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Freitag, 21.11.2008
Sohn eines chilenischen Minenarbeiters macht Karriere als Hoteldirektor
Das Hotel Jardín Tecina liegt oberhalb der Playa de Santiago auf La Gomera. Eingebettet in die malerische Landschaft dieser Gegend gleicht die Anlage, die insgesamt eine Fläche von etwa 70.000 m² einnimmt, eher einem kanarischen Dorf als einem Hotel.
In diesem Jahr feiert das Jardín Tecina sein 21-jähriges Bestehen. Reinhold Eduardo Paulsen Rivas feiert gleichzeitig sein erstes Jahr als Direktor des Hotels. Er übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe der Geschäftsführung im Dezember 2007. Vorher hatte er sieben Jahre lang das Hotel Hacienda San Jorge in Los Cancajos auf La Palma geleitet.
„Ich wurde in einer Kupfermine auf 2.800 Meter Höhe geboren”
Eduardos Familie lebt auf La Palma, obwohl er jetzt auf La Gomera arbeitet. „Das ist mein Arbeitsplatz, mein Zuhause ist auf La Palma.“ Seine Familie sieht er zumindest alle zwei Wochen. Die Fährenfahrt mit Fred Olsen ist nicht nur für ihn kostenlos, sondern auch für seine Frau und die Kinder. So ist es für die Familie einfacher, ihn zwischendurch auf der Nachbarinsel zu besuchen.
Eduardo ist seit 30 Jahren im Hotelgewerbe – seine Karriere begann 1978. „Ich komme eigentlich aus Südamerika, genauer aus Santiago de Chile. Ich kam nach Teneriffa, als ich 21 war, um mich hier weiterzubilden. Ich hatte schon in Chile eine Ausbildung im Tourismus begonnen. Hier in Spanien habe ich zunächst zu arbeiten angefangen, dann aber festgestellt, dass es mir an Fremdsprachenkenntnissen mangelte. Deshalb ging ich für ein paar Monate in die Schweiz, um Deutsch und ein bisschen Französisch zu lernen. Das war 1979. Dann kam ich wieder zurück nach Teneriffa. Ich würde behaupten, da sind auch meine eigentlichen Wurzeln. Hier ist meine Familie. Ich begann wieder zu arbeiten und studierte gleichzeitig in Santa Cruz.“ 1985 nahm er eine Stelle an einer Hotelrezeption an und arbeitete sich bis zum Rezeptionschef hoch, bis er sich dazu entschloss, einmal etwas ganz anderes zu machen. Er hatte immer viel und gern Tennis gespielt und nahm deshalb einen Job als Tennis Coach im Hotel Las Palmeras an.
„Ich wollte mich in Chile mit zwei Freunden selbständig machen. Wir wollten deutsche Einkaufswägen verkaufen – die waren um Welten besser als die, die es damals in Südamerika gab“
Schließlich vermisste er seine alte Arbeit aber doch und beschloss, wieder im Hotelsektor zu arbeiten. Von da an war er Hotelmanager im Süden Teneriffas, bis es ihn wieder in seine Heimat Chile zurückzog. „Ich wollte mich mit zwei Freunden selbständig machen. Wir wollten deutsche Einkaufswägen verkaufen – die waren um Welten besser als die, die es damals in Südamerika gab. Es war nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Also ging ich in den Tourismus zurück und arbeitete für internationale Hotelketten wie Hampton Inn und Hilton. Ich hatte zweimal die Gelegenheit, mir den Hotelbetrieb in den USA anzusehen und zu lernen, wie man dort Hotels führt. Ich kam nach New Orleans, Boston, Memphis und Indiana.“
„Seit ich vier bin, habe ich amerikanisches Englisch gelernt. Statt Spanisch habe ich Englisch sprechen und schreiben gelernt. Mein Vater hat in einer Kupfermine in Chile gearbeitet. Ich wurde sogar in dieser Kupfermine geboren, auf 2.800 Meter Höhe. Können Sie sich vorstellen, was das für ein Leben war? Ganz einzigartig und besonders.“ Vor acht Jahren kehrte Eduardo erst auf die Kanaren zurück. Zunächst nach Teneriffa, bis man ihm kurz darauf anbot, die Geschäftsführung des Hotels Hacienda San Jorge in Los Cancajos auf La Palma zu übernehmen. Seit einigen Monaten ist er nun auf La Gomera, wo er sich sehr wohl zu fühlen scheint. „Es macht Spaß, in diesem Hotel zu arbeiten, das Arbeitsumfeld ist sehr gut. Und wenn das Arbeiten hier schon Spaß macht, dann müssen sich die, die hier Urlaub machen, erst recht wohl fühlen. Alles hier – das angenehme Klima, die schönen Gärten, die Ruhe, der Blick auf das Meer – macht die Arbeit zu einem Vergnügen. Ich sage das auch unseren Gästen, wie glücklich sie sich schätzen dürfen, in ein derartiges Paradies zu kommen. Gleichzeitig bedanke ich mich bei ihnen dafür, dass sie die Strapazen der Reise auf sich genommen haben, um hierher zu kommen. Manche sind einen ganzen Tag unterwegs, bis sie auf La Gomera ankommen – vor allem Gäste aus Deutschland, Großbritannien oder Skandinavien haben eine weiten und oft mühsamen Anreiseweg – zuerst in den Flieger, dann in den Bus oder ins Taxi, aufs Schiff und wieder in den Bus.“
