 | | Must-Have für jede Frau: der Lippenstift | | © Cornerstone |
| 24.07.2008 - Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte der Lippenstift im Jahr 1883. Damals präsentierten französische Parfümeure auf der Weltausstellung in Amsterdam den sogenannten „Stylo d’Amour“ (Liebes-Stift) und machten damit das Make-up auf einen Schlag viel, viel einfacher. Um rote Lippen zu bekommen, hatten sich die Frauen der Ära vor dem Lippenstift eine ganze Menge einfallen lassen müssen – das Bestreichen der Lippen mit scharfem Essig war nur eine der Ideen für den ultimativen Kussmund.
Allerdings hatte das in Papier eingewickelte und respektlos „saucisse“, also „Würstchen“, genannte Accessoire einen stolzen Preis: Umgerechnet rund 50 Euro musste die Frau von Welt für den Lippenstift damals hinblättern.
Ergo blieb diese neue Verschönerungsmethode zunächst den Reichen vorbehalten. Aber die Karriere des Lippenstifts war trotzdem unaufhaltsam – und nahm einige Jahre später sogar politische Dimensionen an: Die Suffragetten nutzten ihn um 1912, um auf ihre Frauenbewegung aufmerksam zu machen. Vielleicht aber auch, um zu zeigen, dass politisch-soziales Bewusstsein und Weiblichkeit sich nicht ausschließen.
Den endgültigen Durchbruch schaffte der Lippenstift dann 1920: Stummfilmstars wie Clara Bow oder Theda Bara trugen bei öffentlichen Auftritten verführerisch rote Lippen und machten ihn so zum Sehnsuchtsobjekt.
Daran änderten auch die Kriegszeiten kaum etwas – der Lippenstift war selbst in schwersten Zeiten von den Schminktischen nicht mehr wegzudenken.
Die Drehmechanik, die den Lippenstift noch ein Stück praktischer machte, wurde in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfunden. Zeitgleich mit dem Konturenstift, der bis heute als zweiter Teil des Duos für einen perfekt geschminkten Mund gilt.
Allerdings waren die Produkte damals nicht besonders hautfreundlich, ganz im Gegenteil trockneten sie die Lippen ziemlich aus. Das änderte sich dann durch eine Frau namens Hazel Bishop: Die US-amerikanische Chemikerin experimentierte in ihrer Freizeit an einer besseren Textur für den Lippenstift. Als Labor diente Mutters Küche. Nach mehr als 300 Versuchen gelang ihr ein Volltreffer: Der erste Lippenstift auf Lanolin-Basis, der gleichzeitig Farbe und Pflege schenkte.
In dieser Zeit, den Fifties, gab es den Lippenstift nur in einem Farbton – einem klaren, leuchtenden Rot. Das wurde ein Jahrzehnt später anders: Da übertrafen sich die Unternehmen in der Lancierung immer neuer Trendtöne. Zum Renner der 60er und 70er Jahre avancierte schließlich ein mattes, helles Rosa. Das wurde abge-löst von einem leuchtenden Pink, einer Signalfarbe, die perfekt zur modischen Aufbruchsstimmung der 80er passte. Ende der 90er schließlich macht dann der Nude-Look mit zarten Nuancen von Beige, Pfirsich und Rosé Furore – und schmückt auch heute noch die Lippen der Fashionistas. Die aber wählen ihre Lieblingsfarbe ganz nach Lust und Laune – schließlich gibt es den Beauty-Profi in unzähligen Farbvarianten …
Ganz nach Lust und Laune trifft dabei aber nur bedingt zu. Psychologen haben nämlich herausgefunden, unter welchen (unbewussten) Gesichtspunkten Frauen ihre Lieblings-Nuancen des Lippenstifts wählen. Und bei diesen Psycho-Secrets spielen weit mehr als nur Haar- und Hautfarbe eine Rolle.
Wer zum Beispiel zu einem kräftig-leuchtenden Pink-Ton greift, gehört oftmals zu den leisen, sogar etwas schüchternen Beauty-Typen – der kräftige Ton signalisiert für die Benutzerin genau die Portion freches Selbstbewusstsein, das sie sich im Leben wünscht.
Frauen, die selbstsicher und gelassen durchs Leben gehen, greifen beim Lippenstift beinahe automatisch zu klassisch-eleganten Tönen, die genau dieses Selbstbewusstsein unterstreichen. Modisch-schrille Experimente macht dieser Frauen-Typ nur ganz bewusst und wenn es zum Beauty-Anlass passt. Dann aber beweisen diese Frauen ein Höchstmaß an modischem Gespür – die neuen Nude-Töne in extravagantem Beige beipielsweise sind für sie erste Wahl.
Auch auf Hochglanz ge-brachte, glossige Lippen sprechen eine deutliche Sprache – die der subtilen Verführung nämlich. Wer dazu greift, möchte seine Weiblichkeit betonen und ist ganz und gar auf flirtige Momente eingestellt. Kein Wunder also, dass Gloss vor allem im Sommer ein absolutes Must-Have ist.
Einen Hauch von Dramatik lieben dagegen alle Fans von matten Texturen der Lippenstifte – denn diese sind ideal, um den Lippen unverwechselbaren Star-Appeal zu verleihen.
Zu einem wahren Kunstwerk sind heute die Drehhüllen der Lippenstifte geworden. Besetzt mit Kristallsteinchen, mit Chinalack überzogen oder mit Ornamenten geschmückt geben sie ebenfalls ein Statement zum modischen Ge-schmack der Frau ab, die den jeweiligen Stick benutzt. Kein Wunder, dass der Lippenstift überall auf der Welt als unverzichtbar gilt. Von Andrea Rink
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