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Dienstag, 16.03.2010
Kapitän der „Peter von Danzig“ Otto Beckmann
Mast- und Schotbruch für die deutschen Segler
„Wir haben uns riesig gefreut, die erste Etappe der „Tallship Atlantic Challenge 2009“ mit großem Erfolg hinter uns gebracht zu haben. Immerhin waren wir das „first boat in“ – das heißt, wir sind als Erste eingelaufen. Insgesamt haben wir für die 900 Seemeilen von Vigo bis Teneriffa fünf Tage, zwei Stunden, 38 Minuten und 13 Sekunden gebraucht“, erzählt Kapitän Otto Beckmann stolz.
Das ist auch das Besondere an der „Peter von Danzig“. An Bord ist eine zwölfköpfige Besatzung, die, mit Ausnahme des Kapitäns und seines Vertreters, aus Studenten besteht. Der Akademische Segler-Verein, ASV, der Christian-Albrechts-Universität Kiel besteht bereits seit mehr als sieben Jahrzehnten und hat derzeit 40 studentische Mitglieder. Dieser Verein legt die Vorstandschaft und Planung der Aktivitäten in die Hände der jungen Studentengeneration. Der derzeitige Präsident ist gerade 23 Jahre jung. Jedes Mitglied verpflichtet sich, ein Leben lang im Verein zu bleiben und einen monatlichen Obolus zu entrichten. „Früher hat man uns in Kiel unter den anderen Wasserport- und Segelvereinen belächelt – heute gelten wir als Vorbild, denn wir sind die Einzigen, die keine Nachwuchssorgen haben. Ich denke, das liegt daran, dass wir es schaffen, die Generationen gut unter einen Hut zu bekommen. Die Regie führt die Jugend, aber wenn außergewöhnliche Aktivitäten anstehen, wie eben die Tallship Atlantic Challenge oder eine andere Regatta, dann werden wir „Alten“ und unsere Erfahrung gebraucht und wir stehen gerne zur Verfügung. Ich habe mich sehr gefreut, als man mich fragte, ob ich als Kapitän diese Regatta fahren würde. Glücklicherweise habe ich eine sehr kluge Frau, die mich immer wieder in meine geliebten See-Abenteuer ziehen lässt“, erzählt der jung wirkende „alte Seebär“.
Studenten zur See – Reifeprüfung der besonderen Art
Die Deutschen fahren auf der „Peter von Danzig“, einem 55 Fuß Seekreuzer, der vor 16 Jahren von den Thyssen Nordseewerken in Emden gebaut wurde. Er ersetzt seinen gleichnamigen Vorgänger, der nach dem Krieg ein Geschenk von Peter von Danzig war und der auch heute noch mit seinem neuen Besitzer kreuz und quer über die Weltmeere segelt. An Bord befinden sich derzeit acht Studenten des Vereins und zwei Gäste, wobei die Crew an allen Zwischenetappen teilweise wechselt. In ihrem Studentenalltag beschäftigen sich die jungen Leute mit Schiffsbau, Medizin, Jura oder BWL, aber auf See weht ihnen ein völlig anderer Wind um die Ohren. „Diese Reise ist nicht nur ein unvergessliches Erlebnis und eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine persönliche Reifezeit. „Es ist nicht so einfach, tage- und sogar wochenlang auf so engem Raum unter spartanischen Umständen zusammenzuleben. Da gibt es persönliche Krisen, Diskussionen oder einfach nur schlicht Seekrankheit. Meine Aufgabe ist es nicht nur, die technischen Daten an Bord zu überwachen, sondern auch für eine harmonische Crew zu sorgen. Wir haben einen strengen Einsatzplan: Jeder arbeitet tagsüber in Sechs-, nachts in Vier-Stunden-Schichten. Man muss sich aufeinander verlassen können, Stress bewältigen und oft genug den eigenen inneren Schweinehund überwinden. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Zeit auf dem Boot für die jungen Menschen eine wichtige soziale Reifephase darstellt. Außerdem müssen die Segler bei solch einer Regatta natürlich Erfahrung mitbringen, denn jeder Handgriff und Knoten muss sitzen. Wenn man sich vorstellt, dass der Wind mit einer Wucht von rund fünf Tonnen an unserem Spinacker zieht, dann kann man sich vorstellen, was passiert, wenn aus Versehen ein Daumen dazwischenrutscht “, erzählt Otto, der auch auf diesem Gebiet Erfahrung besitzt. Er hat den Atlantik bereits fünf Mal überquert und war unter anderem auf der Columbus Millenium bei der neun Monate langen Hong Kong Challenge und der Hawaiian Regatta mit dabei. „Für mich ist der Atlantik die schönste Gegend der Welt, aber man muss immer wieder großen Respekt vor ihm haben. Je mehr man ihn kennt, umso mehr lernt man ihn zu achten. Mehrmals täglich überprüfe ich die Wettervorhersagen, damit wir nicht blindlings in einen Sturm hineinschippern und ich weiß, dass der Atlantik selbst, wenn er ganz ruhig scheint, plötzlich ganz anders werden kann. Er ändert jeden Tag sein Gesicht und fasziniert mich einfach immer wieder“, weiß er zu berichten.
