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Freitag, 21.11.2008
Tropenkrankheiten auf dem Vormarsch
Tödliche Urlaubs-Träume
Die Nachrichten aus Asien und Afrika klingen alles andere als beruhigend – die Dengue-Fieber-Epidemie fordert mehr und mehr Opfer. Und: sie macht auch vor Europa nicht Halt.
Auf dem Vormarsch
Damit ist das Dengue-Fieber ein weiteres Kennzeichen für einen Trend, den die Mediziner bereits seit einigen Jahren mit Sorge betrachten: Tropische Krankheiten aus exotischen Ländern sind mehr und mehr auf dem Vormarsch. „Infektionskrankheiten durch tropische Krankheitserreger stellen ein bedrückendes Gesundheitsproblem dar, das in Zeiten von Globalisierung, Ferntourismus und Migration in zunehmendem Maße auch uns betrifft.
So die Einschätzung der Wissenschaftler vom Bernhard-Nocht-Institut. Das Krankenhaus in Hamburg gilt europaweit führend in der Diganose, Behandlung und Erforschung von Tropenkrankheiten – und das bereits seit mehr als 100 Jahren.
Verwunderlich ist der Standort des Krankenhauses nicht: Wie alle Hafenstädte der Welt gilt auch die Hansestadt als Schmelztiegel der seefahrenden Kulturen. Und somit als besonders gefährdet, was Krankheiten aus aller Herren Länder angeht. Daher ist es auch logisch, dass das Tropeninstitut nach einer verheerenden Katastrophe ins Leben gerufen wurde: der großen Cholera-Epidemie, die im Sommer 1892 für tausende Tote in Hamburg und Umgebung sorgte.
Heute haben moderne medizinische Versorgung, Impfungen und vor allem ausreichende Hygiene dazu geführt, dass derartige Krankheiten in den Industrienationen kaum noch ein Thema sind.
Anders sieht das in den Entwicklungsländern aus. Die Weltgesundheitsorganistation (WHO) gibt an, dass heute ca. eine Milliarde Menschen an den sogenannten vernachlässigten Krankheiten leidet, für die es keine oder nur unzureichende Medikamente gibt.
Tropen-Killer
Nach wie vor ist AIDS die schlimmste aller bekannten Tropen- und Infektionskrankheiten. Im Jahr 2007 waren weltweit ungefähr 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert, 2,5 Millionen steckten sich neu mit dem Virus an und etwas über 2 Millionen Infizierte starben an der Immunschwäche. 68 Prozent der Betroffenen leben in Afrika südlich der Sahara. Auch Asien ist stark betroffen.
Das Virus wird durch Sexualkontakte, verunrei-nigte Blutkonserven, gemeinsam genutzte Spritzen oder unsteriles OP-Besteck übertragen. Eine Impfung gibt es nicht, doch moderne Medikamente können die Vermehrung des Virus im Körper für eine gewisse Zeit eindämmen. Allerdings wird das HI-Virus immer wieder resistent, was die Behandlung erschwert.
Was für die Menschen in den Industrienationen höchstens eine lästige Beeinträchtigung darstellt, die oft genug auch durch falsche Ernährungsgewohnheiten entsteht, ist für Betroffene in Afrika, Asien und Lateinamerika oft genug tödlich: Durchfallerkrankungen. Vier Milliarden Menschen erkranken jährlich daran, vor allem Kinder. Etwa vier Prozent aller Todesfälle gehen auf Durchfallerkrankungen zurück, in Afrika und Südostasien sogar bis zu 8,5 Prozent. Die meisten Menschen in den armen Ländern der Erde infizieren sich durch verseuchtes Trinkwasser. Als Auslöser kommen Viren, Bakterien und Parasiten in Frage. Starke Durchfallerkrankungen, die über mehrere Tage oder Wochen anhalten, können den Körper lebensbedrohlich austrocknen.
Die Schlimmste davon ist die Cholera, verursacht durch das Bakterium Vibrio Cholerae. Unbehandelt kann sie zu Kreislauf- und Nierenversagen und damit zum Tod führen. Auch hierbei infizieren sich Betroffene über verseuchte Nahrung oder Trinkwasser. Seit einigen Jahren ist die Cholera wieder auf dem Vormarsch: Nach Angaben der WHO erkrankten im Jahr 2006 in 52 Ländern 236.896 Menschen, 6.311 starben. Die WHO geht jedoch davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher liegt und rechnet damit, dass sie nur etwa zehn Prozent der tatsächlichen Cholerafälle weltweit erfasst. Damit gehört Cholera zu den am meisten unterschätzten Krankheiten der Welt.
