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Freitag, 21.11.2008
Neue Erkenntnisse zur Selbstheilung
Der Doktor in Dir
Selbstheilung. Das klingt zunächst mal ausgesprochen esoterisch. Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil verfügt unser Körper über eine erstaunliche Fülle an Fähigkeiten, uns gesund und fit zu halten. Das Schöne daran: Man kann sie sogar trainieren …
Zwei simple Beispiele zeigen deutlich, was unser innerer Arzt so alles kann: Schneiden wir uns in den Finger, setzt er eine Truppe weißer Blutkörperchen in Marsch, die gefährliche Keime an der Schnittstelle ganz schnell bekämpfen. Brechen wir uns einen Arm, lässt er die Knochen wieder zusammenwachsen. Dicker als vorher, um die Gefahr eines zweiten Bruchs an derselben Stelle zu verringern.
© Bettina Stolze
Hormonproduktion
Mittlerweile haben Mediziner auch erforscht, wie die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden: Die Zellen des Immunsystems „reden“ ständig miteinander, erteilen durch Botenstoffe knappe Befehle. Diese Botschaften des Immunsystems kann das Gehirn „hören“. Durch eigene Botenstoffe wie Adrenalin, Noradrenalin, Serotonin oder Gamma-Aminobuttersäure übermittelt es dann wiederum Signale an die Rezeptoren des Immunsystems.
Das klingt kompliziert. Ist es aber nicht. Denn dieses Gespräch zwischen Im-musystem und Gehirn hat jeder Mensch schon mal mitbekommen. Ein gutes Beispiel sind grippale Infekte: Bereits Tage bevor man anfängt zu husten und zu schniefen, fühlt man sich schlapp und abgeschlagen, hat keinen Appetit, ist lustlos und müde. Der Grund für dieses Befinden: Die Botenstoffe im Immunsystem signalisieren in solchen Situationen dem Gehirn: Achtung, hier läuft etwas unrund.
Darauf reagiert das Gehirn, indem es eine Befehlskette in Gang setzt: Körper schonen, Temperatur erhöhen, die Kortisonproduktion steigern.
Die genauen Abläufe, die dann in Gang gesetzt werden, sind noch nicht endgültig geklärt. Fest steht allerdings, dass Hormone, Immunbotenstoffe und Killerzellen daran beteiligt sind. Die führende Rolle bei Heilungsprozessen spielt das Gehirn. Es ist Überwachungsbehörde und Schaltzentrale zugleich, steht mit jeder der rund 65 Billionen Zellen unseres Körpers in enger Verbindung. Selbst für Situationen, in denen unsere kleinen grauen Zellen zu langsam schalten und eine Krankheit nicht rechtzeitig erkennen, hat der innere Doc vorgesorgt: Dann setzt ein inneres Programm ein, das zunächst den zu langsamen Reparatur-Impuls in Gang bringt.
Vor dem Hintergrund dieser hoch spezialisierten Abläufe ist es nicht verwunderlich, dass den Selbstheilungskräften heute sogar die Heilung von Krebs zugetraut wird. Nach Erkenntnissen des Krebsinformationsdienstes in Heidelberg bildet sich pro Jahr bei einem von 100.000 Patienten ein Tumor scheinbar ohne Grund zurück. Bei einigen Krebsarten wissen die Forscher, dass sie durch das Immunsystem oder noch unbekannte körpereigene Regulationssysteme verschwinden. Auch hohes Fieber oder Lebensfreude scheinen Krebs zu bekämpfen.
Nahezu sensationell ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis einer Studie, die an der Universität von Bonn durchgeführt wurde: Die Wissenschaftler konnten dort erstmals Nervenfasern in Tumorgewebe nachweisen. Krebszellen stehen demnach in unmittelbarer Verbindung zum Gehirn. Die Entdeckung erklärt, warum unsere Gedanken tatsächlich Einfluss auf Krankheitsverläufe haben können. Und welche Rolle eine positive Einstellung zur Gesundung spielt. Die Verbindung von Körper und Seele ist somit auch wissenschaftlich beweisbar.
