 | | Bei Strandtemperaturen ist eine Sommergrippe besonders lästig |
| 28.05.2008 - Aber wann fiebert man eigentlich? Normalerweise liegt die Körpertemperatur des Menschen zwischen 36,5 und 37 Grad Celsius. Ab 37,5 Grad sprechen Ärzte dann von „erhöhter Temperatur“, ab 38 Grad von „Fieber“, ab 39 Grad von „hohem Fieber“. Ob es bei erhöhter Temperatur bleibt oder das Fieberthermometer in ungeahnte Höhen klettert, hängt von vielen Faktoren ab: So reagiert das Immunsystem immer dann besonders heftig, wenn die Erreger, die es bekämpfen soll, erstmals auftreten.
Abwehr des Systems
Das ist auch der Grund dafür, dass Kinder schnell hohes Fieber bekommen. Ihre Abwehr kennt natürlich nur wenige Feinde und besitzt daher auch noch keine Verteidigungsstrategie.
Auch wenn Fieber demnach eine absolut gesunde Reaktion des Körpers ist – man leidet doch stark darunter. Vor allem in den Sommermonaten wird schon erhöhte Temperatur zur Qual, weil die Hitze den Organismus generell belastet. Umso wichtiger sind jetzt funktionierende Strategien im Umgang mit Fieber. Und da haben Forscher in der letzten Zeit mit einigen althergebrachten Methoden aufgeräumt …
Wadenwickel & Co.
Bei einem ist es allerdings geblieben: Noch heute fordern Ärzte bei Fieber vor allem eins: Stressvermeidung. Am besten kuriert man sich also im Bett aus.
Vorsicht mit fiebersenkenden Mitteln: Das Immunsystem kann bei höheren Temperaturen viel erfolgreicher arbeiten. Wer also bei nur leicht erhöhter Temperatur, so um die 38 Grad zu Fiebermitteln greift, schöpft das Heilpotenzial des Fiebers nicht genügend aus. Heute raten Mediziner deshalb vielfach dazu, Fieber erst ab etwa 39 Grad mit Tabletten zu senken. Der Körper verträgt zwar auch höhere Temperaturen – Kinder stecken sogar 40 Grad weg, aber der hohe Energieaufwand schwächt den Körper spürbar. Vor allem wenn man einen unaufschiebbaren Termin hat, beispielsweise beruflich, macht es Sinn, ein Medikament gegen Fieber einzunehmen. Schon deshalb, weil man sich dann nicht ganz so „neben der Spur“ fühlt.
Das wohl bekannteste Hausmittel aus Omas Hausapotheke sind Bein- und Wadenwickel. Allerdings machen die meisten Menschen dabei einen gravierenden Fehler: Sie benutzen kaltes Wasser. Und das verengt die Blutgefäße, so dass die Wärmeabgabe an die Luft verhindert wird. Auch dürfen die Wickel nicht eingesetzt werden, wenn der Erkrankte friert oder das Fieber ansteigt.
Richtig werden Wadenwickel so gemacht: Zwei Handtücher in lauwarmes Wasser tauchen, auswringen und um Wade oder Bein wickeln.
Nach 20 Minuten „Umwicklung“ sinkt die Temperatur um durchschnittlich rund ein halbes Grad.
Gute Hilfe leistet auch ein Essigstrumpf, der als Hausmittel schon von Pfarrer Kneipp empfohlen wurde. Baumwollkniestrümpfe in eine Mischung aus einem halben Liter lauwarmes Wasser und 0,2 Liter Apfelessig eintauchen, auswringen und anziehen, gemütlich auf der Couch entspannen. Nach gut einer Dreiviertelstunde die Strümpfe wieder ausziehen. Bei Bedarf dreimal täglich wiederholen.
Früher hat man gerne ge-sagt: „Eine Erkältung soll man füttern, ein Fieber aushungern.“ Das ist heute jedoch mehr als überholt, denn mittlerweile weiß man, dass das ausgesprochen schädlich ist.
Denn jede Krankheit bedeutet für den Körper eine schwere Belastung und fordert einen besonderen Energieaufwand. Zwar ist es normal, bei Fieber weniger Appetit zu haben. Aber Fieberkranke brauchen nicht nur besonders viel Flüssigkeit, sondern – außer bei hohem Fieber – auch eine Stärkung durch regelmäßige leichte Mahlzeiten. Besonders wichtig ist dabei die Zufuhr von Vitaminen wie etwa der C-Gruppe, weil diese den Abwehrkräften Power geben.
