Deutschsprachiges Nachrichten- und Informationsportal für die Kanarischen Inseln
Ein Qualitätsprodukt der Island Connections® Media Group
Freitag, 21.11.2008
Was man gegen Wetterfühligkeit tun kann
So wird’s ein prima Klima
Morgens Calima mit Temperaturen um die 40 Grad, nachts Abkühlung auf 20 Grad – diese Temperaturschwankungen machen vielen Menschen zu schaffen. Wetterfühligkeit ist allerdings nicht nur auf den Kanaren ein Problem. Mittlerweile hat damit jeder zweite Europäer zu tun.
Frauen leiden mehr
Lange Zeit wurde Wetterfühligkeit mit einem geringschätzigen Lächeln unter der Rubrik eingebildete Leiden abgetan.
Der Grund liegt in ihrer Hautbeschaffenheit: Die weibliche Haut ist durchschnittlich um einen halben Millimeter dünner als die von Männern. Temperaturschwankungen werden daher vom weiblichen Teil der Bevölkerung deutlicher – und bisweilen unangenehmer – wahrgenommen. Darüber hinaus spielen auch Hormone eine Rolle für den Grad der Wetterfühligkeit: In den Wechseljahren ist diese deutlich stärker ausgeprägt.
Generell unterscheiden Mediziner bei diesem Krankheitsbild zwischen Wetterfühligkeit und Wetterempfindlichkeit: Als wetterfühlig bezeichnet man Menschen, die zum Beispiel bei Tiefdruck unter Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufstörungen leiden, ohne krank zu sein. Wetterempfindlich wird man durch Erkrankungen wie Rheuma, Migräne, Herzprobleme. Die Symptome dieser Krankheiten verschlechtern sich dann bei einem bestimmten Klima.
Gemeinsam haben Ärzte und Klimaforscher ermittelt, welches Wetter den Menschen besonders gut tut.
Gutes Wetter
Eine anhaltende Schönwetterlage mit mittleren Temperaturen ist für den Organismus am angenehmsten. Ebenso gut fürs Wohlbefinden: See- oder Gebirgsluft. Diese ist meist frisch, aber nicht kalt, dazu weht ein leichter Wind. Mit Ausnahme der Hochsommermonate und einiger Wochen im Winter klingt das, wie das thermische Profil der Kanarischen Inseln. Und tatsächlich wurde bereits vor geraumer Zeit festgestellt, dass der Archipel nahezu ein Idealklima für die Gesundheit besitzt.
Zu den einzelnen Wetterlagen: Ein stabiles Hoch, heiter bis wolkig, mit Temperaturen um die 20 bis 25 Grad, hält die Gefäße gesund. Es gibt dabei keinerlei Belastungen für Herz oder Kreislauf. Der Sonnenschein regt die Produktion von Vitamin D und dem Glückshormon Serotonin an: Deshalb ist diese Wetterlage ebenso gut für den Körper wie für das Seelenleben.
Eine Temperatur von maximal 27 Grad im Frühling oder Sommer hat den größten Wohlfühleffekt. Nachts sollte sie etwas unter der 20-Grad-Marke liegen, dann schläft man besonders gut. Tagestemperaturen von 19 bis 22 Grad sind günstig für Aktivitäten im Freien. Mit Bewegungsenergie läuft man zu Höchstform auf.
Wenn die Luftfeuchtigkeit eher gering ist, funktioniert der Kreislauf prächtig. Dann entsprechen die gefühlten Temperaturen exakt denen, die das Thermometer anzeigt.
Apropos gefühlte Temperaturen: Dieser Begriff ist bereits seit einigen Jahren eine feste Größe in der Sprache von Ärzten und Meteorologen. Temperatur ist nämlich keine absolute Größe. So können sich 20 Grad im Mai kühler anfühlen als im September, umgekehrt wirken 28 Grad im Juli ganz anders als die gleiche Temperatur im Oktober.
Schlechtes Wetter
Folgende Wetterlagen haben sich mittlerweile als generell schlecht für den Körper erwiesen: Kaltfronten. Bei Kälte ziehen sich die Gefäße zusammen. Das ist einer der bekanntesten Auslöser für Kopfschmerzen.
Bei kalten Temperaturen muss der Körper zudem viel Wärme produzieren, dabei steigt der Blutdruck. Dazu kommt, dass das Blut leichter gerinnt; das schädliche LDL-Cholesterin nimmt zu.
Auch die Atemwege verengen sich in der kalten Luft: Darum kommt es dann öfter zu Problemen bei Asthma oder chronischer Bronchitis. Auch die Schmerzempfindlichkeit ist erhöht. Deshalb klagen Wetterfühlige bei Kälte öfter über rheumatische Beschwerden, Narben- und Bruchschmerzen.