Zu den bekanntesten Tropenerkrankungen zählt die Malaria. Mehr als 500 Millionen Menschen erkranken jedes Jahr an diesem Tropenfieber, eine halbe Million stirbt daran – und alle 30 Sekunden fällt der Malaria ein Kind zum Opfer. Die Symptome ähneln einer Grippe: plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen. Schuld sind Parasiten, die von Anopheles-Mücken übertragen werden.
Mücken als Feind
Ebenfalls durch Mücken infizieren sich Betroffene mit dem aktuell grassierenden Dengue-Fieber, das vor allem in Thailand, Indien, Indonesien, Sri Lanka und Brasilien auftritt. Fieber, Ausschlag, Kopf- und Gliederschmerzen sind die Symptome des Dengue-Fiebers. Bei mildem Krankheitsverlauf verschwinden diese nach zwei bis sieben Tagen. In seltenen Fällen kommt es zu einem hämorrhagischen Fieber, bei dem innere und äußere Blutungen auftreten.
Seit einigen Jahren ist das Ebola-Virus immer wieder in den Schlagzeilen. Der Name kommt von einem Seitenfluss des Kongos, an dem die Krankheit erstmals auftrat.
Ebola beginnt mit plötzlichem Fieber, Schwächegefühl, Muskel-, Hals- und Kopfschmerzen. Daran schließen sich meist Übelkeit und Erbrechen, Ausschlag und Durchfall an. Nieren und Leber arbeiten nur noch eingeschränkt. Häufig kommt es zu inneren und äußeren Blutungen. Der Erreger überträgt sich nur durch direkten Kontakt von Körperflüssigkeiten erkrankter Menschen. Seinen Ursprung vermuten Wissenschaftler in Fledermäusen. Unter Ebola leiden jedoch nicht nur Menschen, auch Affen sind betroffen: Bereits seit 2004 grassiert im Kongo eine wahre Ebola-Epidemie unter Gorillas und Schimpansen. Beinahe genauso gefährlich – und mit Ebola eng verwandt: das Marburg-Fieber. Das Virus hat seinen Namen von der hessischen Universitätsstadt Marburg. Dort trat es zuerst 1967 bei Laborangestellten auf, die mit Meerkatzen gearbeitet hatten. Wissenschaftler identifizierten im vergangenen Jahr den Nil-Flughund als Überträger des Virus, eine Fledermausart, die in Europa und Afrika lebt. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus über Schmierinfektionen von Körperflüssigkeiten. Die Krankheit beginnt plötzlich mit starken Kopfschmerzen und schwerem Unwohlsein. Muskelschmerzen und hohes Fieber gehören ebenfalls zu den Symptomen. Das Marburg-Virus führt zu einer schnellen Entkräftung der Patienten, schweren Durchfällen, Übelkeit und inneren und äußeren Blutungen. Das Fatale an Ebola und Marburg-Virus: Es gibt weder spezielle Medikamente noch einen Impfstoff, Ärzte können lediglich die Symptome lindern.
Etwas besser sieht die Lage in puncto Gelbfieber aus. Hier gibt es seit 60 Jahren einen wirkungsvollen Impfschutz. Dennoch infizieren sich jährlich eine Viertelmillion Menschen mit dem Gelbfiebervirus, 30.000 Betroffene sterben daran. Seit zwei Jahrzehnten steigt die Zahl der Gelbfieberopfer wieder.
Impfen schützt
Die Erkrankung kommt in Afrika und Amerika vor und wird ebenfalls von Mücken übertragen. Gelbfieber äußert sich zunächst mit Fieber, Muskel-, Rücken- und Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Appetitlosigkeit sowie Übelkeit und Erbrechen. Es folgt eine symptomfreie Zeit. Etwa 15 Prozent der Patienten erleiden innerhalb von 24 Stunden eine toxische Phase mit hohem Fieber, Gelbsucht, starken Unterleibsschmerzen und Erbrechen. Patienten können aus Mund, Nase, Augen oder Magen bluten, außerdem versagen die Nieren. Die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb von zehn bis 14 Tagen. Medikamente gibt es nicht. In vielen tropischen Ländern muss man daher bei der Einreise eine Gelbfieberimpfung vorweisen. Generell ist heute Impfschutz bei der Einreise in vielen Ländern vorgeschrieben. Welche Krankheiten wo grassieren und wie sich Globetrotter am besten schützen können, erfährt man unter anderem auf der Homepage des Bernhard-Nocht-Instituts: www.bni-hamburg.de
Von Andrea Rink
Fotos: Anouar Aziouzi, Piotr Jaroch, Silvia de Giovanni, Zoran Ozetsky und Auro Queiroz
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