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Freitag, 21.11.2008
Ein Unternehmer mit innovativem Abenteurergeist
Wenn aus Licht Kunst wird
Der spanische Unternehmer Victoriano Martínez Castaño ist ein vor Elan sprühender Mann, der von sich selbst behauptet: „Wäre ich zu einer anderen Zeit geboren, wäre ich bestimmt ein Abenteurer geworden“. Dieser Geist, der sich ständig auf die Suche nach neuen Ideen macht, hat sich aber auch in der jetzigen Zeit bewährt. Er ist ein Mann mit Visionen und der Fähigkeit, diese auch in die Tat umzusetzen.
Schon als 14-Jähriger arbeitete er im Elektroladen seines Vaters, ließ sich freiwillig früher zum Militär einberufen und schon mit 21 Jahren startete er in die Selbständigkeit. Aus einem Anfangskapital von 1.000 Euro, das ihm sein Vater lieh, schuf er ein - im wahrsten Sinn des Wortes - leuchtendes Imperium.
„Gerade jetzt, wo Spanien in einer Wirtschaftskrise steckt, brauchen mich meine Angestellten. In Zeiten, in denen viel zu tun ist, haben sie für mich gearbeitet, Überstunden gemacht und sich persönlich engagiert. Diese Leute lasse ich jetzt nicht im Stich. Gerade jetzt muss ich dafür sorgen, dass sie Geld zum Leben und einen Arbeitsplatz haben. Von Entlassungen halte ich nichts. Diese Menschen sind Teil meines Erfolges und können auf mich zählen. Das gehört für mich zur Verantwortung eines Firmenchefs“.
Victoriano verfügt über die seltene Kombination aus künstlerischer Ader, unternehmerischer Intuition, Ideenreichtum und Realitätssinn. Seine Lampenkreationen weichen von landläufiger Massenware definitiv ab, stattdessen wirken sie wie ein Kunstwerk, das jedes Zuhause in warmes Licht rückt und Ambiente zaubert. Dabei deckt er alle Geschmacksrichtungen ab, von modernem Design über romantische Blumenleuchten oder arabische Lampen bis hin zu rustikalem Flair, innovativen Decken- oder integrierten Leuchten sowie riesigen Lüstern für Empfangshallen und sogar ausgefallenen Phantasielampen für fröhliche Kinderherzen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Surfer oder dem Weltall als Lampe fürs Kinderreich? Fast alle Lampen sind seiner eigenen Kreativität entsprungen. Individuelles Design machen sie zu originellen Glanzpunkten, die Atmosphäre verbreiten.
Lampen schaffen Atmosphäre
Sein besonderes Steckenpferd sind Tiffany-Lampen. „Als Thomas Edison die Glühbirne erfand, traf er zufällig auf Louis Confort Tiffany, einen Glaskünstler, der daraufhin die Idee hatte, sein Glas durch die neue Glühbirne leuchten zu lassen. Die Inspiration erhielt er übrigens durch die Glasornamente in deutschen Kathedralen, die ihn auf einer Deutschlandreise faszinierten. Die Tiffanylampe war geboren und hat bis heute nicht an Attraktivität verloren.
„In den nächsten Monaten werde ich Möbelstücke auf den Markt bringen, die Tiffanyelemente enthalten: Zum Beispiel Spiegel, Beistelltischchen, Standuhren und Schränkchen. Die meisten sind im Rokoko-Stil, mit vielen Verzierungen, weil ich finde, dass die verspielten Schnörkel am Besten zu den Tiffany-Lampen passen. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass manche Kunden zum Beispiel Decken-, Tisch- und Stehlampen in der gleichen Farbe und Design kaufen. Ich finde Tiffany-Lampen sind ein Kunstwerk und ergänzen sich am besten, wenn man verschiedene Motive zu einer Harmonie vereint. Es würde doch auch niemandem einfallen, mehrere Bilder mit der gleichen Landschaft mehrmals in einen Raum zu hängen“.
