Mein Ziel für die Stadt: ein 24-Stunden-Bürgerservice
Als Vizebürgermeister und Wirtschaftsrat von Santa Cruz hat Ángel Llanos (Jahrgang 1970) große Pläne, um die Hauptstadt zu beleben. „Es ist die Hauptstadt einer spanischen Region“, betont Llanos, „vergleichbar mit Valencia oder Sevilla“. Wenn er davon spricht, dass Santa Cruz „rund um die Uhr“ offen sein soll, meint er das eher symbolisch als wörtlich. „Aber wenn jemand am Sonntag Nachmittag eine Uhr kaufen oder Fisch essen möchte, oder am Dienstagmorgen auf einen Drink gehen möchte, soll er die Möglichkeit dazu haben“, erklärt er.
„Eine regionale Hauptstadt wie Santa Cruz sollte genau das bieten können – guten Service für alle. Leider ist das im Moment noch nicht der Fall.“ So käme es nicht selten vor, dass mehrere Tausend Gäste eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen ankommen, die dann in der Stadt nur verschlossene Geschäfte und Lokale vorfinden.
Im Alter von 32 stand er an viert oberster Stelle auf der Kandidatenliste der PP für die Regionalwahlen (2003). Vier Jahre später machte ihn seine Partei zum Spitzenkandidaten mit der Aussicht, nach erneuten Wahlen im Mai 2007 das Amt des Bürgermeisters von Santa Cruz anzutreten. Seine Arbeitseinstellung hält Ángel Llanos für absolut professionell, dennoch hat er etwas gegen „professionelle“ Politiker, „also solche, die in ihrem Leben außer Politik noch nichts anderes gemacht haben.“ Für den jungen Aufsteiger steht fest, dass man sich die Position als Politiker zuerst verdienen muss, indem man sich in anderen Bereichen profiliert. „Man sollte weder seinen ersten noch seinen letzten Gehaltsscheck für Politiker-Tätigkeit bekommen. Kein Politiker sollte einen Posten länger als acht Jahre besetzen. Vier Jahre ist etwas zu kurz – da sieht man nur den Beginn von etwas, kann aber nicht mehr dabei sein, wenn die Früchte der eigenen Arbeit geerntet werden. Und nach acht Jahren ist man ausgelaugt und sollte sich einer neuen Herausforderung stellen.“ Llanos selbst gab seinen Wählern vor der Wahl das Versprechen: Sollte er Bürgermeister werden, würde er nicht länger als acht Jahre im Amt bleiben.
Eine große Ehre war es für Ángel Llanos, als er 2004 in die Hidalgo de Nivaria Asociación aufgenommen wurde – einem Verband mit wohltätigen Zielen, vergleichbar mit dem Lions Club oder dem Rotary Club. „Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Leuten, die sich für die Interessen von Santa Cruz und dessen Bürgern einsetzen. Man trifft sich ein oder zweimal im Jahr, um Entwicklungen in der Stadt zu besprechen“.
Auch privat tun sich für den stellvertretenden Stadtvater bald Vaterfreuden auf – seine Frau Paula, mit der er seit neun Jahren verheiratet ist, erwartet im Juli ein Kind. Das Geschlecht des Ungeborenen steht schon fest: Es wird ein Mädchen. Vielleicht ist die bevorstehende Geburt seiner Tochter auch mit ein Grund dafür, dass Ángel Llanos sich nach den Tagen zurücksehnt, an denen man „Eltern, Lehrer und andere Autoritäten noch mehr Respekt entgegenbrachte.“ Den Begriff „altmodisch“ will er in diesem Zusammenhang nicht hören. „Ich verstehe nicht, was modern daran sein soll, wenn man seine Lehrer beleidigt“, stellt er klar. Schüler sollten sich von ihren Stühlen erheben, wenn ein Lehrer die Klasse betrete, fordert Llanos. Dies sei ein Zeichen von Respekt, Kultur und Modernität.
Ein viel beschäftigter Mann
Der Vizebürgermeister von Santa Cruz ist bekennender Fan des ehemaligen Parteichefs der PP und Ex-Präsidenten, José María Aznar, und steht auch voll und ganz hinter der aktuellen Parteispitze unter Mariano Rajoy. So hat Llanos einen von Aznars Aussprüchen sogar zu seinem persönlichen Motto gemacht: „Schon im Wörterbuch kommt das Wort Arbeit vor dem Begriff Erfolg“. Er selbst sei ein Mann, der seinen Worten Taten folgen lasse, bekräftigt er. Neben seiner Tätigkeit im Rathaus von Santa Cruz ist Ángel Llanos auch in verschiedenen Räten aktiv – beispielsweise im Rat des Straßenbahnunternehmens „Metropolitano de Tenerife“, im Regierungsrat für Museen, im Rat für Sport, Kultur und Freizeit (IDECO) und im Aufsichtsrat des technologischen Instituts ITER.
