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Samstag, 13.03.2010
Casa de los Balcones – Königreich der Souvenirs
Fernando Schönfeld Lecuona – 100 Prozent Canario
Die Casa de los Balcones in La Orotava rangiert nach dem Loro Parque und dem Teide an dritter Stelle der meist besuchten Attraktionen Teneriffas. Rund 700.000 Besucher statten dem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das heute ein Zentrum für Souvenirs und kanarische Handwerkskunst ist, jährlich einen Besuch ab. Zählt man die Besucher der insgesamt acht Souvenirläden, die das Unternehmen auf den Kanaren unterhält, dazu, werden jährlich etwa zwei Millionen Menschen beraten und bedient.
Seit Jahrzehnten Botschafter der kanarischen Kultur
„Unsere Familie steht zu hundert Prozent hinter den kanarischen Traditionen und dem, was diese Insel zu etwas Besonderem macht. Unser Ziel ist es, diese Kultur und vor allem die Handwerkskunst aufrecht zu erhalten. Hier können die Besucher zum Beispiel einer Spitzenstickerin bei der Arbeit zuschauen und hautnah miterleben, welch aufwändige und geschickte Handarbeit aufgewendet werden muss, bis eine solche Spitzendecke fertig ist. Zugegeben – sie sind nicht billig, aber wer gesehen hat, wie sie entstehen und so etwas zu schätzen weiß, weiß auch, dass der Preis gerechtfertigt ist. Früher einmal wurde diese Kunst von Generation zu Generation, von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Jede Familie hatte eine Besonderheit, die sie von der anderen unterschied und einzigartig machte. Heute ist es leider schwer, junge Frauen für diese Arbeit zu gewinnen“, erzählt der Jungunternehmer, der sich aber lieber als Arbeitgeber bezeichnet. Insgesamt 84 Mitarbeiter werden in der Firma beschäftigt. „Wir sind stolz darauf, den Menschen, die für uns arbeiten, eine Zukunft zu geben. Wir arbeiten nur mit Festangestellten, die so eine Sicherheit für sich und ihre Familien haben und schulen unser Personal regelmäßig. Unsere Verkäufer/innen besitzen fundierte Fachkenntnisse über jedes Produkt, das wir verkaufen – von der Handwerkskunst über Palmenhonig, Mojo (kanarische Soße) und Wein aus der Region bis hin zu Schmuck aus Vulkansteinen wie Obsidian und Olivina oder anderen Souvenirs“, unterstreicht Fernando. Dieses Bemühen um einen echten Service am Kunden wurde erst kürzlich mit einem Zertifikat der AENOR (Associación Española de Normalización y Certificación) ausgezeichnet. Sie wird für Freundlichkeit, Dienstleistung und Fachkenntnis vergeben. In Gästebüchern können sich die Besucher eintragen, um Lob oder Kritik zu hinterlassen und diese Notizen werden in der Geschäftsleitung kontinuierlich überprüft, um sie konstruktiv umzusetzen.
Tourismus braucht neue Ideen
Obwohl die Casa de los Balcones mit dem Traditionellen verhaftet ist, ist die Führung des Unternehmens von der Moderne geprägt. Als eines der ersten Unternehmen führte es die Computervernetzung ein. Wenn ein Kunde beispielsweise eine bestimmte Decke haben möchte, die dort, wo er ist, nicht in der gewünschten Größe vorrätig ist, verrät ein Blick in den Computer, ob eine andere Zweigstelle das Produkt hat. Auf Wunsch wird es dann sogar ins Hotel zugestellt. „Wir erhalten auch E-mails und Anrufe von Kunden, die während ihres Urlaubs bei uns eingekauft haben und nun ein weiteres Teil wünschen oder eine Decke verschenken möchten. Dann verschicken wir das Gewünschte in die ganze Welt“, erklärt der sympathische Chef seinen Rund-um-Service. Gemeinsam mit seiner Schwester kümmert er sich um die Organisation der touristischen Betriebe, aber auch um die der Möbelhäuser Casa Lercaro, die ganz im Stil der Familientradition echte Vollholzmöbel anbieten. Während Maria in Santa Cruz die Kontakte zu den Hotels oder Kreuzfahrtgesellschaften unterhält, die Gäste per Bus nach La Orotava fahren, ist Fernando derjenige, der täglich von Santa Cruz nach La Orotava pendelt und sich vor Ort um alles Nötige kümmert. Dabei beschränkt sich sein Engagement nicht auf die eigene Sache: Er ist zudem Mitbegründer des Touristeninformationsbüros, C.I.T., in La Orotava, trifft sich regelmäßig mit anderen Geschäftsleuten und Vertretern