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Freitag, 21.11.2008
„Viva la papa arrugada“
Kanarische Lieblingsknöllchen
Wer bei dem Begriff „papa arrugada“ an den runzligen Vater denkt, ist noch nicht lange genug auf der Insel. Denn schnell bemerkt man, dass sich dahinter die in Meersalz gegarten kleinen Runzelkartoffeln verbergen, die zu jedem traditionellen Gericht aus der kanarischen Küche obligatorisch dazu gehören.
Das traditionsreiche Haus „Casa Alhóndiga“ in Tacoronte bot Mitte September den idealen Rahmen für den IV. Kongress über die traditionellen kanarischen Kartoffelsorten.
Die Kartoffel ist neben Wein, Mojo und Gofio eines der authentischsten Merkmale kanarischer Tischkultur. Tatsächlich war sie bis zum 16. Jahrhundert auf dem Archipel völlig unbekannt. Erst als ehemalige Auswanderer aus Amerika in ihre Heimat zurückkehrten, brachten sie den Erdapfel mit. Die meisten heimischen Kartoffelsorten stammen aus Peru und haben schnell einen Siegeszug auf den Kanarischen Inseln angetreten. Innerhalb kürzester Zeit zählten die zwölf verschiedenen Arten zu den wichtigsten und vitalsten Nahrungsmitteln. Parallel dazu entwickelten sich die verschiedenen Saucen (Mojos), die als optimale Begleiter der Kartoffel gelten.
Der Präsident des Vereins zum Erhalt der „papa arrugada“, Don Vicente Infante, hat es sich zur persönlichen Lebensaufgabe gemacht, die kanarische Knolle zu schützen und zu erhalten. Für ihn ist sie eine der charakteristischsten Merkmale der traditionellen Küche. Die Inselregierung unterstützt das Bestreben der Vereinigung, ein Gütesiegel für die kanarischen Knollen, ähnlich dem des Weines, zu erhalten. „Papa de Canarias“, soll dann auf den Etiketten prangen.
Besonders die schwarze Kartoffel, papa negra, sei auch auf dem spanischen und europäischen Festland als Delikatesse bekannt, betonte Guillermo Díaz Guerra, vom kanarischen Amt für Lebensmittelqualität. „Wir sollten das Unsrige (lo nuestro) schätzen und erhalten“, kommentierte er. Es sei wichtig, dem Verbraucher eine eindeutige Identifizierung der papa canaria zu ermöglichen und ihn gleichzeitig vor Irreführung durch ähnliche Erzeugnisse zu schützen. In den Bergen oberhalb La Orotavas betreibt das Institut zum Erhalt makronesischer Pflanzensaat ein Treibhaus, in dem die Landwirte Saatgut erstehen können, das frei von Viren und Krankheiten ist. Der zu erwartende Ertrag liegt im Durchschnitt höher als bei herkömmlichem Saatgut. Pro Kilo Saatkartoffeln kann man eine Ernte von rund 50 Kilo einfahren. Das Projekt wird von den Inselbehörden, der Europäischen Union sowie der Universität La Laguna unterstützt. Rund fünf Millionen Euro sind für das Projekt bereitgestellt worden. Der Minister für Landwirtschaft und Fischzucht, José Joaquín Bethencourt, zeigte sich zuversichtlich, dass noch in dieser Legislaturperiode das Gütesiegel realisiert werden könne. Außerdem gäbe es Unterstützung für die Landwirte, die typische Kanarensorten anbauten und auch das künftige Export- und Vermarktungsnetz werde von oberster Stelle aus koordiniert, um den Bauern eine attraktive Zukunftsperspektive zu bieten. Sie sollen den Stolz verspüren, der aus der Pflege und Kultivierung der papa erwächst. Das Produkt sei ebenso authentisch und einmalig wie die Bewohner der Inseln.
Die wichtigsten Knollen
Azucena
Die Sorte gibt es als blanca oder negra (schwarz oder weiß). Die dunkle Variante ist im gesamten nördlichen Anbaugebiet, bis hin in das Hochtal El Palmar, weit verbreitet und zeichnet sich durch ihren hervorragenden Geschmack aus. Die helle Azucena ist ihrer dunklen Schwester sehr ähnlich, wenn auch weniger bekannt. Sie wird vor allem in der Bergregion von Icod El Alto bis La Guancha angebaut.
Melonera oder Borralla
Dieser Erdapfel wird überall im Norden kultiviert. Besonders beliebt ist er bei den Landwirten im Anagagebirge. Die Melonera zeichnet sich durch hohe Erträge aus und kann vor allem Trockenheit gut vertragen.
Papas Negras
In diesen Sammelbegriff fallen mehrere Sorten, die vor allem im Süden und in den mittleren Höhenlagen von La Esperanza und La Matanza angebaut werden. Ihre Konsistenz und ihr Geschmack machen sie einzigartig. Manche haben ein goldenes Fruchtfleisch, das an das Gelbe vom Ei erinnert und sich als yema de huevo in der Namensgebung wieder findet.
Negra Ramuda
Diese „negrita“ war hauptsächlich auf El Hierro verbreitet und gilt fast schon als Relikt aus vergangenen Zeiten. An ihrer Erhaltung wird besonders gearbeitet.
Mora
Diese Art findet man noch im Anagagebirge. Einst war sie weit verbreitet, heute gilt sie nahezu als ausgestorben und verdient deshalb besondere Beachtung und Fürsorge.
Torrenta
Diese Spezies gilt vor allem in Tacoronte, El Sauzal, La Matanza und La Victoria kultiviert. Besonders bei Kleinbauern, die für den Eigenbedarf produzieren, wissen diese Knolle zu schätzen. Sie wird als sehr schmackhaft beschrieben und lässt sich gut lagern.
Colorada de Bago
Die „bunte“ Kartoffel wird in den mittleren und hohen Lagen des Nordens angebaut. Ihre Besonderheit ist, dass sie erst nach der Ernte, während monatelanger Lagerung, ihren vollen Geschmack entwickelt.
Außerdem keimt sie nur sehr langsam, was ihre Qualität noch steigert.
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21.11.2008 - 