Teneriffa war ein schönes Erlebnis
Als die „Peter von Danzig“ als erstes Schiff den Hafen erreichte, war der Jubel an Bord groß und auch die Konkurrenten zollten den Deutschen für diese Leistung Respekt. „Wir haben ein gutes Verhältnis mit den anderen Teilnehmern. Da existieren eine tolle Kameradschaft und Sportsgeist, obwohl jeder natürlich nicht nur mitsegeln, sondern auch gewinnen möchte. Neben uns liegen die Holländer auf der „Urania“, die haben es besonders unseren Damen angetan, und die Briten kommen uns gerne besuchen, um unser Bier zu trinken“. Den Aufenthalt auf Teneriffa verbrachte die junge Crew mit Ausbesserungsarbeiten und Entdeckungsreisen auf Landgang. „Durch ein Missgeschick ging uns am Freitag der Spibaum kaputt und so war guter Rat teuer. Aber der Mannschaft gelang es, ein passendes Rohr zu finden und zurechtzubasteln. Jetzt können wir am Sonntag getrost lossegeln. Im Hafen wird dann natürlich auch gewaschen – vor allem die Damen freuen sich, wenn sie sich ausgiebig die Haare shampoonieren können, denn Süßwasser ist auf See ein seltenes und kostbares Gut. Normalerweise ist es üblich, dass der Kapitän seiner Crew ein Captain-Dinner kocht, aber ich habe stattdessen zwei Autos gemietet und habe mit meinen Jungseglern Teneriffa erkundet. Wir haben die Insel umrundet, waren auf dem Teide und sind durch die Schluchten des Anaga-Gebirges gefahren. Das hat uns alle sehr beeindruckt. Ach ja, und dann hatten wir noch eine Einladung zum Dinner auf dem Schiff der argentinischen Marine, der „Libertad“, aber als wir dort ankamen, hat man uns nicht an Bord gelassen, weil unsere „Kleiderordnung“ nicht der Norm entsprach. Naja, war auch nicht so schlimm“, schmunzelt Otto bei der Erinnerung an diese seltsame Form der Gastfreundschaft.
Freie Fahrt voraus
Am Sonntagmorgen ist die „Peter von Danzig“ dann pünktlich ausgelaufen, um das nächste Etappenziel in Angriff zu nehmen. Rund 2.600 Seemeilen quer über den Atlantik zu den Bermuda-Inseln liegen vor ihnen. „Ich bin in dieser Gegend schon öfter gesegelt und die Geschichten über das Bermuda-Dreieck halte ich für ein frommes Märchen. Mir ist dort noch nie etwas seltsam vorgekommen. Nur zwei Mal habe ich dort ein Gewitter erlebt, und das war auch für mich atemberaubend. Die Blitze waren grell wie Neonlicht und überall. Selbst wenn unsere Physiker mir immer wieder versichern, dass der Mast auf dem Boot als Abweiskegel fungiert und niemals ein Blitz einschlagen könnte, hatte ich schon ein unangenehmes Gefühl im Bauch“, erzählt Otto aus seinem „Erfahrungs-Schatzkästchen“. Noch mit dem alten Schiff hat er die bevorstehende Route in 24 Tagen geschafft und sein schnellstes Ergebnis war eine Überfahrt in 19 Tagen. Jetzt wollen es die Deutschen mit ihrem „neuen“ sportlichen Wellenflitzer noch schneller schaffen und diese Zeit möglichst unterbieten. Denn dabei sein, ist nicht alles, sondern an Bord schwimmt auch eine gehörige Portion Ehrgeiz mit, die die jungen Abenteurer zu Höchstleistungen antreibt. Vor allem aber ist eines gewiss, und das konnten Kapitän Otto Beckmann und seine Crew vermitteln: Sie haben jede Menge Spaß bei diesem Abenteuer und genießen jede Minute der Regatta. Wir wünschen ihnen viel Wind in den Segeln, außergewöhnlich schöne Momente und natürlich den Sieg.
von Sabine Virgin
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15.03.2010 - 
