„Was ich nicht verstehe ist, dass manche Kunden Decken-, Tisch- und Stehlampen in der gleichen Farbe und Design kaufen“
Ebenfalls im kommenden Winterhalbjahr wird er den weltweit größten Katalog mit Tiffany-Lampen auflegen. Für das La Tropicana in Adeje hat Victoriano die größte Tiffanylampe weltweit mit einem Durchmesser von 35 Metern kreiert. Sie wurde sogar für das Guinessbuch der Rekorde vorgeschlagen. Ob sie letztlich eingetragen wurde, hat er nicht weiter verfolgt.
Trotz seines Erfolges ist Victoriano ein bescheidener Mann geblieben, der einfach Freude an neuen Ideen und Herausforderungen hat. „Manchmal habe ich schon während des Autofahrens unter einer Laterne angehalten, weil mir eine Idee in den Kopf gekommen ist, die ich unbedingt aufzeichnen musste, um sicher zu gehen, dass ich sie nicht vergesse. Oder ich stehe mitten in der Nacht auf und bringe schnell einen Entwurf zu Papier. Irgendwie habe ich die Fähigkeit, meine Umgebung so wahrzunehmen, dass sie mir ständig neue Ideen liefert“, erzählt der künstlerische Geschäftsmann aus Alicante, für den das Leben voller Inspirationen ist.
Künstler mit Geschäftssinn – eine seltene Kombination
Er ist fest davon überzeugt, dass ihm das Schicksal die künstlerische Ader und den Geschäftssinn in die Wiege gelegt hat. „Ich glaube, dass man zum Unternehmer geboren wird – man kann das nicht lernen“. Und manchmal braucht man auch ein Quäntchen Glück. Einmal saß er an Bord einer Maschine, die unerwartet zwischenlandete, weil sie, wie die Passagiere erst nach der glücklichen Landung erfuhren, eine Bombe an Bord hatte. Ein anderes Mal kam er zufällig zu einem Autounfall, ein Mann, der verletzt hinter dem Steuer seines Wagens eingeklemmt war, bat ihn, ein paar Anrufe für ihn zu tätigen, sodass er in eine Klinik seines Vertrauens eingeliefert wurde. Später stellte sich heraus, dass er zum Ministerrat des Königs Faisal aus Kuwait gehörte. Zum Dank öffnete er ihm die Türen zu arabischen Königshäusern. So schuf er einen gigantischen Kristallleuchter für den Palast des Bruders des Königs der Arabischen Emirate. Er ist so groß, weil er begehbar sein musste, damit man ihn putzen kann. Nach der Kuwaitkrise erschloss sich der spanische Unternehmer zusätzlich neue Länder und Kontinente. Heute unterhält er enge Beziehungen zu Europa, Asien, Nord- und Südamerika. Derzeit plant er, nach Brasilien zu expandieren, wo er einen Aufschwung sieht.
Ein Freigeist, der neue Wege geht
Nicht nur seine Produktpalette, sondern auch seine unternehmerischen Entscheidungen zeugen sowohl von effizientem Kalkül als auch von einer tief verwurzelten Menschlichkeit. „In meiner Expansionsphase beschäftigte ich einen Außendienst. Dabei ärgerte es mich, dass die Mitarbeiter am Montag fast den ganzen Tag auf der Straße verbrachten, um ihr Zielgebiet irgendwo in Spanien zu erreichen und freitags stand die ganze Prozedur zurück an. Zwei Arbeitstage, die für mich nutzlos waren. Deshalb beschloss ich, Wohnmobile anzuschaffen und suchte per Zeitungsannonce kinderlose Paare Mann/Frau, Mann/Mann oder Frau/Frau. Dieses direkte Ansprechen homosexueller Paare war damals so spektakulär, dass mich spanische TV-,
„Manchmal habe ich schon während des Autofahrens unter einer Laterne angehalten, weil mir eine Idee in den Kopf gekommen ist, die ich unbedingt aufzeichnen musste, um sicher zu gehen, dass ich sie nicht vergesse.“
