Neue Beauty-Technologien setzen auf medizinisches High Tech
Die Zukunft der SchönheitDer Traum von der ewigen Jugend ist so alt wie die Menschheit. Während man früher allerdings Fältchen, Falten und Runzeln als „gottgegeben“ hinnahm, gibt es heute einen wesentlichen Unterschied: Eine ganze Industrie kümmert sich darum, dass wir so lange wie möglich jung aussehen. Und dabei vermischen sich mittlerweile die Grenzen zwischen Kosmetik-Wissenschaft und Medizin…
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 | | Gutes Aussehen ist heute wichtiger denn je. Der Kampf gegen die sichtbaren Zeichen des Alters ebenso | | © Lola Rodriguez |
| 16.04.2008 - Während man im alten Ägypten beispielsweise auf eine Antifaltenmaske aus Milch, Bienenwachs, Olivenöl und Weihrauch setzte (Cleopatra selbst soll diese entwickelt haben), entstehen moderne Anti-Aging-Produkte heute in High-Tech-Laboratorien, die Forschungsarbeiten, die vor der Lancierung eines neuen Produkts geleistet werden, erinnern so manches Mal an die wissenschaftlichen Forschungen in der Medizin – und genau aus dier Sparte kommen heute auch eine ganze Reihe von Beauty-Produkten.
Die Basis
Um zu verstehen, wie die Anti-Aging-Forschung funktioniert, ist es wichtig, zunächst einmal die beiden wesentlichen Faktoren der Hautalterung vor Augen zu haben: Generell besitzt unsere Haut die Fähigkeit, sich immer wieder zu erneuern. Das zeigt sich am Beispiel der Wundheilung. Allerdings: Je älter der Mensch wird, desto länger dauert das. Grund: die Zellerneuerung wird mit den Jahren immer langsamer.
Die Epidermis (Oberhaut) verliert die deutliche Abgrenzung ihrer einzelnen Schichten. Sie wird dünner und kann weniger Wasser speichern. Auch der Übergang von Oberhaut zur Lederhaut verliert zunehmend seine Konturen. Dadurch lässt die Nährstoffversorgung der Haut nach.
In der Dermis (Lederhaut) nimmt die Kollagenproduktion ab, das straffende Gerüst der Haut wird schlaff.
Dieser Alterungsprozess setzt bereits ein, wenn niemand überhaupt an das Älterwerden denkt – mit Mitte 20 nämlich. Im Alter von ca. 40 wird er dann auch sichtbar; die Haut bekommt erste kleine Fältchen, das allgemeine Erscheinungsbild wirkt nicht mehr so rosig, prall und glatt.
Dabei altern Männer und Frauen unterschiedlich: Während bei Frauen die sichtbaren Zeichen früher auftreten (und sich mit Eintritt der Wechseljahre durch den Östrogenabbau noch mal verstärken), bleibt die – dickere - Haut der Männer länger faltenfrei. Dafür tritt dann der sichtbare Alterungsbeweis abrupter auf und zeigt sich sofort in tieferen Falten.
Neue Technologien
Die Kenntnisse über den Verlauf der Hautalterung nutzt die Beauty-Industrie heute ganz gezielt zur Entwicklung neuer Technologien. Dabei muss man klar unterscheiden:
Produkte mit sogenannter Sofortwirkung basieren meistens auf aufpolsternden Wirkstoffen, die den Teint praller wirken lassen, allerdings nur bis zum Abschminken.
Die neueste Generation der Anti-Aging-Pflege dagegen schleust aktive Bestandteile in die tieferen Hautschichten, wo sie die hauteigene Reparatur und Zellerneuerung anregen. Damit wird übrigens die Grenze zwischen Medizin und Kosmetik ebenfalls überschritten – bis vor einigen Jahren galt hier die Faustregel, dass Kosmetika nur in der obersten Hautschicht wirken dürfen.
In erster Linie sollen die neuen An-ti-Aging-Produkte die Bildung von Kollagen ankurbeln und gleichzeitig bestimmte Enzyme (Kollagenase) blockieren. Diese sind nämlich dafür verantwortlich, dass in zunehmendem Alter elastine Fasern der Haut abgebaut werden.
Damit die Substanzen dieser Anti-Aging-Produkte auch dort ankommen, wo sie aktiv werden sollen, nutzt die Kosmetikindustrie die Nanotechnologie. Sie ermöglicht es, Wirkstoffe in winzige Partikel aufzuspalten, ohne sie dabei zu zerstören. Verpackt in mikroskopisch kleine Trägersubstanzen, durchdringen die wirksamen Cremebestandteile die Hornschicht der Haut und stoßen vor allem im Grenzbereich von Epidermis und Dermis die Zellaktivität an.
Viele der Wirkstoffe, die so in die Haut geschleust werden, sind in ihrer Effizienz durchaus nachweisbar. Das gilt vor allem für Vitamine, die als wahrer Jungbrunnen in der Kosmetologie gelten. Allerdings: Bis eine sichtbare Wirkung zu verzeichnen ist, müssen solche Cremes schon eine gewisse Zeit lang angewendet werden.
