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Mittwoch, 17.03.2010
Casimiro Curbelo, Inselpräsident von La Gomera
Für seine Insel ist er 24 Stunden am Tag im Einsatz
Casimiro Curbelo ist Vorsitzender des Inselrats von La Gomera, kurz: Inselpräsident. Wer den Kanaren Express regelmäßig liest, wird längst mit seinem Namen vertraut sein, denn eine Berichterstattung über Vorgänge auf der kleinen grünen Nachbarinsel Teneriffas kommt kaum darum herum, Casimiro Curbelo zu erwähnen. Der Inselpräsident steht nicht nur in seiner Funktion als Politiker, sondern auch persönlich hinter vielen Projekten, die auf La Gomera realisiert werden. Ob es sich um Sport, Gesundheitswesen, Erziehung, Landwirtschaft oder Tourismus handelt – er hat überall seine Finger im Spiel und die Gomeros scheinen ihn für seinen unerbitterlichen Einsatz zu lieben.
Bis in die 1980er Jahre war es nicht üblich, dass junge Gomeras die Insel verließen, um an einer Universität zu studieren. Nur wenigen Privilegierten war es möglich, das zu tun. „Es waren meistens nur Mitglieder der so genannten „cacique“- Gruppe, eine Art Oberklasse, die die Macht hatte. Eher selten durften junge Leute aus der Arbeiterschicht studieren – die Eltern mussten hart dafür arbeiten, wenn sie ihre Kinder an die Universität schickten. Und manche nahmen es in Kauf, da ihre Kinder es einmal besser haben sollten als sie selbst.“ Die Eltern mussten schließlich die Kosten für den Transport zur Uni bzw. die Kosten für eine Wohnung am Studienort übernehmen und nicht jeder konnte sich das leisten. Vielen Altersgenossen Curbelos blieb eine höhere Bildung verwehrt – auch wenn sie das Talent und den Wunsch zu studieren gehabt hätten.
Casimiro Curbelo hatte das Glück, dass seine Eltern ihm ein Universitätsstudium ermöglichten. „Ich hatte als Kind davon geträumt, Pilot zu werden, aber schließlich studierte ich Philosophie und Humanistik an der Universität von La Laguna. An der Uni erwachte auch mein Interesse für Politik. Wäre ich nicht Politiker geworden, so würde ich jetzt vermutlich als Lehrer arbeiten. So wie viele andere, die den gleichen Abschluss wie ich haben.
Seine Position als Inselpräsident ist keine Rolle, die er tagsüber bekleidet und abends ablegt. „Ich habe eigentlich keine Freizeit, keine Privatsphäre. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Politiker und dem Privatmann Curbelo: Ich bin einer von hier und ich bemühe mich jeden Tag, den Leuten und ihren Anliegen nahe zu sein und die Lebensqualität der Gomeros und all derer, die hier leben, zu verbessern. Damit bin ich eigentlich 24 Stunden am Tag beschäftigt. Andererseits lasse ich auch keine Gelegenheit aus, eine gute Potaje de Berros (Kressesuppe) oder eine Vieja (einheimischer Fisch) zu genießen. Ich liebe die einheimische Küche. Ebenso wie die einheimische Musik.“