Bei sommerlicher Hitze dagegen weiten sich die Gefäße, der Blutdruck rutscht in den Keller. Dadurch wird der Herzmuskel oft nicht ausreichend durchblutet. Die Konsequenz: Der Mensch fühlt sich matt, müde und abgeschlagen. Die Schweißdrüsen kommen mit der Produktion nicht nach, der Körper greift auf Gewebswasser zurück, um sich abzukühlen. Genau daher rührt im Hochsommer die Gefahr der Dehydration. Gegen drohende Austrocknung hilft nur eins: viel trinken. Am besten Mineralwasser, ungesüßte Säfte, Kräuter- oder Früchtetees.
Interessant ist an den neuesten Erkenntnissen rund um das Thema Wetterfühligkeit: Der Luftdruck hat, entgegen der landläufigen Meinung, keinerlei negativen Effekt auf den Körper. Luftfeuchtigkeit lässt Kälte noch kälter wirken, verstärkt Narben- und Rheumaschmerzen, verheilte Brüche tun weh. Bei Wärme verhindert feuchte Luft (Schwüle) die Verdunstung von Schweiß auf der Hautoberfläche. Es gibt kaum Abkühlung des Körpers. Das führt zu einer extremen Belastung für Herz und Kreislauf.
Auf den Kanaren macht besonders ein Wetterphänomen den Menschen zu schaffen: Der Calima, dieser so genannte „Bruma seca“ (Trockener Nebel) kommt von der Sahara mit östlicher Strömung und bringt neben der trockenen, warmen Luft feinen Sandstaub mit.
Hochdruck über der Sahara erhöht die Temperatur und verringert die Luftfeuchtigkeit. Die Sicht ist dann leicht getrübt, die Niederschlagsneigung bei der geringen Feuchte aber sehr gering. Aufgrund des Staubgehalts in der Luft führt Calima-Wetter oft zu Reizungen der Atemwege. Calima-Einbrüche können mitunter sehr heftig sein: Dann setzt plötzlich ein starker Sturm ein und tauscht die Luftmassen aus. Auch nachts kann es zu einem starkem Temperaturanstieg kommen, während gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit rapide sinkt.
Der Calima in den Sommermonaten (Juni bis September) belastet wegen der Kombination von starkem Wind und heißer Luft das Kreislaufsystem. In den Wintermonaten kommt er ebenfalls vor, der Wind ist dann aber weniger heiß. Der Himmel wird diesig, die Aussicht in die Ferne nach und nach geringer. In der Regel erkennt man einen heranziehenden Calima schon ein oder zwei Tage vorher. Dann ist das Gebot der Stunde: Rechtzeitig handeln, Fenster und Türen schließen. So ist man auch vor der bösen Überraschung gefeit, dass man am frühen Morgen in einem wahren Backofen aufwacht.
Was wirklich hilft
Generell raten Mediziner Wetterfühligen zu folgenden Maßnahmen: Zunächst einmal kann man sich auch gegen Wetterfühligkeit abhärten. Wer bei jedem Wetter in der frischen Luft unterwegs ist und sich bewegt, trainiert die Gefäße und fördert eine bessere Anpassung an Temperaturwechsel. Saunagänge und Wechselduschen regulieren den Kreislauf und vermindern ebenfalls die Überempfindlichkeit. Zigaretten und Koffein dagegen sind für wetterfühlige Menschen Gift und sollten möglichst gemieden werden.
Zusätzlich kann man mit Entspannungsübungen wie Autogenem Training, Chi-Gong oder Yoga das vegetative Nervensystem stärken. Das nämlich spielt bei Wetterfühligkeit eine entscheidende Rolle. Dazu kommt, dass diese Techniken auch den Stress abbauen. Und der verstärkt Wetter-Beschwerden.
Wichtig ist auch, den Biorhythmus einzuhalten. Also immer zur gleichen Zeit aufstehen und schlafen gehen. Das reduziert nachweislich die Anfälligkeit für typische Wetter-Beschwerden wie Kopfschmerzen und Migräne.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf rät Wetterfühligen auch, sich mit Akupunktur behandeln zu lassen. In aktuellen Studien wurde nämlich nachgewiesen, dass diese Art von Beschwerden dadurch gelindert wird. n
Von Andrea Rink
| Bildergalerie: So wird’s ein prima Klima |
![]() |
| 6 Bilder zum Artikel gefunden: Weiter zur Bildergalerie |
| Diese Seite drucken |
| Texte © 2007 - 2008 by Kanaren Express Alle Rechte vorbehalten |
|
Social Bookmarking |
| KanarenExpress - Die Zeitung mit Fernsehprogramm für die Kanaren Das Fernsehprogramm für die wichtigsten deutschsprachigen Sender mit Angabe der Sendezeiten zur Ortszeit der Kanarischen Inseln ist fester Bestandteil Ihrer Zeitung auf den Kanaren. Lesen Sie aktuelle Nachrichten in der Online Ausgabe des KanarenExpress. Wir berichten über Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Gomera, La Palma und El Hierro. |








21.11.2008 - 














