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Freitag, 05.12.2008
Hupkonzert für die Rechte von Schwulen und Lesben
Kleine Insel macht die Welt auf sich aufmerksam
Rund 120 Menschen trafen sich am vorletzten Septemberwochenende, um gemeinsam per Autokarawane und Hupkonzert quer über La Gomera zu fahren und dabei für die Rechte der Homosexuellen einzustehen.
Die meisten kamen aus der Schwulenszene und waren von den anderen Inseln wie Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura und Lanzarote angereist.
Auf La Gomera ist die Ge-sellschaft noch viel verschlossener und konservativer als auf den größeren Inseln, wie zum Beispiel Teneriffa und Gran Canaria, weshalb die Homosexuellen hier noch viel mehr Hemmungen haben, ihre Neigung öffentlich zu machen. Man fürchtet, aus dem bürgerlichen Leben ausgeschlossen zu werden.
Die Fahrt über die Insel mit mehr als 50 bunt geschmückten Autos und lautem Hupen wurde dennoch von den Anwohnern sehr positiv aufgenommen. „Wir haben sehr viel Herzlichkeit erfahren“, wurde bestätigt, „allerdings ist es noch einmal ein Schritt, ob man unserer Karawane applaudiert oder einen Homosexuellen in der eigenen Familie akzeptieren muss. Wir wollten die Menschen auffordern, anzuerkennen, dass die Liebe zwischen Gleichgeschlechtlichen genauso liebens- und lebenswert ist und genauso viel Respekt verdient wie die der Heteros“. „Sale de tu armario“ (Komme aus deinem Schrank) – der spanische Ausdruck dafür, sich öffentlich zu outen – war der Aufruf für alle Betroffenen, sich nicht länger zu verstecken. Viele Schwule verlassen ihr Zuhause, um in einer anonymeren Umgebung, fern der Familie, ihr Leben nach eigenen Gesetzen zu leben und den Angehörigen die „Schmach“ zu ersparen. Andere bleiben und fügen sich in ein Leben, das nicht ihren Bedürfnissen, sondern den gesellschaftlichen Normen entspricht. Dabei machen sie oft sich selbst und ihre (falschen) Partner unglücklich. Algarabia kämpft mit Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit dafür, dass Menschen überall, auch in solch einer engen Gesellschaft wie auf La Gomera oder in anderen abgelegenen Orten, frei und offen zu ihrer Homosexualität stehen können, ohne ausgegrenzt zu werden. Arnold Velten, ein deutscher leitender Mitarbeiter in der Gemeinde Valle Gran Rey, bestätigte die Akzeptanz der Bevölkerung, die den Auftritt der Autokarawane vom Straßenrand aus mitverfolgte. „Ich selbst war nicht aktiv dabei, sondern nur während der Begrüßung, als sie hier angekommen sind und am Rathaus empfangen wurden. Aber was ich so unter den Leuten gehört habe, waren die Kommentare positiv und offen“.
Zwei deutsche lesbische Urlauberinnen waren von der Veranstaltung begeistert und entschieden ganz spontan, sich anzuschließen. Sie betreiben in Deutschland eine Webseite und haben zugesagt, Fotos und einen Bericht dort zu veröffentlichen. Am Abend fand die Aktion in Valle Gran Rey einen würdigen Ausklang in Form eines offenen Musik- und Tanzabends. Dieses Angebot wurde auch von Einheimischen angenommen, die sich dann munter unter das „schwule Volk“ mischten und ausgelassen mitfeierten. Bestimmt haben einige dabei festgestellt, dass gar nichts passiert und es keinen Grund für Berührungsängste gibt.
Auch wenn es von einer generellen Toleranz zu einer Akzeptanz im eigenen Familienkreis meist noch ein weiter Weg ist, so ist doch ein Anfang gemacht und jede Reise beginnt nun mal mit dem ersten Schritt. Algarabia hat in diesem Jahr bereits bei den Kurzfilmtagen in Puerto de la Cruz sowie bei einer Manifestation und dem Hissen der Schwulen-Fahne am Regierungsgebäude in Santa Cruz für Öffentlichkeit gesorgt. Beide Ereignisse wurden durch die Schirmherrschaft der transsexuellen Schauspielerin Carla Antonelli gekrönt. Die Planungen für das kommende Jahr laufen bereits. (sv)
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04.12.2008 - 






