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Donnerstag, 18.03.2010
Exklusiv-Interview:
Dr. Peter Fankhauser
Am 29. und 30. Oktober stellten Neckermann und Thomas Cook Reisen die Neuheiten der Sommerkataloge 2010 auf Teneriffa der deutschen Presse vor. Am Rande dieser Präsentation gewährte der Vorstandsvorsitzende der Thomas Cook AG, Dr. Peter Fankhauser, dem Kanaren Express ein Exklusiv-Interview.
© Thomas Cook AG
Wir wählen immer eine Destination, die eine besondere Rolle in unserem Programm einnimmt. Teneriffa ist bei uns sowohl im Sommer als auch im Winter ein wichtiges Ziel und ist somit prädestiniert als Austragungsort der Pressekonferenz. Die meisten der rund 80 mitreisenden Journalisten werden über Teneriffa als Urlaubsdestination berichten, da sie während der vier Tage zahlreiche Möglichkeiten hatten, die Insel kennen zu lernen.
• Die meisten unserer Leser leben auf den Kanarischen Inseln; sie leben mit dem oder vom Tourismus. Der Rückgang der Besucherzahlen im laufenden Jahr hat viele unmittelbar betroffen. Wie stellt sich die weitere Entwicklung für die kommende Saison aus der Sicht Ihres Unternehmens dar?
Wir hoffen in unserem Interesse und im Interesse von Teneriffa, dass sich diese Entwicklung verändert und im kommenden Winter sowie im Sommer die Ergebnisse des Vorjahres wieder erreicht werden können. Unser Ziel ist es natürlich, auch auf den Kanaren mittelfristig wieder zu wachsen.
• Wie weit ist aus Ihrer Sicht die Krise im Tourismusmarkt „hausgemacht“, z.B. durch überteuerte Preise und schlechten Service?
Die Kanaren müssen sich noch bewusster werden, dass sie in einem extrem harten Wettbewerb mit anderen Destinationen stehen, z.B. mit der Türkei und mit Ägypten, und dort ist im Moment das Preis-Leistungs-Verhältnis schlicht und ergreifend besser. Das heißt aber nicht, dass wir verlangen, dass die Kanaren auf das Preisniveau der Türkei oder von Ägypten zurückgehen müssen. Aber es müsste dringend eine Preiskorrektur geben, damit wir durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wieder mehr Kunden auf die Kanaren bringen können. Das ist eines unserer Anliegen, das wir auch mit dem gesamten Top Management der Thomas-Cook-Gruppe vertreten haben, als wir vor drei Wochen schon einmal hier vor Ort waren. Das A und O ist Preis-Leistung. Und da sind die Kanaren im Moment im Wettbewerbsnachteil zu anderen Destinationen.
• Die Zunahme der All-Inclusive-Angebote aller Reiseveranstalter hat nicht nur auf den Kanarischen Inseln – verstärkt durch die allgegenwärtige Krise – zu einer Verödung traditioneller gastronomischer Besucherzentren geführt. Inwieweit können und wollen Sie dieser Entwicklung entgegen steuern oder eine Alternative anstreben? Oder anders gefragt: Gibt es in Ihrem Hause Ideen für Alternativen zum All-Inclusive-Urlaub, und wie sehen diese für die Kanaren aus?
Budget-Sicherheit wird für viele Kunden wichtiger – insbesondere für Familien. Bei diesem Thema ist All-Inclusive-Verpflegung das Beste, was die Gäste bekommen können. Auf den Kanarischen Inseln ist problematisch, dass die Nebenkosten im Vergleich zu anderen Zielgebieten deutlich höher sind. Für Gäste mit einem begrenzten Budget ist ein Urlaub auf den Kanarischen Inseln ohne All Inclusive-Verpflegung einfach nicht bezahlbar und sie weichen auf andere Ziele aus. Das ist für alle – für Hoteliers, für Restaurantbesitzer und für Ausflugsanbieter – eine schlechte Entwicklung. Aber in den vergangenen Jahren haben die Kanaren bereits einiges getan. Vor etwa vier Jahren lag der All-Inclusive-Anteil bei 25 Prozent. Jetzt sind es etwa 40 Prozent, und dieses Segment wird wahrscheinlich noch weiter wachsen. Auch wenn wir die Situation der Restaurants verstehen: Wir können die Entwicklung nicht aufhalten, denn wenn wir nachgefragte Services nicht anbieten, wird es ein anderer tun. Wir müssen als Veranstalter auf die Kundenbedürfnisse hören und können keine Strukturpolitik betreiben. Da ist die lokale Politik gefordert.
