Das Theater hat mein Leben verändert
Ladislao Díaz Márquez ist für die Komplettrenovierung des Teatro Leal im Zentrum La Lagunas verantwortlich. Die Arbeiten sind so gut wie abgeschlossen und am 18. September wird das Theater offiziell wiedereröffnet.
Als der ambitionierte Architekt den Auftrag vor etwa fünf Jahren übernahm, war es für ihn mehr als nur ein Projekt – als leidenschaftlicher „Lagunero“ sah er es als eine Art Lebensaufgabe, das beinahe in Vergessenheit geratene Theater wiederzubeleben und in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
„Das Theater wurde vor etwa 25 Jahren aufgrund von Baufälligkeit geschlossen – jüngeren Generationen ist es daher kaum mehr ein Begriff. Aber alle Laguneros, die etwas älter sind, erinnern sich an das Theater. Früher war es ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Stadt.
„Das Theater wird für alle offen sein – auch wenn man nur einen Kaffee in der Cafetería trinken möchte“
Antonio Leal Martín hatte das Theater Anfang des letzten Jahrhunderts ausschließlich mit privaten Mitteln errichten lassen, daher auch der Name Teatro Leal. „1912 begannen die Bauarbeiten, 1915 wurde das Gebäude fertiggestellt. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, konnte kein Zement mehr mit Schiffen hierher gebracht werden. Anstatt mit Beton musste man nun mit Ziegeln und Steinen den Theaterbau fertigstellen, weshalb etwa 90 Prozent der Bausubstanz aus Ziegeln und Steinen bestehen. Die gesamte Konstruktion weist eine enorme Stabilität auf, was uns erlaubte, das Gebäude um neue Elemente zu erweitern, ohne die ursprüngliche Bausubstanz verändern zu müssen.“
Das Theater als kultureller Treffpunkt
Die Kosten für die Restaurierung des Teatro Leal belaufen sich schätzungsweise auf 7,5 Millionen Euro, was laut Ladislao Díaz nicht viel ist für ein Gebäude dieser Dimension. „Man muss bedenken, dass alleine die technische Ausstattung und die Möbel etwa eine Million Euro gekostet haben.“ Bevor der Architekt seine Pläne umsetzen konnte, musste das Projekt vom Ministerium für Kultur in Madrid, von der Regierung von Teneriffa und der Stadt La Laguna abgesegnet werden.
Alte Elemente, alte Gemälde wurden sorgfältig restauriert, die Fassade und auch die Innenmauern sind in einer strahlenden Cremefarbe gehalten, wobei der Architekt besonders darauf geachtet hat, dass nichts – vor allem nicht die goldenen Elemente des Gebäudes – zu pompös und aufdringlich wirkt. „In der farblichen Gestaltung einiger Dekorationselemente der Fassade haben mich vor allem die goldenen Statuen der Herrenhäuser Gärten in Hannover inspiriert.“ Von außen strahlt das Teatro Leal bereits in neuem Glanz und dem Inneren des Theaters, das von seiner Bauart her ein typisch „italienisches Theater“ ist, fehlt nur mehr der letzte Schliff. „Die Gemälde an den Wänden, die sich in einem ziemlich üblen Zustand befanden, wurden von Künstlern aus Valencia restauriert. Jetzt erstrahlen sie wieder in kräftigen Farben. Die Möbel sind neu und wurden in Frankreich gefertigt.“ In das historische Gebäude hat der Architekt eine Menge neuer Elemente integriert, wobei laut Díaz die Kunst darin bestand, ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Alt und Neu zu finden. „Das war sowohl eine ästhetische als auch eine technische Herausforderung – am Ende muss alles zusammenpassen, wobei man weder aus künstlerischer noch aus bautechnischer Sicht Kompromisse eingehen darf.“
„Das Teatro Leal hat ein kleines bisschen etwas von Graz in sich“
Künftig wird das modernisierte Theater nicht mehr für Bälle oder für Kinovorstellungen genutzt werden, da die Sicherheitsvorschriften dafür mittlerweile zu streng sind. Dennoch will man es nicht weniger vielfältig nutzen. „Es soll wieder zum kulturellen Treffpunkt werden, auch Konzerte sollen hier stattfinden“, schwärmt Ladislao Díaz, „es gibt einen neuen Proberaum, der auch für Seminare oder kleine Kongresse genutzt werden kann.“ Dieser Proberaum war für den Architekten eine der größten Herausforderungen, da er dafür eine komplizierte Kuppelkonstruktion entwarf. „Das Theater wird für alle offen sein – und auch wenn man nur einen Kaffee in der Cafetería trinken möchte, dann kann man das tun.“ Von der Kuppel aus hat man einen herrlichen Ausblick über La Laguna.