Den Vorsitz des Inselrats hat Casimiro Curbelo 1991 übernommen. Politisch aktiv war er bereits elf Jahre vor seiner Wahl zum Inselpräsidenten. 1982 war er der sozialistische PSOE beigetreten. Ein Jahr später wurde er in der Gemeindepolitik aktiv und ließ sich zum Bürgermeister von San Sebastián wählen. Von da an ging seine Karriere steil bergauf. Bald mischte er im Inselrat La Gomeras mit und nun ist er seit 18 Jahren der Vorsitzende des Inselrats und somit der höchste politische Entscheidungsträger der Insel. Ans Aufhören will der ehrgeizige Politiker noch lange nicht denken. „Ich bin zuversichtlich, dass ich noch viel tun kann, um die Gesellschaft, der ich angehöre, zu verbessern – egal in welcher Funktion. Wie lange ich noch Präsident des Inselrates sein werde, entscheiden meine Parteikollegen und letztendlich die Wähler.“
Zu den wichtigsten Projekten seiner Ära gehört unter anderem der Bau des Flughafens in Alajeró. Das nächste größere Projekt für die nahe Zukunft wird die Errichtung des Krankenhauses in San Sebastián sein. „Ich muss sagen, dass ich wirklich stolz darauf bin, was wir im Inselrat für La Gomera bisher erreicht haben. Wir gehörten zu den Pionieren was kostenlose Schulbücher betrifft. Und am derzeitigen sozialen System der Insel würde ich ehrlich gesagt nichts mehr verändern.“ Dabei gab es während der letzten 25 Jahre große Veränderungen auf La Gomera. „Nicht nur in politischer Hinsicht hat sich La Gomera stark verändert, seitdem Spanien von der Franco-Diktatur zur Demokratie übergegangen ist, sondern auch in vielen anderen öffentlichen Bereichen. Viele, die früher abgewandert sind – auf der Suche nach einem besseren Leben – kommen jetzt wieder zurück.“
Und die Bevölkerung gibt dem Präsidenten recht – die große Mehrheit der Wähler steht voll und ganz hinter ihm und seiner sozialistischen Partei. La Gomera wird schon viel länger sozialistisch regiert als Spanien. Doch jetzt, wo auch die spanische Zentralregierung unter Ministerpräsident Zapatero sozialistisch ist, spürt Curbelo im Gegensatz tatsächlich mehr Rückenwind aus Madrid. „Wir merken den Unterschied deutlich. Nicht nur, weil wir uns zur gleichen politischen Farbe bekennen wie die Mitglieder der spanischen Regierung. Man hört mehr auf unsere Bedürfnisse und Wünsche – das kannten wir von früher nicht, wo wir mehr oder minder von der Zentralregierung ignoriert wurden. Zapatero hat sofort, nachdem er zum Präsidenten gewählt worden war, die eingefrorenen Zahlungen für die Erneuerung unserer Straßen wieder aufgenommen und uns in vielen anderen wichtigen Projekten unterstützt.“ Curbelo betont, dass für ihn dennoch immer die Inselinteressen im Vordergrund stehen, noch vor den Interessen der sozialistischen Partei. „Ich habe mich immer für die Insel eingesetzt, egal welche Partei an der Macht war. Aber es tut auf jeden Fall gut, jetzt auch von der Zentralregierung in Madrid mehr Beachtung zu bekommen.“ Auf die derzeitige, nationalistische Regionalregierung der Kanaren ist der Inselpräsident hingegen weniger gut zu sprechen. „Eigentlich sollten wir hier auf noch mehr Entgegenkommen stoßen als in Madrid. Aber genau das Gegenteil ist der Fall“.