der Stadt, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Er besucht Reisemessen, wie kürzlich die FITUR in Madrid, um seine Souvenirs, aber auch das ganze Orotavatal zu bewerben. „Wir haben hier viel zu bieten, den Loro Parque in Puerto de la Cruz, Wellenreiten und Paragliding in Los Realejos, das historische Ambiente in La Orotava und noch vieles mehr. Aber es gibt noch so viel zu tun. Es muss modernisiert werden, der Sporthafen oder ein richtiger Golfplatz in Puerto de la Cruz wäre gut für die ganze Gegend; ich finde auch, man müsste mehr Wellnessmöglichkeiten und andere Attraktionen schaffen, um ein zeitgemäßes Angebot für unsere Besucher bereit zu halten. Moderne Hotels, Sportmöglichkeiten, Anpassung der Straßen an die Bedürfnisse von Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind oder interessante Projekte, wie zum Beispiel die Seilbahn, die zwischen La Paz und Martiánez in Puerto im Gespräch war. Ich war zum Beispiel letztes Jahr in einem kleinen Städtchen, ähnlich wie La Orotava, in Brasilien. Am Abend füllte sich dort die Innenstadt, weil überall Straßencafés und Live-Musik für Leben sorgten. Das fand ich toll und ich bin sicher, das wäre auch in La Orotava möglich. Es ist schade, dass hier abends nichts mehr los ist, denn die historische Altstadt hat doch nachts ein ganz besonderes Flair, das bestimmt viele Gäste, Einheimische und Urlauber anziehen würde“, erzählt Fernando voller Enthusiasmus. Auch andere Ideen hat er von seinen Reisen mit nach Hause gebracht. Zu dem Metallgestänge mit den vielen Geranien, das vor der Casa de los Turistas steht, hat ihn ein Besuch bei seinem in Deutschland lebenden Bruder inspiriert. Eine weitere Idee hat er von dort mitgebracht. So kostet die Benutzung der Toilette 50 Cent, aber wenn der Gast später einkauft, wird ihm diese „Ausgabe“ vom Preis abgezogen. „Mit diser Strategie ist es möglich, die kostenintensive Reinigung der Toiletten partiell zu finanzieren."
„Ich bin ein Souvenir-Freak“
„Wenn ich in den Ferien bin, bin ich selbst ein Souvenirkäufer“, gesteht er schmunzelnd. „Ich finde es schön, originelle Dinge zu kaufen, die mich später an meine Reise erinnern“. Gleichzeitig bringt Fernando eben auch so manche Idee mit zurück, von der er glaubt, dass man sie im Orotava-Tal umsetzen könnte, um neue Anziehungspunkte zu schaffen. „Der Tourismus im Norden ist anders als der im Süden. Hier sind die Menschen, die es ruhiger wollen, die Natur suchen und an Kulturellem interessiert sind. Der Süden ist schnelllebiger und mehr auf Unterhaltung aus. Viele, die dort Urlaub machen, fahren vielleicht auf den Teide oder in den Loro Parque, aber ansonsten sehen sie vom Norden nicht viel. Manchmal scheint der Teide wie eine Barriere, die nicht überschritten wird. Dabei wissen viele gar nicht, wie viel Schönes es im Norden zu entdecken gibt. Wer kennt zum Beispiel die tollen Strände, die zu Orotava gehören, die Playa Bollullo, Los Patos oder El Halcón? Das ist schade und es müsste noch viel mehr Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden, damit die Gäste animiert werden, mit ihren Mietautos auf ausgedehnte Entdeckungstouren zu gehen“, meint er. Fernando glaubt fest daran, dass Teneriffa auch in Zukunft ein großes Potenzial besitzt und seinen Gästen vieles zu bieten hat. Er setzt auf Innovation und Kreativität, frohen Mut und Optimismus. „Wir alle brauchen Visionen und Ideen, um Neues zu bewegen. Ganz ehrlich: Ich gehe mit meiner Frau sehr gerne auf Reisen, liebe es, die Welt zu entdecken, aber jedes Mal, wenn ich zurückkomme, freue ich mich, auf Teneriffa zu leben. Ich habe noch keinen Platz auf der Welt entdeckt, der so viele Kontraste und Schönheit auf so engem Raum zu bieten hat. Für mich ist hier das Paradies“. Mit diesen Worten verabschiedet sich Fernando. Spätestens jetzt ist klar, dass kanarische Tradition und Kultur nicht nur seine Ware sind, sondern er selbst zu 100 Prozent ein Canario ist, der mit Elan und Phantasie in der Tourismusszene agiert.
| Bildergalerie: Fernando Schönfeld Lecuona – 100 Prozent Canario |
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13.03.2010 - 
