Genau das erklärt auch, warum Menschen, die unter Stress stehen, öfter krank werden. Einschneidende Erlebnisse, wie etwa eine Scheidung oder gar der Tod eines Partners, führen dazu, dass das körpereigene Immunsystem für mehrere Monate nicht auf vollen Touren läuft. Der Mensch wird in Krisenzeiten schneller anfällig für Krankheiten. Im Umkehrschluss jedoch stärkt Wohlbefinden das Immunsystem. Menschen, die mit sich und ihrer Welt im Reinen sind, werden selten krank. Auf diesen Erkenntnissen basieren moderne Mental-Trainingsprogramme, mit denen sich der innere Doc stärken lässt. So werden beispielsweise Yoga oder Autogenes Training empfohlen, um mehr innere Balance zu finden. Darüber hinaus kennen Experten auch eine Menge ganz alltagstauglicher Tipps für mehr Ausgeglichenheit – und damit zur Aktivierung des inneren Arztes: Den eigenen Atem ganz bewusst wahrnehmen: fünf- bis zehn Mal am Tag ganz tief in den Bauch atmen, bis er sich wölbt, bei jeder Übung rund zehn Atemzüge lang. Das entspannt, verlangsamt den Herzschlag und lockert Energieblockaden.
Seelenbuchführung: Wer seine Gefühle, die Höhepunkte und Niederlagen möglichst regelmäßig aufschreibt, kann sich von negativen Dingen leichter lösen, die schöne Erinnerungen jedoch bewahren. Das stärkt die körpereigene Abwehr.
Den Kopf freimachen: Fast jeder kennt Gespräche mit sich selbst, die sich mit den Sorgen der Gegenwart und Zukunft beschäftigen. Um den Kopf frei zu bekommen, betrachten Sie sich, als wären Sie eine Fremde. Achten Sie auf Ihre Atmung, Ihren Herzschlag, die Gerüche, die Sie an sich erkennen, je mehr Details desto besser. Je bewusster Sie sich betrachten, desto weniger flüstern die inneren Stimmen. Der innere Doc im Gehirn kann besser arbeiten.
Innere Bilder: Suchen Sie sich ein Wort, einen Satz oder ein Bild, das Ihnen viel bedeutet. Setzen Sie sich bequem hin, entspannen Sie die Muskeln, atmen Sie tief und gleichmäßig, die Augen geschlossen. Konzentrieren Sie sich bei jedem Ausatmen auf Ihr Wort oder Bild. Störende Gedanken einfach links liegenlassen. Das sollten Sie ruhig mehrfach am Tag probieren.
Druckpunkt mobilisieren:
Massieren Sie täglich 3 Minuten im Uhrzeigersinn den Akupressurpunkt auf der Innenseite der Beine, in Kniehöhe. Das stärkt die Selbstheilungskräfte im Gehirn.
Wenn Sie bereits leicht angeschlagen sind, beispielsweise durch einen grippalen Infekt, bringen diese Übungen den inneren Doc schneller auf Trab:
Stellen Sie sich vor Ihrem inneren Auge eine Immunzelle vor, die wie ein Reiter auf einem Pferd aussieht. Geben Sie ihr einen Schild, einen Helm und ein Schwert mit magischen Heilkräften. Stellen Sie sich nun vor, wie aus der einen Zelle ein riesiges unbesiegbares Heer wird. Durch eine solche Visualisierung steigt die Zahl der Immunzellen nachweislich um bis zu 15 Prozent. Visualisieren Sie Ihre Blutgefäße als enge Tunnelröhren, in denen leicht etwas stecken bleiben kann. Nun dehnen Sie die Röhren mit der Kraft Ihres Geistes auf doppelten bis dreifachen Umfang. So verbessern Sie die Durchblutung selbst in den feinsten Blutgefäßen und notwendige Immunstoffe gelangen schneller an ihr Ziel.
Von Andrea Rink
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