Samstag 05.07.2008   

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Kampf gegen illegale Bauten

Das Marbella-Syndrom auf Lanzarote

Fast ein Viertel der Hotels auf Lanzarote wurden vom Ober-sten Kanarischen Gerichts­hof als illegal eingestuft und sind nun vom Abriss bedroht. Im Jahre 1991 initiierte die Kanarenregierung eine Revi­sion der Bauvorschriften in den Städten des Archipels, die letztlich zur Jahrtausendwende in einem Baustopp gipfelte.

Wie die spanische Tages­zeitung „El País“ berichtete, ignorierten die Verwaltungen von Teguise und Yaiza diese Bestimmungen und genehmigten weiterhin den Bau von Hotelburgen mit einer Inves­titionssumme von rund 270 Millionen Euro. Etwa 36,5 Millionen flossen sogar von der Europäischen Union in Form von Subventionen in die Projekte.


An Lanzarotes Küsten will man wieder „zurück zur Natur“
An Lanzarotes Küsten will man wieder „zurück zur Natur“
12.04.2008 - Dies soll die Verantwortlichen der Stadt, aber auch die Hotelbesitzer, nun teuer zu stehen kommen. Die Stiftung César Manrique prozessierte gemeinsam mit der kanarischen Regierung gegen diese illegalen Bauten und erzielte ein Urteil, das die sofortige Enteignung und den Abriss zur Folge haben kann. Seit 2006 wurden 22 Lizenzen annulliert, acht davon betref­fen Hotelanlagen mit mehr als vier Sternen. Das bedeu­tet, rund ein Drittel der Luxus­hotels sind unter Umgehung der gesetzlichen Bestim­mungen gebaut worden. Das jüngste, das zu den vom Abriss bedrohten Hotels zählt, ist das Fünf-Sterne-Haus „Prinzessin Yaiza“, das allein vier Milli­onen aus dem EU-Topf kas­sierte. Seit September des vergangenen Jahres rollt eine Urteilswelle über die Betten­burgen. Insgesamt  7.721 Bet­ten wurden seither als illegal bestätigt. Weitere Verfahren sind derzeit noch anhängig und die Zahl könnte auf bis zu 15.000 „Schwarz-Betten“ steigen. Das würde 23 Prozent des gesamten Angebots (rund 65.000 Betten) umfassen, wenn man die Nicht-Hotelan­lagen mitzählt und etwa die Hälfte der Hotelunterkünfte.

Darunter befinden sich bekannte Häuser, wie das „Melià Volcán“, „Iberostar Papagayo“, „Gran Castillo“, „Natura Palace“, „Rubicón Palace“, „Papagayos Arenas“, „Son Bou“ sowie das Luxusho­tel „Princess Yaiza“, mit mehr als 330 Zimmern in der Luxus­kategorie. Außerdem sind zehn weniger bekannte Aparthotel-Anlagen, wie das „Colorada­mar“,  betroffen und weitere vier Projekte wurden per Bau­stopp auf Eis gelegt. Gegen die beiden Ex-Bürgermeister José Francisco Reyes aus Yaiza und Juan Pedro Hernández aus Teguise sowie beteiligte Architekten  und Unterhändler wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Eine Sonderkom­mission der Einheit für orga­nisiertes Verbrechen unter­sucht die Vorgänge und wird die „Gesetzes-Ignoranten“ zu gegebenem Zeitpunkt zur Rechenschaft ziehen. Nun stehen die Verantwortlichen in der kanarischen Zentral­regierung, ähnlich wie in Mar­bella, wo tausende von Woh­nungen als illegal gelten, vor dem Problem, wie die jewei­ligen Urteile in die Tat umge­setzt werden können. Zwei Hotels wurden bereits zum Abriss freigegeben. „Wir kön­nen aber nicht 27 Hotels dem Erdboden gleich machen“, gibt Espino, Regierungsspre­cher der PSOE, zu bedenken. „Abgesehen davon, dass dies einen massiven Einschnitt in den Tourismus der Insel und eine Flut von Arbeitslosen auslösen würde, bedeutet der Abriss so vieler Häuser eine größere Umweltbelastung als deren Duldung“. Deshalb wird nun in einer gesonderten Stu­die untersucht, welche Hotels unter Umständen durch die Zahlung einer Geldstrafe nach­träglich als tolerierbar einge­stuft werden und welchen end­gültig der Garaus droht.

Indiskutabel sind auf jeden Fall die Häuser, die in erster Küstenlinie stehen und dem Küstenschutz unterstehen oder mitten in empfindlichen Naturschutzgebieten gebaut wurden. Dort gilt zumindest der Abbruch des „Papagaya Arenas“, der bereits bean­tragt wurde, als gesichert. Auch das „Gran Castillo“, das direkt daneben, an der Playa Blanca, errichtet wurde, befin­det sich innerhalb der Küsten­linie und wird wohl weichen müssen. Wie die Tourismusmi­nisterin Lanzarotes, María José Docal Serrano, telefonisch von einer Tourismusmesse in Mos­kau beteuerte, gäbe es derzeit überhaupt keine Veranlassung, um bereits gebuchte Urlaubs­tage zu bangen oder gar Stor­nierungen vorzunehmen.

Es ist keine Invasion der Bulldozer zu befürchten. In dem Streit können noch Jahre vergehen, bestätigen auch die Behörden, die keinen Rundum-Schlag, sondern besonnenes Handeln befürworten.

Es geht nicht darum, auf Biegen und Brechen die Ein­haltung der Gesetze durch­zuboxen, sondern darum das Urlaubsparadies Lanzarote und die touristische Attraktion der Insel zu erhalten.

Allerdings könne dies nicht auf Kosten der Umwelt gesche­hen, denn das würde sich lang­fristig als ebenso fatal erwei­sen. Es handelt sich um ein kniffliges Anliegen, das weise Entscheidungen erfordert und alle Beteiligten vermut­lich noch Jahre beschäftigen wird. 


Bildergalerie: Das Marbella-Syndrom auf Lanzarote
An Lanzarotes Küsten will man wieder „zurück zur Natur“ Die César Manrique Stiftung prozessierte gemeinsam mit der kanarischen Regierung gegen illegale Hotelanlagen 
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