Was unser Körper so alles produziert
Voll auf DrogenDie ganze Welt sieht Drogendealer als ein gravierendes Problem an – und das völlig zu Recht. Allerdings: Wenn es danach ginge, würde vor allem unser Gehirn schon längst hinter Gittern sitzen. Denn körpereigene Drogen zu produzieren, gehört mit zu seinem Tagesgeschäft.
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 | | Sportliche Herausforderungen fördern die Ausschüttung von Adrenalin und Endorphinen |
| 23.03.2008 - Sie sorgen dafür, dass man die Welt durch eine rosarote Brille sehen kann, sie produzieren Höchstleistungen beim Sport und gruselige Momente beim Lesen eines packenden Psycho-Thrillers: körpereigene Drogen wie Adrenalin, Serotonin und Dopamin.
Labor im Kopf
Gemixt wird der Drogencocktail je nach Bedarf direkt im Gehirn. Die Stoffe, aus denen die jeweiligen Träume gemacht sind, heißen Neurotransmitter (das sind Überträger von Nervenbotschaften) oder Neurohormone (Nervenhormone).
Beinahe alle dieser körpereigenen Doping-Mittel werden in der Nebenniere und der Hypophyse (Gehirnanhangsdrüse) gebildet. Über 60 von diesen Stoffen sind heute bekannt – und es werden immer neue Unterformen entdeckt.
Eigentlich ist dieses Prinzip ein Relikt aus grauen Vorzeiten, als der Mensch sich nämlich mehr auf seine Instinkte verließ als heute.
Das alles funktioniert nach einem Schema, das uns das Überleben im vorzeitlichen Urwald, nicht im heutigen Großstadtdschungel, sichern sollte. Heute sind diese Hormone vor allem angenehmer Nebeneffekt im täglichen Leben. Und man kann ihren Bestand durchaus selbst mitbestimmen…
Dopamin
Müde, lustlos, unmotiviert? Dann mangelt es Ihnen (natürlich nur, wenn Krankheiten ausgeschlossen werden können) aller Voraussicht nach an Dopamin.
Dopamin ist die Vorstufe von Adrenalin und auch solo einer der wichtigsten Neurotransmitter (Botenstoffe) im Zentralnervensystem. Dopamin spielt eine zentrale Rolle bei Koordination, Motorik, Konzentration, Antrieb, Motivation und kognitiver Leistungsbereitschaft.
Anhaltender Dopaminmangel führt zu Bewegungsstörungen, Tagesmüdigkeit, Antriebsstörungen, Motivationsverlust und Depressionen. Wer sich häufiger lustlos und abgespannt fühlt, kann den Dopamin-Haushalt des Körpers selbst wieder auf Touren bringen: durch Bewegung. Sportmuffel produzieren generell wenig Dopamin.
Ganz prima ist auch Sex. Er regt die Produktion des Neurotransmitters nämlich ebenfalls an. Auch die Ernährung kann bei Dopamin-Mangel helfen: Dazu gehört vor allem viel fetter Seefisch wie Hering oder Lachs auf den Speiseplan. Die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sind unverzichtbar für die Erzeugung von Dopamin.
Schlechte Nachrichten da-gegen für alle Fans von Fast-Food: Hamburger und Co. mindern die Ausschüttung des Botenstoffs.
Ginkgo treibt den Dopaminspiegel besonders gut in die Höhe. Das erwies unlängst eine Studie am Karolinska-Institut von Stockholm. Demnach erhöht Gingko den Dopmain-Spiegel um circa das 150fache des Normalwertes.
Daher gelten Produkte aus dieser Pflanze mittlerweile auch als besonders wertvoll für ältere Menschen. Bei Senioren nämlich lässt die körpereigene Produktion der Neurotransmitter im Alter entscheidend nach; der Mangel an Dopamin beispielsweise gilt als ein möglicher Auslöser für die Parkinson-Krankheit. Vor allem aber ist er schuld an mangelnder Gedächtnisleistung.
Noradrenalin
Das Stresshormon Noradrenalin bringt den Menschen in Rekordzeit „von null auf hundert“ – wenn dieser Botenstoff ausgeschüttet wird, weiß der Organismus: Achtung, Gefahr im Verzug!
Heutzutage wird Noradrenalin oftmals durch Stress-Situationen im Alltag ausgelöst, beispielsweise, wenn jemand auf der Autobahn von einem anderen Fahrer rücksichtslos bedrängt wird. Noradrenalin übernimmt gemeinsam mit Adrenalin die Steuerung; Noradrenalin wird im zentralen Nervensystem und im Sympathikus gebildet.
Es steigert wie das Adrenalin den Blutdruck, verändert aber nicht das Minutenvolumen und senkt sogar die Pulsfrequenz.
