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Freitag, 05.12.2008
ZEC bietet neue Wirtschafts-Perspektiven durch Kooperationen mit Afrika
„Die europäischen Kooperationsprojekte sind der erste Schritt zur Stärkung der kanarischen Unternehmensstruktur in Afrika“.
Die geostrategische Lage der Kanarischen Inseln mit ihrer Nähe zum afrikanischen Kontinent und die Kanarische Sonderzone, die die Ansiedlung von wertschöpfenden Unternehmen zu den besten steuerlichen Bedingungen innerhalb der EU ermöglicht, sind wesentliche Bestandteile bei der Umsetzung von Projekten mit beachtlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen in Afrika.
Die sogenannte Kanarische Sonderzone (ZEC) ist ein zu den Kanarischen Inseln gehörendes Niedrigsteuergebiet, eine staatliche Beihilfe, die im Jahr 2000 von der Europäischen Union genehmigt wurde und deren Ziel die Anziehung von Unternehmen ist, deren Tätigkeitsfeld zur wirtschaftlichen Diversifizierung der kanarischen Produktionsstrukturen beiträgt, deren Wirtschaft jahrzehntelang einzig und allein auf dem Zweiergespann Baubranche und Tourismus aufgebaut war. Nach acht Jahren und mittlerweile mit mehr als dreihundert Unternehmen hat sich die mit dem Niedrigsteuergebiet verbundene Rechtsgrundlage an die Besonderheiten der kanarischen Wirtschaft angepasst, einem Gebiet, das sich aufgrund seines Inselstatus teilt und sich in Bezug auf den Kontinent in äußerster Randlage befindet.
Dann sehen wir uns das einmal genauer an. Was war Ihr Tätigkeitsbereich als nationaler Experte bei der Europäischen Kommission?
In groben Zügen kann man sagen, dass meine Arbeit hauptsächlich darin bestand, die Qualität der Kooperationsprojekte mit Amerika und Afrika zu verbessern, um so eine größere Wirkung zu erzielen. Die wichtigsten Initiativen, die wir kanalisiert haben, waren jene, die mit Grundfragen bezüglich der Entwicklung der beiden Kontinente verbunden waren. Es liegt auf der Hand, dass die Handlungslinien das Gesundheitswesen, Wasserkanalisation, die Infrastrukturen und das Bildungswesen beinhalteten. Weiter konnte ich während dieser Zeit alle Verhandlungen zwischen der Europäischen Kommission und der spanischen und kanarischen Regierung bezüglich des Wirtschafts- und Steuersystems der Kanarischen Inseln (REF), das ja auch als eine der Steuervergünstigungen die ZEC einschließt, aus nächster Nähe verfolgen. In dieser Hinsicht ist hervorzuheben, dass erst Ende 2006 alle Anpassungen der Gesetzgebung des Niedrigsteuergebiets geklärt wurden und die bis zu diesem Zeitpunkt noch große Unbekannte gelüftet wurde: das Fortbestehen des Niedrigsteuergebietes bis zum Jahr 2019. Eine Sache, die positiv gelöst werden konnte und einen guten Ausgang genommen hat, mit allem, was dies für die kanarische Wirtschaft bedeutet. Andererseits gehörte zu meinem Aufgabengebiet auch die Erschließung anderer Fragen in Zusammenhang mit den regionalen staatlichen Beihilfen, die sehr stark mit der Philosophie der ZEC verbunden sind.
Sie haben erwähnt, dass Ihre Aufgaben hauptsächlich darin bestanden, europäische Kooperationsprojekte mit Afrika und Amerika zu bewerten. Könnten Sie das näher erklären?
In Bezug auf Afrika gibt es spezifische Finanzierungslinien in Verbindung mit dem Kontinent wie zum Beispiel die, die im Rahmen der Nachbarschaftspolitik mit nordafrikanischen Ländern wie Marokko, Tunesien und Algerien unterzeichnet wurden. Der zweite Schwerpunkt wird im Bereich Politik für das größere nachbarschaftliche Umfeld eingegliedert und bezieht sich auf Kooperationsprojekte mit dem Gebiet südlich der Sahara (die Kapverdischen Inseln, Mauretanien, Senegal, Äquatorialguinea, Mali etc.). Hier haben die Kanarischen Inseln eine wichtige Rolle inne. Die Nähe des Archipels ist maßgeblich bei der Knüpfung von Handelsbeziehungen zu Afrika. Innerhalb der Europäische Union positionieren sich die Kanarischen Inseln an der Ausgangsposition als logistische Plattform, um auf den afrikanischen Kontinent zu gelangen. Der Zugang zu diesen Finanzierungslinien begünstigt die Entwicklung und Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Regionen, ein bedeutender Gesichtspunkt für das Gedeihen ihrer Wirtschaftssysteme. Um das Terrain sondieren zu können, ist es demnach wichtig zu wissen, welche Projekte sich in der Entwicklung befinden. Über die verschiedenen öffentlichen spanischen und kanarischen Verwaltungen können private Initiativen, das heißt die Unternehmen, darunter auch die kanarischen, an den Ausschreibungen für die verschiedenen Aktionen, die auf dem Kontinent durchgeführt werden, teilnehmen. Auf der anderen Seite ist da noch die gesamte Finanzierung für Projekte in Lateinamerika und zwar teilt sich diese in drei Bereiche: Mexiko, Mittelamerika und Südamerika. Bezüglich letzterer werden die Kooperationsprojekte in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay über den Gemeinsamen Markt Südamerikas oder Mercosur abgewickelt.
