irak, Palästinensische Gebiete und Iran), drei GUS-Staaten (Weißrussland, Usbekistan und Turkmenistan) und Kuba.
„In Birma/Myanmar (164.) hat das Vorgehen der Militärs gegen Demonstranten in den vergangenen Wochen erneut gezeigt, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung in dem Land nicht existiert. Bedauerlich ist auch, dass China (163.) noch immer ganz unten steht. Weniger als ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking ist es fraglich, ob die so oft versprochenen Reformen umgesetzt und inhaftierte Journalisten freigelassen werden“, so ROG.
Die Türkei ist neben Russland das einzige Land Europas, in dem ein Journalist ermordet wurde. Hrant Dink, Herausgeber der armenisch-türkischen Zeitung „Agos“, wurde im Januar von radikalen Nationalisten erschossen. Auch wiegt der §301 des Strafgesetzbuches, der die Beleidigung des Türkentums unter Strafe stellt, nach wie vor schwer.
So wird der Grad der Medienfreiheit ermittelt
Jedes Jahr verteilt Reporter ohne Grenzen einen 50 Kriterien umfassenden Fragebogen an Partnerorganisationen, ROG-Korrespondenten, Journalisten, Wissenschaftler, Juristen und Menschenrechtsaktivisten. Ziel der Befragung ist ein repräsentatives Bild der weltweiten Situation der Pressefreiheit zu erhalten. Die heute präsentierte Rangliste beinhaltet 169 Länder.
Insgesamt betrachtet wird beim Blick auf die Rangliste schnell klar, dass außerhalb Europas keine Region vor Zensur oder Gewalt gegenüber Journalisten geschützt scheint. So liegen allein von den zwanzig letzt gereihten Ländern sieben in Asien, fünf in Afrika und vier im Nahen Osten. Speziell herauszuheben sei laut ROG auch die beunruhigende Entwicklung in Burma, der eklatante Mangel an Medienvielfalt in Russland und die repressiven Zensurmethoden in China.
Reporter ohne Grenzen
1985 im südfranzösischen Montpellier von einer Hand voll Journalisten gegründet, ist Reporter ohne Grenzen heute eine weltweit agierende Menschenrechtsorganisation. Ein Netzwerk aus über 100 Korrespondenten, fünf Büros und neun Sektioen setzt sich rund um den Globus für Meinungs- und Pressefreiheit ein. ROG‘s Hauptsitz ist in Paris ; seit 1994 ist die deutsche Sektion von Berlin aus tätig.
Reporter ohne Grenzen ist als Nichtregierungsorganisation international anerkannt. Die Organisation hat Beraterstatus beim Europarat, bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen sowie bei der UNESCO. Für ihr weltweites Engagement hat ROB bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.
Rangliste der Pressefreiheit 2007
(nicht vollständig)
Rang Land
1 Norwegen
2 Island
3 Estland
4 Slowakei
5 Belgien
6 Finnland
7 Schweden
8 Dänemark
9 Irland
10 Portugal
11 Schweiz
12 Lettland
13 Niederlande
14 Tschechische Republik
15 Neuseeland
16 Österreich
17 Ungarn
18 Kanada
19 Trinidad und Tobago
20 Deutschland
21 Costa Rica
22 Slowenien
23 Litauen
24 Großbritannien
25 Mauritius
26 Namibia
27 Jamaika
28 Australien
29 Ghana
30 Griechenland
31 Frankreich
32 Taiwan
33 Spanien
34 Bosnien-Herzegowina
35 Italien
42 Rumänien
43 Südafrika
44 Israel
45 Kapverden
46 Zypern
47 Nicaragua
48 USA (Inland)
51 Bulgarien
101 Türkei
103 Israel (außerhalb Isreaels)
162 Vietnam
163 China
164 Myanmar/Birma
165 Kuba
166 Iran
167 Turkmenistan
168 Nordkorea
169 Eritrea
Quelle: www.reporter-ohne-grenzen.de
Barometer
Seit 1.1.2007
77 Journalisten getötet
11 Medien-Assistenten getötet
derzeit sind
128 Journalisten inhaftiert
6 Medien-Assistenten inhaftiert
64 Online-Dissidenten inhaftiert
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