Die Schilddrüse und ihre Funktion
Das unterschätzte OrganMan spürt sie nicht, man sieht sie nicht – die Schilddrüse des Menschen wird von Medizinern nicht umsonst „das unterschätzte Organ“ genannt. Dabei trägt sie maßgeblich zu unserer Gesundheit bei, produziert ein eigenes Hormon und regelt dadurch unsere Leistungsfähigkeit.
Wenn die Schilddrüse nicht richtig arbeitet, macht sich das dafür umso stärker bemerkbar: dann gerät der gesamte Organismus durcheinander.
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 | | Im Alter wird die Schilddrüse kleiner – oftmals unbemerkt |
| 10.06.2008 - Bei der Geburt wiegt eine gesunde Schilddrüse etwa zwei Gramm. Bis zum Erwachsenenalter nimmt ihr Gewicht ständig zu; bei Frauen wiegt sie im Erwachsenenalter ungefähr 18 Gramm, bei Männern bis zu 25 Gramm.
Hormonproduktion
Im Alter schrumpft die Schilddrüse häufig. Durch ihre geringe Größe und weil sie von starken Halsmuskeln umgeben ist, ist eine gesunde Schilddrüse von außen nicht zu sehen und auch nicht zu ertasten.
Hauptaufgabe der Schilddrüse ist es, Jod in Hormone umzuwandeln. Hormone sind wichtig für den gesamten Organismus. Sie steuern die Verdauung, das Herz- Kreislaufsystem, den Blutdruck und die Körpertemperatur, sie regulieren die Geschwindigkeit des Stoffwechsels und sind verantwortlich für die Nervenzellen und die Gehirntätigkeit. Damit ist die Schilddrüse auch für unser gesamtes Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung.
Auf Vorrat
Die Schilddrüse wird vier- bis fünfmal stärker durchblutet als die Nieren und sogar hundertmal stärker als die Arm- und Beinmuskulatur.
In einem Zeitraum von anderthalb Stunden fließt das gesamte Blut des Körpers einmal durch die Schilddrüse. Bei einem Erwachsenen sind das zwischen fünf und sechs Liter. Die Hormone werden von den Schilddrüsenzellen nie nach Bedarf gebildet, sondern immer auf Vorrat produziert. Normalerweise reicht dieser Vorrat aus, um den Körper zwei Monate lang mit Hormonen zu versorgen. Die Abgabe in den Körper geschieht direkt über das Blut.
Jodmangel in Europa
Damit die Schilddrüse also ihren „Job“ richtig erledigen kann, braucht sie Jod. Genau daran herrscht aber in vielen Ländern Europas ein Mangel: Nach Angaben des ICCIDD (International Council for the Control of Iodine Deficiency Disorders) ist die Jodversorgung in Europa nach wie vor uneinheitlich. Ausreichende Versorgungslage mit Jod gibt es demnach in Österreich, Finnland, Großbritannien, den Niederlanden, Portugal und der Schweiz.
Eine nahezu ausreichende Jod-Versorgung herrscht in Island, Luxemburg, Norwegen und Schweden. Dagegen leiden die Menschen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Spanien und Ungarn unter – größtenteils mildem – Jodmangel.
Ob man also als Residenter auf den Kanaren lebt oder seinen Hauptwohnsitz in Deutschland hat – die Jodversorgung ist in beiden Ländern nicht optimal. Allein durch Lebensmittel wie Getreide, Obst, Gemüse oder auch Fleisch kann der Tagesbedarf an Jod nicht gedeckt werden. Denn auch sie enthalten viel zu wenig von dem wichtigen Spurenelement. Die Folge ist, dass die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone T3 und T4 herstellen kann. Das hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel.
Hält der Jodmangel über eine längere Zeit an, vergrößert sich die Schilddrüse langsam und es bildet sich ein Kropf. Das so genannte Kropfband, was noch heute zur bayrischen Tracht gehört, diente ursprünglich übrigens in der Tat dazu, den hässlichen Kropf zu verstecken. Generell sind es eine Über- und eine Unterfunktion der Schilddrüse, die zu Krankheitsbefunden führen können:
Über- und Unterfunktion
Durch eine Überfunktion schüttet die Schilddrüse zu große Mengen der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) aus. Die Folge: Der Stoffwechsel beschleunigt sich.