Radio- und Zeitungsreporter in Japan auf einer Geschäftsreise aufspürten, um mit mir über diese Idee zu sprechen. Man unterstellte mir sogar, selbst schwul zu sein“, erzählt er schmunzelnd. „Ich fand es einfach nur praktisch, die Leute waren motiviert, frei von Verpflichtungen, kinderlos – einfach ideal! Und das Privatleben meiner Mitarbeiter ist ihre Sache“. Letztlich waren es dann aber doch vor allem gemischtgeschlechtliche Pärchen, die diese ungewöhnliche Vertriebsschiene aufbauten. Victoriano behauptet, dass dies eine seiner besten Ideen war, die zu seinem enormen Erfolg beitrugen. Die Mitarbeiter arbeiteten an fünf Tagen pro Woche, trieben sich nach Feierabend nicht in Kneipen herum, denn sie hatten ihre Partnerin ja dabei und entwickelten einen dynamischen Ehrgeiz im Wettstreit miteinander. Dabei sorgte der fast väterliche Chef für den Einbau großer Schränke und Spiegel, um der weiblichen oder männlichen Eitelkeit gerecht zu werden und stellte ihnen einen Smart zur Verfügung, der das Paar vor Ort mobil machte. Ein anderes Mal erregte er die Aufmerksamkeit der Presse, als der passionierte Nichtraucher seine rauchenden Mitarbeiter aufforderte, diese schädliche Angewohnheit aufzugeben. Als Anreiz versprach er jedem, der ein Jahr lang nicht rauchte, einen zweiwöchigen Urlaub auf Teneriffa mit allen Nebenkosten zu bezahlen. „Daraufhin erhoben meine nicht-rauchenden Angestellten Einspruch, denn sie hielten das für unfair. Damit hatten sie ja eigentlich Recht. Also legte ich noch einen drauf und loste für jeden, der erfolgreich das Rauchen aufgab, einen Mitarbeiter unter den Nichtrauchern aus, der ebenfalls in einen bezahlten Urlaub nach Teneriffa flog“. Dank dieser Initiative wurden immerhin vier Mitarbeiter, unterstützt von ihren Kollegen, zu Nichtrauchern.
Diese Anekdoten belegen, dass Victoriano weit mehr ist als ein Chef, der nur seinen eigenen Gewinn im Auge hat. Er betrachtet sich vielmehr als Kopf, der dafür sorgen muss, dass es seinen Mitarbeitern gut geht. Die Formel, dass zufriedene Angestellte entscheidend zum Erfolg eines Betriebes beitragen, musste er nicht lernen, sondern ist einfach ein Teil seiner sympathischen Persönlichkeit. Auf Teneriffa hat er vor knapp anderthalb Jahren die Lampenfabrik Luz Garden in Buen Paso, zwischen Puerto de la Cruz und Icod de los Vinos eröffnet. Auch seine internationale Bürozentrale ist in La Guancha etabliert. Man muss also nicht in die Ferne schweifen, um seinem Zuhause mit ausgefallenen Designerlampen - übrigens zu günstigen Fabrikpreisen - ein besonderes „Glanzlicht“ zu verleihen. Der sympathische Geschäftsleiter Giovanni berät die Kunden auf Spanisch, Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienisch. Auch in Deutschland selbst unterhält Victoriano enge Geschäftsbeziehungen zu Großhändlern. Er schätzt die Einstellung der Deutschen, die Freude daran haben, ihre eigenen vier Wände individuell und mit persönlicher Note zu gestalten.
Zum Abschluss erzählt er noch eine Anekdote, die er in Deutschland erlebte. „Ich war damals noch ziemlich jung und geriet in eine Karnevalsfeier. Da wunderte ich mich, dass plötzlich die Frauen Männer zum Tanzen aufforderten. Ich wusste ja nicht, dass das beim deutschen Karneval üblich ist. Eigentlich bin ich ein leidenschaftlicher Tänzer, aber da nutzte ich einmal die Gelegenheit, mich für die Körbe, die ich von der Damenwelt eingefangen hatte, zu revanchieren und lehnte jedesmal ab“, erzählt er, und dabei blitzt ihm doch glatt der Schalk aus den Augen.
Von Sabine Virgin
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