Wo sehen Sie im Rahmen der Kooperation mehr Perspektiven für die Ausstrahlung des Unternehmensbereichs der Kanarischen Inseln?
Ohne die Entwicklung der Projekte in Lateinamerika aus den Augen zu verlieren, tendiere ich aufgrund verschiedener Faktoren zu Afrika. Auch wenn die Finanzierungslinien im Rahmen der Nachbarschaftspolitik und der Politik für das größere nachbarschaftliche Umfeld erst im Anfangsstadium sind, je weiter diese voranschreiten, desto höher fällt das Budget für diese aus. Wichtig ist hier, weiter von innerhalb und außerhalb zu arbeiten. Hervorzuheben ist auch, dass Afrika ein sich im Aufbau befindlicher Kontinent mit enormen Ressourcen ist. Diesbezüglich müssen die mitwirkenden Regierungen die erforderlichen Brücken ziehen, um ergiebigere Beziehungen aufzubauen und es müssen zeitlich dauerhaftere Verbindungen geschaffen werden. Wenn man einen imaginären Kreis von dem Gebiet, das von Tunesien bis nach Äquatorialguinea reicht, zieht und darauf andere kleinere, würde man die wichtigsten Gebiete innerhalb dieses Radius aufzeigen – die Summe von Millionen von Einwohnern und Reichtum ergibt eine sehr hohe Konzentration – ein Gesichtspunkt, der zeigt, wie viele interessante Unternehmensmöglichkeiten vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen sich daraus ergeben.
Wie wichtig ist es, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, bei der Förderung der Beziehungen zu Afrika und dem geostrategischen Vorteil der Kanarischen Inseln über ein Werkzeug wie die Kanarische Sonderzone (ZEC) zu verfügen?
Äußerst wichtig. Man könnte die ZEC als einen weiteren der Mechanismen verwenden, über die die Kanarischen Inseln verfügen, damit der Archipel zur Plattform zwischen drei Kontinenten wird. In diesem Sinne sind die Beziehungen zwischen allen Einrichtungen, öffentlichen wie auch privaten, die auf dem Kontinent tätig sind, eine unentbehrliche Voraussetzung. Dafür ist die Unterstützung des öffentlichen Sektors auf allen Stufen erforderlich. Die Kanarischen Inseln können mit einem Instrument wie der ZEC ihren Markt in Afrika aufbauen, denn sie verfügen über ein hohes Niveau an sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung und eine einzigartige Voraussetzung: die Rechtssicherheit, die sich aus ihrer Gesetzgebung innerhalb des REF ergibt. Diesbezüglich sind einige Punkte näher auszuführen, wie die Erweiterung der Verkehrsverbindungen mit dem Kontinent und zwar sowohl in Bezug auf See- wie auch auf Luftfahrt. Meiner Meinung nach sollten sich auch die kanarischen Universitäten an diesem Prozess beteiligen und Studienrichtungen schaffen, die Afrikaexperten ausbilden und nach Möglichkeit Stipendien anbieten, die die Mobilität der Studenten ermöglicht, so dass diese ihre Ausbildung bei Einrichtungen wie der Afrikanischen Entwicklungsbank, Regierungseinrichtungen etc. vervollständigen können. Die Bedingungen dafür sind ideal.
Profil
Fernando Hidalgo ist Experte der ZEC. Er spricht perfekt Englisch, Französisch und Portugiesisch. Bevor er auf den Kanarischen Inseln vor Anker gegangen ist, arbeitete er im privaten Bereich in den USA und Belgien und wurde danach vom spanischen Außenministerium als Junger Wirtschaftsexperte in der Delegation der Europäischen Kommission in Mosambik ausgewählt.
Derzeit liegt sein Aufgabenbereich in der Abteilung für External Relations der ZEC. Er hat einen Abschluss in Rechtswissenschaften von der Universität von Zaragoza und zwei Masterabschlüsse, einen in Wirtschaftswissenschaften des Solvay-Instituts von Brüssel und einen in öffentlichen Verwaltungen vom College of Europe in Brügge (Belgien). Er wurde ausgewählt, um zwei Jahre lang (2005 – 2007) als nationaler Experte den spanischen Staat und die Kanarischen Inseln zu vertreten. Diesbezüglich bedeutete die Anwesenheit eines „Wahlkanariers“ mitten im Herzen Europas für den Archipel ein Privileg in Bezug auf den Informationsfluss über jene Initiativen, die von Interesse für die Kanarischen Inseln sind und in Brüssel, dem neuralgischen Entscheidungszentrum der Länder der EG geschmiedet werden.
Weitere Informationen:
www.zec.org
deutsch3@zec.org
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04.12.2008 - 