Zentral steuert Noradrenalin die mentale und psychische Stressanpassung. Es steigert die Motivation, die Aufmerksamkeit und die geistige Leistungsbereitschaft. Kurzfristig hemmt Noradrenalin die Im-munfunktion.
Normalerweise benötigt der Mensch eine erhöhte Noradrenalin-Ausschüttung nur in Situationen, in denen es um die Wurst geht. Bei Stress am Arbeitsplatz beispielsweise oder bei einem handfesten Familienkrach. Allerdings: Dieser Botenstoff blockiert gleichzeitig das Denkvermögen – beim Kämpfen kann Denken eher hinderlich sein. Das wiederum führt dazu, dass man sich nach einer massiven Stress-Situation oftmals total leer im Kopf fühlt.
Adrenalin
Dieser Neurotransmitter zählt zu den bekanntesten Botenstoffen des menschlichen Körpers, tritt aber nur mit Noradrenalin zusammen auf. In grauer Vorzeit diente er vor allem dazu, den Menschen in Gefahrensituationen hellwach und kampfbereit zu machen.
Zwar müssen wir heute nicht mehr befürchten, von keulenschwingenden Neandertalern aus dem Nachbarort überfallen zu werden; dennoch bleibt das Adrenalin wichtig: Es sorgt in Stress-Situationen dafür, dass Energiereserven an Zucker und Fett für den Notfall mobilisiert werden.
Melatonin
Vor Jahren war diese körpereigene Droge in aller Munde, galt als Wundermittel, um den Jetlag nach langen Flugstrecken zu bewältigen. Tatsächlich progammiert Melatonin den menschlichen Körper auf Ruhemodus, steuert unsere innere Uhr und wird erst Abends vom Körper gebildet.
Melatonin ist besonders wichtig für Menschen, die viel und über lange Strecken mit dem Flugzeug unterwegs sind.
Aber auch Schichtarbeiter, mit ihrem ständig wechselnden Tag-Nacht-Rhythmus brauchen eine gute Melatonin-Versorgung.
Damit der Körper diesen Botenstoff in ausreichender Menge produziert, sollte man sich bei Jetlag am Ankunftsort tagsüber viel im Freien aufhalten (Tageslicht ist wichtig für die innere Uhr). Versuchen Sie zu schlafen, wenn es dort dunkel wird – so pendelt sich der Tag-Nacht-Rhythmus wieder ein.
Melatonin als Medikament gegen Jetlag und Schlafstörungen ist mittlerweile umstritten
Was auch hilft: den Fernseher aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Das Bildschirmlicht stört die Produktion von Melatonin.
Serotonin
Im Volksmund auch Glückshormon genannt. Es ist zuständig für unsere gute Laune, spielt aber auch eine wichtige Rolle im vegetativen Nervensystem.
Serotonin steuert die Bewegung der Magen-Darm-Muskulatur, reguliert die Schmerzwahrnehmung und sorgt für erholsamen Schlaf.
Bei zu wenig Serotonin rutschen die Stimmung und das allgemeine Wohlbefinden in den Keller. Es kann zu Depressionen, Angstzuständen, Konzentrationsmangel, Schlaflosigkeit, Migräne, Fibromyalgie (Bindegewebsschmerzen), Empfindungsstörungen und Abgeschlagenheit kommen.
Die gute Nachricht:Serotonin ist der einzige Botenstoff, der nur über die Nahrung zu beeinflussen ist.
Er wird aus bestimmten Eiweißstoffen in den Nervenzellen hergestellt. Ein Baustoff ist das Eiweiß Tryptophan.
Es ist beispielsweise in Schokolade oder Bananen enthalten. Fett und Zucker fördern Tryptophan zusätzlich. Heißhunger auf Süßes kann daher ein Zeichen für einen zu niedrigen Serotoninspiegel sein.
Vorsicht bei Sport: Zu viel Krafttraining senkt bei Frauen die Serotoninfreisetzung, ebenso Stress und Nervosität. Bei Entspannung reguliert sich die Produktion dann automatisch.
Endorphin
Die stärkste köpereigene Droge ist zweifelsfrei das Endorphin. Man nennt es auch „natürliches Opium“. Denn Endorphin macht high. Vor allem extreme körperliche Belastungen wie Kraftraining bringen einen kräftigen Endorphin-Ausstoß der zuständigen Hirnzellen.
Unseren Vorfahren half Endorphin, zu überleben – etwa bei der Flucht vor Raubtieren.
Störende Schmerzen und Müdigkeitserscheinungen schaltet Endorphin einfach aus, die letzten Reserven werden mobilisiert. So gelingen kurzfristige Höchstleistungen, die im normalen Alltag nicht möglich wären. Doch Vorsicht: Endorphin kann süchtig machen. Davon können vor allem Sportler ein Lied singen: Bei manchen geht die Sucht nach dem Endorphin-Kick so-weit, dass sie sich permanent überlasten.
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