Zu einem Politikum war im vergangenen Jahr die Einstellung des Garajonay Exprés Fährbetriebs geworden. „Darüber ist viel geschrieben worden“, seufzt Curbelo. „Alles begann vor über einem Jahr. Die Fährgesellschaft gab im November bekannt, dass sie finanzielle Probleme hatte und die Inselbehörden setzten alles daran, den Fährbetrieb des Garajonay Exprés aufrecht zu erhalten. Wir gewannen der kanarischen Regierung das Versprechen ab, den Betrieb durch Förderungen zu unterstützen und so den Erhalt einer wichtigen öffentlichen Verkehrsverbindung zu garantieren. Nach Monaten gab es noch immer keine Hilfe, also kürzte die Fährgesellschaft ihre Fahrten und musste sie schließlich ganz einstellen.“
Mangelnde Verkehrsverbindungen sind für die Bewohner La Gomeras ein Problem. Die Insel zu verlassen, ist eine kostspielige Angelegenheit. Selbst wenn man nur von San Sebastián aus ins nahe gelegene Los Cristianos will und dabei sein Auto mit nimmt, um sich auf der Nachbarinsel auch fortbewegen zu können, zahlt man für zwei Personen mindestens 100 Euro. Gibt es kein spezielles Angebot, kann die Überfahrt durchaus noch teurer werden. „Ich habe mich immer dafür ausgesprochen, dass die Preisgestaltung den Haushaltsbudgets der Gomeros angepasst wird. Die dafür zuständigen Behörden sollten das durchsetzen“, so Curbelo. „Das Cabildo hat darauf keinen Einfluss. Wir können nur versuchen, die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu verbessern. Alle wichtigen Bildungs- und Ausbildungszentren befinden sich auf den größeren Inseln, deshalb sollte es Förderungsprogramme geben für alle, die reisen müssen, um an ihren Studien- oder Ausbildungsplatz zu kommen. Wir brauchen gut ausgebildete Leute, um künftige Herausforderungen meistern zu können.“
Dabei haben die Gomeros nicht nur mit schlechten und teuren Fährverbindungen zu kämpfen; auch Kürzungen im Flugverkehr machen vielen zu schaffen. So hat erst kürzlich die lokale Fluglinie Binter Canarias angekündigt, nicht rentable Flüge auf La Gomera ersatzlos zu streichen. Curbelo ist zuversichtlich, dass Binter umgestimmt werden kann: „Wir haben ausgehandelt, dass alle Verbindungen bis Dezember 2008 bestehen blieben und wir werden auch weiter verhandeln, um die Verbindungen in diesem Jahr aufrecht zu erhalten.“
Die „Europäische Charta für einen Nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten“ sieht vor, dass Urlaubsdestinationen vor allem mit ihren natürlichen und kulturellen Besonderheiten werben. La Gomera zeichnet sich dabei nicht nur durch die einzigartige Pflanzenwelt im Naturschutzpark „Garajonay“ aus. Casimiro Curbelo kennt seine Insel so gut wie seine eigene Westentasche und weiß daher genau, wodurch sich die kleine grüne Insel von der Konkurrenz unterscheidet. „La Gomera besticht durch seinen Reichtum an Naturschätzen. Die Natur, die Landschaft, aber auch die ruhige, friedliche Atmosphäre auf der Insel sowie die einheimischen Traditionen und Bräuche sind einzigartig. Deshalb hat der Inselrat die nachhaltige Nutzung der Flächen immer befürwortet. Wir setzen auf ländlichen Qualitätstourismus, der uns garantiert, dass unsere wertvollen Ressourcen erhalten bleiben.“
Doch wie erklärt man einem einheimischen Bauern, dass die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung seines Bodens „besser“ ist, als schnelles Geld mit dem Bau und der Vermietung von Ferienapartments zu machen? „Das Cabildo unterstützt die Landwirte. Wir versuchen, auch wieder mehr junge Menschen für die Landwirtschaft zu begeistern. Dabei sind wir hier durchaus offen für neue Technologien, die die Bewirtschaftung des Bodens erleichtern. Andererseits treffen wir Maßnahmen, um eine Ausuferung des Tourismus zu verhindern. Wir wollen verhindern, dass es hier zu einem Bauwahn kommt, von dem so manche andere Urlaubsdestination betroffen ist. Und das ist ganz bestimmt der richtige Weg.“
Da auf La Gomera sehr viele unterschiedliche Nationalitäten anzutreffen sind, wollten wir vom Präsidenten des Cabildo wissen, wie er und sein Kabinett zum Thema ausländische Inselbewohner stehen. „Ich weiß nicht genau, wie viele Ausländer auf La Gomera leben, aber der Inselrat macht keinen Unterschied zwischen einheimischen und zugewanderten Bürgern. Wir behandeln alle gleich und garantieren jedem den vollständigen Zugang zu all unseren Serviceleistungen und Angeboten.“
von Barbara Belt/Margot Aigner
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