Apropos trinken: Weil der Körper durch Fieber viel Flüssigkeit verliert, sollte man pro Tag für jeden Grad Celsius über 37 Grad ca. 0,5 bis 1 Liter Flüssigkeit mehr trinken. Eine Hühnerbrühe beispielsweise liefert dem Körper Mineralstoffe, wie etwa Magnesium oder Kalzium, die der Körper durch Schwitzen verloren hat.
Kühle statt schwitzen
Generell ist Schwitzen bei einem grippalen Infekt ein gutes Zeichen. Klingt die Infektion ab, senkt der Körper seine Temperatur allmählich durch die Verdunstungskälte, die beim Schwitzen entsteht. Daraus sollte aber nicht gefolgert werden, dass der Körper bei einem fiebrigen Prozess schwitzen muss. Im Gegenteil: Es kann eine gefährliche Überhitzung entstehen. Also Finger weg von Wolldecken, Flieder-, Holunderblüten- oder Lindenblütentee, die man vor einigen Jahren noch gerne angewendet hat.
Stattdessen ist es richtig, den fiebrigen Patienten sanft zu kühlen. Er sollte unter einer nur dünnen Decke liegen, kühle Getränke bekommen. Ein kühler Lappen auf der Stirn hilft, ebenso ein Ventilator.
Wenn das Fieber gerade erst begonnen hat, kann man es auch durch ein so genanntes „ansteigendes“ Fußbad bekämpfen. Das Wasser sollte dabei zunächst Körpertemperatur haben und in den nächsten zehn Minuten durch Zugabe von warmem Wasser auf eine Temperatur von 39 Grad gebracht werden. Einige Tropfen Eukalyptusöl verstärken die die Durchblutung steigernde Wirkung.
Damit auch einwandfrei feststeht, ob der Patient nur erhöhte Temperatur oder aber Fieber hat, ist die korrekte Temperaturmessung besonders wichtig. Dabei gibt es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten: Elektronische Fieberthermometer sind gut ablesbar, messen schnell und kosten nicht viel, sie benötigen aber eine Batterie.
Da die aussagekräftigste Fiebertemperatur im Prinzip nur im Inneren des Körpers gemessen werden kann - was der so genannten Kerntemperatur entspricht - gilt die Rektalfiebermessung als genaueste Methode. Sie ist auch bei Kindern und unruhigen Patienten anwendbar, wenn diese während der Messung nicht alleine gelassen werden. Die rektal gemessenen Temperaturen liegen etwa 0,4 Grad Celsius höher als die im Mund oder unter der Achsel.
Üblich ist auch die Messung unter der Zunge. Das Thermometer wird dazu möglichst weit hinten im Mund unter der linken oder rechten Zungenseite platziert. Der Mund sollte geschlossen sein und es dürfen vorher keine kalten oder warmen Getränke und Speisen eingenommen werden.
Die Temperaturmessung in der Achselhöhle erfordert eine lange Messzeit von bis zu acht Minuten. Dies gilt auch für die Temperaturermittlung in der Leistenbeuge.
Glasthermometer bieten auch im digitalen Zeitalter im Hinblick auf ihre Messgenauigkeit eine gute Alternative. Heute gibt es Glasthermometer mit einem ungiftigen Metallgemisch. Solche Messflüssigkeiten werden aus Gallium, Indium und Zinn zusammengemischt und arbeiten ebenso genau wie das giftige Quecksilber. Der Nachteil: Glasfieberthermometer sind zwar besonders hygienisch und leicht zu reinigen, aber nicht bruchsicher.
Ohrthermometer messen die Temperatur über die im Gehörgang abgegebene Infrarotstrahlung. Die Strahlung repräsentiert dabei ziemlich genau die Temperatur im Körperinneren. Mit Messzeiten im unteren Sekundenbereich sind die Geräte sehr schnell. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Sondenspitze genau platziert wird, was am besten gelingt, wenn der Gehörgang durch leichtes Ziehen am Ohr gestreckt wird.
Sensor-Thermometer ermitteln beim Rollen über die Hautoberfläche relativ schnell und hygienisch die Temperatur. Stirn- und Schläfenbereich gelten für diese Infrarotmessung als besonders gute Stellen. Von Andrea Rink
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