Das kann sich in Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, einem schnelleren unregelmäßigen Herzschlag, Nervosität oder Zittern äußern. Auch eine ungewöhnlich warme feuchte Haut, Störungen des weiblichen Zyklus, Muskelschwäche, -schmerzen und -trägheit können auf eine Überfunktion hinweisen ebenso wie Schwitzen, Haarausfall oder häufiger, weicher bis flüssiger Stuhlgang. Besonders im Alter sind die Symptome jedoch eher schwach ausgeprägt und zeigen sich vor allem in Herzproblemen. Genau deshalb raten Mediziner dringend zu einer Behandlung solcher Überfunktionsstörungen: Vor allem für Senioren erhöht sich dadurch die Gefahr für ein Vorhofflimmern.
Eine Unterfunktion bedeutet, dass die Schilddrüse zu wenige oder gar keine Schilddrüsenhormone bildet.
Diese Schwäche kann angeboren sein, sich aber auch erst später ausbilden. Die Folge ist, dass die Stoffwechselprozesse des Körpers verlangsamt ablaufen: Die Verdauung arbeitet nicht richtig, dadurch kommt es zu Verstopfung, einem übersteigerten Appetit und einer Gewichtszunahme. Der Herzschlag ist verlangsamt, die Libido nimmt ab. Selbst Depressionen können sich entwickeln und Leistung sowie Konzentration unter der Unterfunktion leiden. Häufig frieren Patienten schneller und haben eine trockene kühle Haut, eine heisere tiefe Stimme und dünner werdendes glanzloses Haar. Diese Unterfunktion führt dann auch zur bereits erwähnten Kropfbildung.
Jod in Lebensmitteln
Mit einer täglichen Lebensmittel-Menge von 150 - 200 Gramm oder einem Seefischgericht zweimal pro Woche ist der Jodbedarf des Menschen zu decken. Mit Milch wird es schon schwieriger, da müsste man schon einen Liter pro Tag trinken.
Gemüse ist zwar gesund, eignet sich zur Jodaufnahme aber nicht besonders gut. Um seinen Tagesbedarf zu decken, müsste man 1,3 kg Broccoli oder 1,7 kg Grünkohl essen. Bei Obst müssten die Mengen sogar noch viermal höher sein.
Demnach lässt sich die effektive Jodaufnahme nur durch Lebensmittel erreichen, die mit Jod versetzt wurden. So sollte man zum Kochen nur jodiertes Speisesalz verwenden. Auch in Wurst, Brot oder Käse sollte jodiertes Salz enthalten sein.
Gerade in Phasen der hormonellen Umstellung, also in der Schwangerschaft, der Pubertät und der Menopause herrscht ein erhöhter Bedarf an Jod im Körper. Aber schon vor der Geburt ist Jod lebenswichtig. Ab der zehnten bis zwölften Schwangerschaftswoche ist die Schilddrüse des ungeborenen Kindes so weit entwickelt, dass sie Schilddrüsenhormone herstellen kann.
Schwangere und Babys
Dazu benötigt die Schilddrüse aber eine ausreichende Menge Jod, das sie nur aus dem Blut der Mutter erhalten kann. Der Jodbedarf einer Schwangeren ist folglich höher. Er liegt bei etwa 260 Mikrogramm pro Tag. Da unsere Ernährung aber sowieso schon jodarm ist, kommt es in vielen Fällen zu einem Jodmangel.
Bereits im Mutterleib kann sich beim Ungeborenen ein Kropf bilden. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich das Kind durch den Jodmangel geistig nicht optimal entwickeln kann. Aber auch die Schwangere selber lebt in der Gefahr, einen Kropf zu bekommen. Um dies zu verhindern, sollten Schwangere und Stillende Jodid zusätzlich in Form von Tabletten einnehmen. Für Jugendliche in der Pubertät und ältere Menschen gilt das Gleiche. Sie sollten ebenfalls Tabletten einnehmen, um den erhöhten Bedarf an Jod auszugleichen. Von Andrea Rink
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