Die Ausführung seiner Plä-ne und Ideen war für Ladislao Díaz nicht immer leicht – oft musste er bürokratische Hürden überwinden oder sich mit der persönlichen Eitelkeit von Politikern auseinandersetzen. Doch trotz aller Steine, die ihm in den Weg gelegt wurden, gab Díaz nicht auf. Mit großem Einsatz und einer unerschütterlichen Begeisterungsfähigkeit hat er nicht nur seine Aufgabe als Architekt erfüllt, sondern auch einen persönlichen Traum verwirklicht. „Ich habe das Projekt lieb gewonnen, es hat – in professioneller Hinsicht – mein Leben verändert. Es war für mich auch ein guter Zeitpunkt, eine derartige Aufgabe zu übernehmen. Vor 20 Jahren hätte mir noch die dazu nötige Erfahrung gefehlt. Aber jetzt arbeite ich seit 30 Jahren als Architekt und der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können, mich dieser schwierigen aber gleichzeitig sehr aufregenden Herausforderung zu stellen. So eine Chance bietet sich einem nur selten im Leben – denn wie oft werden schon historische Gebäude dieser Dimension von Grund auf saniert? Ich konnte mich und meine Ideen am Teatro Leal verwirklichen. Die Arbeiten am Theater haben mich geprägt.“
Traumberuf „Arzt“
Ladislao Díaz Márquez wurde in La Laguna geboren und ist – bis auf eine vierjährige Unterbrechung, wo er mit seinen Eltern in Venezuela lebte – hier aufgewachsen. Eigentlich hatte er immer davon geträumt, Arzt zu werden. Ein befreundeter Arzt seiner Eltern schlug ihm vor, doch lieber Architektur zu studieren, da er sowohl Talent zum Zeichnen hätte als auch in Mathematik sehr gut wäre. Der junge Ladislao war sofort von der Idee begeistert. Im gleichen Jahr wurden an der Universität von La Laguna erstmals Kurse zum Architekturstudium angeboten. Er setzte sein Studium in Barcelona fort und sammelte nach dessen Abschluss dort auch erste praktische Erfahrungen, bevor er einige Jahre später nach La Laguna zurückkehrte, wo er sein eigenes Architekturbüro gründete. Neben vielen privaten und industriellen Projekten plante er unter anderem das öffentliche Parkhaus „Zona Centro“ im Zentrum von La Laguna. Die Restaurierung des Teatro Leal stellt dabei den vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere dar. Drei seiner vier erwachsenen Kinder sind in seine Fußstapfen getreten. Zwei seiner Töchter sind Bauingenieure, eine dritte Tochter studiert Architektur. „Nur mein Sohn war schlau genug, die Finger vom Architekturwesen zu lassen“, schmunzelt er.
Architektonische Ideen holt sich Ladislao Díaz gerne auf Reisen. „Meine Freundin ist Österreicherin und die Architektur in Österreich ist einmalig. Ein Gebäude in Graz hat mich besonders inspiriert – das Kunsthaus: moderne Architektur, die perfekt in dieses alte Gebäude integriert ist. Dieses Konzept spiegelt sich im neuen Teatro Leal wider. Es gibt zwei neue Stockwerke - moderne Architektur, die wir auf ähnliche Weise in den historischen Bau des Theaters integriert haben. Also wenn man so will, hat das Teatro Leal ein kleines bisschen etwas von Graz in sich“, scherzt Ladislao Díaz. Angetan haben es dem Lagunero jedoch vor allem die Wiener Weinheurigen … „Für einen Canario ist so ein gemütlicher Heuriger genau das Richtige.“
In Bezug auf die Qualität von Bauprojekten auf der Insel zeigt sich Ladislao Díaz erleichtert: „Seit es den neuen Código Técnico gibt, wird die Einhaltung von Qualitätsstandards streng kontrolliert, was zu wichtigen Verbesserungen geführt hat. Somit hat der Käufer einer Immobilie wenigstens das Recht auf gute Qualität und kann diese auch rechtlich einfordern. Früher wurde weder Wert auf Schall-, Lärm- oder Wärmeschutz gelegt. Das hat sich Gott sei Dank geändert.“ Auch in Bezug auf die Konstruktionen in La Laguna habe es viele Veränderungen zum Positiven gegeben. Während die Stadt seit den 70er Jahren etwas von ihrem ursprünglichen Charme verloren hätte - da man ein Hochhaus nach dem anderen errichtet habe, was absolut nicht ins Bild der historischen Stadt passte - lege man in den letzten Jahren wieder mehr Wert darauf, das „alte“ La Laguna samt seinem unverwechselbaren Charme zu bewahren. „Als ich ein Kind war, war La Laguna sehr ruhig und hatte fast Dorfcharakter. Jetzt, wo die Stadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde, ist La Laguna zu neuem Leben erwacht und gleichzeitig ist diese ursprüngliche Gemütlichkeit wieder zurückgekehrt.“
Nach seiner Wiedereröffnung im September wird auch das Teatro Leal noch mehr Leben und Lebendigkeit in die Stadt bringen. Etwas, das die Stadt La Laguna nicht zuletzt Ladislao Díaz Márquez verdankt – einem bescheidenen Architekten, der sich selbst vor allem als eines versteht: als Bürger von La Laguna.
Von Margot Aigner
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21.11.2008 - 














