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Freitag, 21.11.2008
Eine Zeitreise…
Trend im Anzug
Coco Chanel war nicht nur eine Stil-Ikone der internationalen Modeszene, sie galt auch als Frau mit einem nahezu untrüglichen Instinkt für Trends. Aber einmal irrte sich die Grande Dame der Modemacher doch…
„Hosen sind hässlich, wetterte Coco Chanel kurz vor den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, „höchstens auf dem Land kann man so etwas tragen“. Für die Designerin galten Hosen und auch Anzüge schlicht als unweiblich.
Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass Filmstar Marlene Dietrich einige Jahre später die Hosenanzüge salonfähig machte. Für Coco Chanel blieben sie ein absolutes No Go in der Mode.
Denn die aktuellen Anzüge sind ultraweiblich, raffiniert und tragbar zu jeder Gelegenheit – sie verkleiden Frauen nicht sondern betonen noch ihre Femininität.
Herr Poiret
Es wäre natürlich schön, wenn der Hosenanzug von einer Frau erfunden worden wäre – sozusagen als maßgeschneidertes Statement zur Emanzipation. Doch die Mode-Historie kennt dazu eine andere Geschichte:
Paul Poiret war einer der führenden Schneider, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf sich aufmerksam machte. Dank seiner ungewöhnlichen Kreationen machte er sich in der Masse der Zeichner diverser Modehäuser einen eigenständigen Namen.
Ungewöhnlich genug für seine Zeit, die Frauen gern ebenso weiblich wie unbequem kleidete: Als ein erklärter Gegner des Korsetts und Befürworter des Büstenhalters, versuchte Poiret diese Qualen seiner damals schwangeren Frau zu ersparen und entwarf schlichte Hängekleider.
Da er aber die Figur gern betonte, wurden aus seinen Hängekleider bald hautenge Schläuche. Esgab damals aber noch keine Stretch-Stoffe und so musste er Schlitze in die Kleider nähen, damit sich die Frauen in seinen Kreationen noch bewegen konnten.
Damit der ganze Look nicht jedes Maß an Schicklichkeit verlor (er galt für jene Zeit ohnehin schon als ausgesprochen gewagt) nähte Moniseur Poiret eine Art Schläuche an diese Kleider.
Daraus entwickelte er 1911 den ersten Hosenanzug für die Frauen.
Frau Dietrich
Dennoch bewies der Modemacher mit seiner Idee einen ziemlich guten visio-nären Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung.
Denn nur wenige Jahre danach, in den 20ern, beanspruchten die Frauen mehr und mehr von den Rechten, die traditionell bisher den Männern vorbehalten waren. Frauen durften damals in einigen Ländern wählen und wollten sich, zur Betonung dieser Gleichheit, auch ähnlich kleiden wie die Herren der Schöpfung.
Der Garçonnestil ist ein typisches Kennzeichen dieser Zeit: Er stellte die Frau als männliches Wesen dar, sie trugen die gleiche Kleidung und den gleichen Haarschnitt.
Dieser Stil konnte sich jedoch nicht so recht durchsetzen – die meisten Frauen trauten sich schlicht nicht. In den weltoffenen Metropolen sah man zwar ei-nige der Befürworterinnen dieses Stils, auf dem Lande jedoch so gut wie gar nicht.
In den 30er Jahren machte dann Marlene Dietrich Karriere – und verschaffte dem Hosenanzug einen enormen Boom. Sie zeigte, dass ein Hosenanzug ausgesprochen elegant und feminin wirken konnte – und einfach gut aussah.
Dazu trug übrigens wesentlich die Tatsache bei, dass Marlene Dietrich den Anzug stets mit einem eleganten Make-up kombinierte. Die Hosen, die sie damals zum Jacket trug, heißen bis heute Marlene-Hosen: Weit geschnitten und aus weich fallenden Stoffen sind sie aus der Mode nicht mehr wegzudenken.
Der zweite Weltkrieg machte dann aus der modischen Tugend eine Notwendigkeit: Stoffe waren knapp, es mangelte an Designern und natürlich an modischen Ideen – und die Hose wurde zum ebenso praktischen, wie vielfach hässli-chen, Allround-Kleidungsstück.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass der Hosenanzug nach Kriegsende für keinen Designer ein Thema war.
Ganz im Gegenteil schwelg-ten sie in weiblichen Kleidern, edlen Stoffen in Hülle und Fülle sowie einer ganz und gar femininen Silhouette. Bestes Beispiel für diese Trendwende war der New Look von Christian Dior.
Der Hosenanzug war und blieb out – bis in die 60er Jahre. Da setzte er sich langsam wieder durch, vor allem in verschiedenen Motto-Looks wie etwa dem Safari-Stil.
Monsieur Mugler
Bis in die 80er Jahre gab es den Hosenanzug für Frauen zwar – eine modische Sensation allerdings war er nicht. Das änderte wiederum ein Mann: der französische Designer Thierry Mugler. Denn er verpasste den Karrierefrauen dieser Ära einen ultra-straighten Look: seine Hosenanzüge in leuchtenden Farben, wie etwa einem beinahe grellen Kobaltblau, wirkten mit breiten Schulterpolstern und streng taillierten Formen eher wie Uniformen als wie individuelle Mode-Ideen und passten damit perfekt in den Zeitgeist dieser Ära.
Heute allerdings hat der Hosenanzug seinen Ruf als modisches Statement verloren. Er ist vielmehr zur Selbstverständlichkeit für alle Frauen geworden, die lässig, selbstbewusst und gleichzeitig weiblich gekleidet sein wollen. Er wird heute am Abend genauso gern getragen wie am Tag, macht sich auf Festen mit High Heels und glitzerndem Schmuck fein, signalisiert in Konferenzen Kompetenz mit klassischen Pumps und einem schlichten Rolli und gibt sich in der Freizeit lässig mit Shirt und Turnschuhen. In diesem Sommer zeigt der Hosenanzug in verschiedenen Formen modisches Gespür: Einmal gibt es die ganz klassischen Varianten mit schmal geschnittenen Hosen und einreihig zu schließenden Jacken – die übrigens in diesem Sommer nur knapp über die Hüfte reichen. Daneben sind modische Formen mit weitgeschnittenen Hosen ebenso „in“.
Fotos: Gil Bret, Warehouse, Austin Reed, Long Tall Sally, CC Petite
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