 | | Der Tata Nano wird Ende des Jahres in Indien erhältlich sein. |
| 14.02.2008 - Ratan Tata hat seinen Traum vom „indischen Volkswagen“ verwirklicht und das Billigauto „Nano“ entwerfen lassen, das zum Neupreis von umgerechnet 1.700 Euro für fast jeden „leistbar“ ist. Der kleine, kompakte Flitzer hat einen 33 PS starken 623-Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor unter der Haube und bietet vier Insassen (jedem auf seinem eigen Sitz) Platz. Er erfüllt die Euro-IV-Norm und alle indischen Sicherheitsstandards. Der Verbrauch des 3,1 Meter langen, 1,5 Meter breiten und 1,6 Meter hohen Mini-Autos liege bei fünf Litern auf 100 km, hieß es bei der Präsentation des Wagens. Der Online-Nachrichtendienst „Die Presse“ beschrieb den kleinen Tata als eine Mischung als Renault Twingo und Ford Ka. Noch kann man ihn nicht kaufen, aber in der zweiten Hälfte des Jahres soll der Nano den indischen Markt überschwemmen. Dann wird es neben der Standard-Ausführung des Nanos auch eine luxuriöse Version geben. Vorrangige Zielgruppe wird dabei zunächst die indische Mittelschicht sein, die von Tag zu Tag größer wird.
Vom Projekt „Tata Nano“ hat man bereits vor fünf Jahren gesprochen. Damals glaubte allerdings noch niemand (außer vielleicht die Hersteller selbst) daran, dass es ein voll funktionsfähiges Auto für so wenig Geld geben könne. Der Nano soll aber nicht nur in Indien verkauft werden. Auch das restliche Asien, Afrika und Südamerika werden als künftige Zielmärkte ins Auge gefasst. Irgendwann will der Tata-Konzern auch Europa erobern – es gebe bereits eine aufgebesserte Version für den europäischen Markt, so „Die Presse“.
Gut oder schlecht fürs Klima?
Klimaexperten warnen davor, dass eine Massenproduktion des Billigautos den Treibhauseffekt weiter verstärken könnten, da zahlreiche andere Verkehrsmittel (wie Bahn, Bus, Moped, Fahrrad usw.) in Indien bald zu Hunderttausenden durch Autos ersetzt werden könnten. Angesichts dessen, dass in Indien mehr als eine Milliarde Menschen leben, wirkt die Tatsache, dass dieses Land durch den Tata Nano motorisiert wird trotz dessen niedrigen Sprit-Verbrauchs beängstigend. Immerhin ist der Straßenverkehr für ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.
Auf dem Online-Portal „SaubereAutos.at“ argumentiert man hingegen damit, dass der Tata Nano immerhin umweltschonender als die meisten zweirädrigen Gefährte sei, die momentan die indischen Straßen bevölkern. In Indien kommen auf 1.000 Einwohner nur 30 Autos, während in es in Westeuropa und Nordamerika 400 bis 600 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner sind. Laut der Nachrichtenseite „Spiegel.de“ werde den Löwenanteil des Klimakillers Kohlendioxid weiterhin Autos aus den Industriestaaten in die Luft blasen.
Würde man in Europa und den USA in puncto Automobil „grüner“ denken, müsste man sich angesichts dieser Zahlen weniger Sorgen um die Motorisierung von Ländern wie Indien oder auch China machen. Solange man im Westen nicht bereit ist, auf dreckige Benzinschlucker zu verzichten, sollte man deshalb auch nicht mit dem Finger in Richtung Asien zeigen und davor warnen, wenn Inder, Chinesen und andere Völker sich erlauben, jetzt auch endlich Auto zu fahren.
Das Imperium der Tata-Gruppe
Der Vorstands-Vorsitzende der Tata-Gruppe, Ratan Tata, zählt zu den erfolgreichsten Geschäftsleuten der Gegenwart. So wurde er erst kürzlich vom „Fortune Magazine“ unter die 24 einflussreichsten Manager der Welt gewählt. Zur Konzern-Gruppe, die Ratan Tata anführt, gehören insgesamt 98 Unternehmen, mit Niederlassungen in über 50 Ländern und fast 300.000 Mitarbeitern in mehr als sieben Branchen.
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