Aber es ist ja auch nicht so, dass jeder Gast All Inclusive nachfragt: Insbesondere bei unserem Premiumveranstalter Thomas Cook Reisen bieten wir viele Häuser mit Frühstück oder Halbpension an.
• Wo genau können einzelne Unternehmer, die vom Tourismus leben (sei es in der Gastronomie, in der Unterhaltungsbranche oder mit einem Shop) tun, um auch für All- Inclusive-Reisende attraktiv zu bleiben?
Beispielsweise mit Mehrwertkarten. Oder Hoteliers und Restaurantbesitzer können erfolgreich gemeinsam aktiv werden. In anderen Zielen – beispielsweise auf Mallorca – haben wir Hoteliers vorgeschlagen, All-Inclusive auf Restaurants außerhalb des Hotels auszuweiten. Das würde mit Sicherheit auch auf den Kanaren gut ankommen und ein Hotel kann sich mit einer solchen Leistung unter anderen positiv hervorheben.
• In Ihrer Präsentation heben Sie hervor, dass sich die Preisvorteile für Ihre Kunden ausschließlich aus den verbesserten Einkaufskonditionen ergeben. Woraus entstehen diese besseren Konditionen, wenn nicht aus Lohndumping oder Qualitätseinschränkungen?
Ein Teil der Preisvorteile ergibt sich aus den reduzierten Kerosinkosten beim Flug. Ein anderer Teil resultiert aus Hotel-Nachverhandlungen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Hoteliers während der letzten zehn Jahre wenig verdient haben. Viele Hotels sind stark gewachsen und haben durch hohe Preissteigerungen ihre Gewinne deutlich verbessert. Wenn der Markt nun notwendige Preisreduzierungen verlangt, dann müssen Hoteliers dieses aus Effizienzsteigerungen ermöglichen. So wie es jeder Marktteilnehmer umsetzen muss.
• Die Einführung des „Dynamic Packaging“ benennen Sie als eine echte Erfolgsgeschichte, die sich gerade in diesem Jahr bewährt habe. Es geht also um Flug- und Städtereisen mit tagaktuellen Preisen. Werden Sie auch Reisen „dynamisieren“, die in den Katalogen angeboten werden?
Ja, die gehören dazu. Es sind aber viel, viel mehr Reisen, als wir im Katalog verzeichnen können. Das Angebot ist viel breiter. Aber die Katalogreisen werden selbstverständlich auch dynamisch angeboten.
• Obwohl viele unserer Leser dort leben, wo andere Urlaub machen, haben sie die Reiselust noch nicht abgelegt. Sie besuchen gern ihre Heimat oder leben dort in den Sommermonaten. Haben Sie auch für diese Zielgruppe attraktive Angebote, wie z.B. Flüge?
Ja, selbstverständlich. Thomas Cook ist ein weltweit aufgestelltes Unternehmen. Für den deutschen Markt haben wir die Condor, die mit einem hervorragenden Produkt und zu attraktiven Preisen fliegt. Nach England, Skandinavien und Belgien fliegen die Flugzeuge unter dem Markennamen Thomas Cook Airlines.
• Heute haben Sie ein spaßiges Video über ihren „Testeinkauf“ gezeigt, den Sie gemeinsam mit Ihrem Sohn in einem Reisebüro durchgeführt haben. Offen blieb aber, ob Ihre Familie nun eine Reise gebucht hat und wenn ja, wohin. Können Sie unsere Leser darüber aufklären und verraten, wann Sie Ihre Familie mal auf die Kanaren „entführen“?
Zuletzt waren meine Familie und ich auf den Malediven. Meine Familie auf die Kanaren „entführen“? Wenn ich an die Attraktionen des Siam Park denke, muss ich sagen, dass besonders mein Sohn sich dort extrem wohl fühlen würde. Mir persönlich gefallen die Kanaren sehr gut. Die Inseln müssen nur gut aufpassen, dass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangen.
Vielen Dank, Herr Dr. Frankhauser, dass sie sich bereit erklärt hatten, unseren Lesern persönlich einige Fragen zu beantworten. Ich hoffe, dass es Ihnen hier auf unserer Insel gefallen hat und wir Sie bald wieder begrüßen dürfen – vielleicht mit Ihrer ganzen Familie.
Das Interview führte Dietmar A. Hennig am 29.10.2009
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17.03.2010 - 