„Meine eigentlichen Wurzeln sind auf Teneriffa“
34 Prozent aller Gäste sind so genannte Wiederkehrer, also solche, die nicht nur einmal, sondern auch ein zweites, drittes, viertes oder vielleicht 20 oder 30stes Mal ihren Urlaub im Jardín Tecina verbringen. „Vor allem Deutsche und Engländer kommen immer wieder.“ Für das Hotel ist es sehr wichtig, von zufriedenen Gästen weiter empfohlen zu werden. Wie überall sind Empfehlungen ein wichtiger Werbefaktor. „Wir haben gut qualifiziertes Personal, ein Großteil der Angestellten wurde auf La Gomera akquiriert, vor allem aus Playa de Santiago. Manche arbeiten seit zehn, 15 oder gar 20 Jahren hier und es gibt ganze Familien, die im Unternehmen arbeiten. Wir haben auch Personal von anderen Kanarischen Inseln, vom spanischen Festland, Südamerika und anderen Ländern wie Kanada, Italien und einigen osteuropäischen Staaten. Also wir sind hier ziemlich multi-kulti.“
Obwohl Eduardo sich in seiner Position als neuer Direktor des Hotels Jardín Tecina sehr wohl fühlt, weiß er, dass eine Menge Arbeit auf ihn zukommt. „Wir werden uns weiterhin sehr anstrengen müssen, um den Gästen das Beste zu bieten. Das Wichtigste ist guter Service und Freundlichkeit. Auch Hilfsbereitschaft ist angesagt und wir müssen den Gästen dabei helfen, diverse Probleme zu lösen. Und nicht zuletzt sollen sie sich hier wie zuhause fühlen und dazu muss jeder Mitarbeiter im Hotel beitragen. Eine weitere Herausforderung ist es, die gute Qualität unserer Leistungen aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Kosten zu senken. Das ist nicht einfach. Aber wir werden es schaffen. Die schlechte Wirtschaftslage berührt alle, aber in ein paar Jahren wird hoffentlich wieder alles besser sein.“
Neben Deutschen und Briten machen auch viele Skandinavier und Spanier Urlaub auf La Gomera. Das Fred-Olsen-Hotel arbeitet außerdem mit isländischen Reiseveranstaltern zusammen. La Gomera wird vor allem von jenen Gästen bevorzugt, die die Ruhe und die Natur der Insel schätzen. „Auch die deutsche Kanzlerin, die vor ein paar Monaten bei uns war, hat sich hier sehr wohl gefühlt. Es ist sicher hier und sie musste sich nicht vor der Presse verstecken. Sie konnte hier ein Mensch sein und musste nicht Politikerin spielen.“ Im Vergleich zu den größeren Kanareninseln ist das kleine La Gomera in Hinsicht auf die Fluganbindungen benachteiligt. „Es würde uns bestimmt helfen, wenn es auch Direktflüge vom Festland und von anderen Ländern hierher gäbe. Was unserem Hotel wiederum sehr hilft, ist der Golfplatz. Viele Leute kommen für einen Tagesausflug her, um eine Runde Golf zu spielen. Jedenfalls unterscheiden wir uns durch den angrenzenden Golfplatz von vielen anderen Urlaubsdestinationen auf den Kanaren. Ganze Gruppen kommen zum Golfspielen und es gibt gute Wettbewerbe.“
Um sich von anderen zu unterscheiden, bietet das Hotel Jardín Tecina seinen Gästen neben dem 71 par Golfplatz auch so manches andere Extra. So werden regelmäßig Kultur-events veranstaltet und einmal pro Woche kann man an einer geführten, botanischen Tour durch die riesige Gartenanlage des Hotels teilnehmen. Mehr als 300 Pflanzenarten aus aller Welt gibt es dabei zu bewundern. An die Anlage grenzt eine Bananenplantage – auch über die Geschichte und die heutige Bedeutung des Bananenanbaus auf den Kanaren erfahren Interessierte mehr.
Abschließend hebt Eduardo nicht nur die Vorzüge des ihm unterstellten Hotels hervor, sondern auch die der Insel. „Zögern Sie nicht länger, sich La Gomera anzusehen, Sie werden es nicht bereuen!“
Von Theresa Willson/Margot Aigner
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