Und: Es ist ein Trugschluss, dass solche Anti-Aging-Produkte selbst tiefe Falten ausgleichen können. Viel wichtiger ist ihre Präventiv-Wirkung, die diese Falten erst gar nicht entstehen lässt
Die DNA-Generation
Ein weiterer Schwerpunkt der modernen Kosmetikforschung liegt in unseren Zellen - also der DNS (oder auf englisch DNA). Mehr und mehr Cremes setzen heute darauf, dass das genetische Material im Inneren des Zellkerns geschützt werden soll, damit die Hautalterung verlangsamt wird. Das macht vom Ansatz her durchaus Sinn: Unsere Hautzellen werden Tag für Tag schwer attackiert. Durch UV-Licht, freie Radikale, Abgase, Nikotin. Diese Schädigungen an der DNS hinterlassen deutliche Spuren, wie etwa Falten oder im schlimmsten Fall Hautkrebs durch Sonnenschäden. Genau hier setzt deshalb eine neue Generation von Cremes an, die beispielsweise mit marinen Wirkstoffen wie Algen-Enzymen oder Kaviarproteinen direkt auf unsere DNS wirken soll. Dabei gibt es zwei Arten, die man unterscheiden muss. Erstens solche, die unsere Gene schützen und zweitens Cremes, die unsere DNS reparieren sollen.
Schutz-Produkte spielen besonders dann eine Rolle, wenn es um lichtbedingte Hautprobleme geht. Hintergrund: Sonnenstrahlen gelten als einer der Hauptverursacher für Lichtschäden – und das nicht nur an der Oberfläche. Vielmehr schädigen sie auch die DNS, sie wird an einigen Stellen brüchtig. Folge: Erbinformationen können nicht mehr korrekt weitergegeben werden, die nächste Zellgeneration kommt demnach schon fehlerhaft „zur Welt“.
Darum enthalten Pflege-Produkte, die die DNS schützen sollen, vor allem eins: einen effektiven Lichtfilter. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler mittlerweile eine Reihe von Pflanzen ausgemacht, die sich als perfekte „Bodyguards“ erwiesen haben, was den Zellschutz angeht: Darunter fallen vor allem Vitamine der C- und E-Gruppe.
Einen Schritt weiter gehen Anti-Aging-Produkte, die die DNS sogar reparieren sollen: Dafür setzen die Hersteller Wirkstoffe ein, die die Selbstheilungskräfte unserer Zellen imitieren. Die reparieren einen Teil ihrer DNA-Schäden nämlich selbst, indem sie unterschiedliche Enzyme rund um den Zellkern bilden. Deutsche Forscher entdeckten in diesem Zusammenhang, dass Braunalgen das ähnlich machen – allerdings nur mit einem Enzym: der Photolyase. Das funktioniert auch auf der Haut. Eine Studie mit sonnenbrandgeschädigten Personen ergab, dass die Erbgutschäden doppelt so schnell wieder repariert werden konnten, nachdem eine Lotion mit Photolyase aufgetragen wurde.
Eine andere Vorgehensweise, um die DNA zu reparieren, ist das Anspornen der Zellen zu mehr Eigeninitiative. So bringt ein unausprechlicher Bestandteil ätherischer Öle, das Geranylgeranyl-D Phosphat, die Haut dazu, verstärkt ihr eigenes Reparatur-Enzym Telomerase zu produzieren. Einen ähnlichen Selbsthilfe-Effekt haben sowohl Folsäure als auch Bifidusbakterien aus Milch und Kaviarprotein.
Umstritten: Hormone
Auf der (gewinnträchtigen) Suche nach der ewigen Jugend überschreiten Wissenschaftler durchaus auch Grenzen – etwa die von der Anti-Aging-Kosmetik zur medizinischen Anwendung, beispielsweise mit Hilfe von Hormonen. Im Gespräch ist dabei vor allem folgende Methode: Die Injektion mit dem Wachstumshormon HGC. Diese Substanz baut Muskel- und Knochengewebe auf und reduziert gleichzeitig Fettgewebe.
Das klingt auf den ersten Blick wie der ganz große Durchbruch, durch den nicht nur die Haut sondern der gesamte Körper verjüngt wird. Aber: Bis heute sind Risiken, wie etwa an Krebs zu erkranken und Nebenwirkungen wie Gelenkentzündungen weder von der Hand zu weisen noch erforscht. Auch in Anti-Aging-Cremes finden sich heute vielfach Hormone. Dabei ist aber von einer relativen Unbdenklichkeit auszugehen – die Richtlinien in Europa sind diesbezüglich streng. Im Gegensatz zu den USA übrigens, wo Anti-Aging-Pflege mit einem Vielfachen an Wirkstoffen ausgerüstet, ver-kauft werden darf. Dort ist die Vermischung von Kosmetologie und Medizin auch weit mehr fortgeschritten als hier. Und aus Amerika stammt auch das passende Schlagwort:
Cosmeceuticals
Diesen Zungenbrecher sollten sich Beauty-Junkies schon mal merken – denn auch in Europa wird der Begriff in den kommenden Jahren mit Sicherheit für Furore sorgen. Unter dieser Wortschöpfung aus „cosmetics“ und „pharmaceuticals“ versteht man eine Kosmetik, die auf die enge Zusammenarbeit von Hautärzten, kosmetischer und medizinischer Forschung sowie den Einsatz der besten pharmazeutischen Wirkstoffe setzt.
Von da an ist es vielleicht nur noch ein Schritt zur Zukunfts-Vision der Kosmetologen: Der individuellen Kosmetik, die auf dem genetischen Muster des Einzelnen aufbaut. Dann könnten Gen-Chips im Kosmetikstudio ein persönliches Bioprofil der Hautalterung feststellen und anhand dieser Informationen die perfekt maßgeschneiderte Creme verwendet werden. Von Andrea Rink
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