Ángel Llanos ist auch Herausgeber zweier Bücher. Beim Ersten, das den Titel „Primer Lustru“ (Die ersten fünf Jahre) trägt, handelt es sich um eine Sammlung von Zeitungsartikeln, die Llanos während seiner Politikerlaufbahn veröffentlicht hat. Sein zweites Buch, „Luces y Sombras“ (Lichter und Schatten) kam im März 2007, also unmittelbar vor den Regionalwahlen, heraus. Dabei handelt es sich um eine Art Selbstdarstellung, in der er dem Leser seine Ideen und Visionen darlegt und detailliert ausführt, was er alles ändern würde in Santa Cruz, wenn er Bürgermeister wäre. Unter seiner Führung erhielt die PP schließlich einen Sitz mehr im Stadtrat. Dadurch und durch den Stimmenverlust der Natio-onalisten hatte die Partei eine gute Ausgangsposition für die Koalitionsverhandlungen.
Wirtschaftliche Entwicklung in der Hauptstadt
Auch die Aufsicht über die Arbeit der Gesellschaft zur Entwicklung von Santa Cruz (Sodesan) fällt in den Verantwortungsbereich des Vizebürgermeisters. Seit die Gesellschaft vor sieben Jahren gegründet wurde, hat sie sich zu einer wichtigen Institution zur Aus- und Weiterbildung entwickelt. Auch um Touristeninformation und die Betreuung von Jungunternehmen, denen in zwei speziellen Zentren Computer, Telefone und weitere Büroausrüstung zur Verfügung gestellt werden, kümmert sich ‘Sodesan‘. Neu gegründeten Unternehmen soll dadurch in den ersten zwei Jahren unter die Arme gegriffen werden. „Das Haushaltsgeld von Santa Cruz beträgt 245 Millionen Euro im Jahr und ‘Sodesan‘ hat ein Budget von nur fünf Millionen Euro, wobei die Hälfte davon aus dem Rathaus kommt. Der Rest sind Fördergelder und so weiter. Die Gesellschaft wurde mit dem Ziel gegründet, die Wirtschaft der Stadt zu beleben und das wird mithilfe eines sehr niedrigen Budgets geschafft.“
‘Sodesan‘ ist zudem verantwortlich für das Projekt „SC+Viva“, mit dessen Hilfe das Freizeitangebot der Stadt – vor allem an Wochenenden - verbessert werden soll. Mehr als 800.000 Euro wurden bereits in das Projekt gesteckt.
„Gescheitertes“ Elton-John-Konzert
Das Elton-John-Konzert im Januar, das in den Golf-Club „Costa Adeje“ verlegt wurde, hätte ursprünglich in Santa Cruz veranstaltet werden sollen. Ángel Llanos war nicht glücklich über diesen Wechsel des Veranstaltungsortes. „Zum einen hatten wir bereits einen Vertrag mit der Produktionsfirma ‘Rolo Producciones‘, weswegen es da noch Entschädigungsforderungen geben könnte. Zum anderen hat der Veranstalter im Süden den Auftritt des Stars, der ursprünglich als PR-Event gedacht war, dazu genutzt, Geld zu machen. Man hat Elton John im Süden einfach viel mehr Geld angeboten.“ Santa Cruz würde Adeje keinen derartigen Star „wegnehmen“, beteuert der Vizebürgermeister. Auch die geplanten Auftritte von Schauspieler Daniel Ratcliffe, alias Harry Potter, und Magier David Copperfield beim Karneval sind ins Wasser gefallen. Llanos bestreitet, dass Daniel Ratcliffe überhaupt zum Karneval vorgesehen war. „Das war nur ein Gerücht, ich weiß nicht, wie das entstanden ist.“ David Copperfield hingegen war ganz offiziell angekündigt worden. „Nur einen Monat später, nachdem wir mit ihm gesprochen hatten, wurde berichtet, dass er der Geldwäscherei und des Besitzes von kinderpornografischem Material beschuldigt werde – natürlich kam er danach nicht mehr als Gast für den Karneval in Frage“, bedauert Llanos. Vizebürgermeister Llanos will den Karneval 2009 dennoch zu einem ganz besonderen Ereignis machen und dafür sorgen, zumindest einen Weltstar zu präsentieren. Neben dem Karneval ist man im Rathaus mit der Planung eines Tattoo-Festivals (lesen Sie mehr darüber auf Seite 3 sowie eines Tanz-Festivals beschäftigt. „Wir haben nicht nur den Karneval. Der Karneval ist zwar wichtig für die Stadt, aber Santa Cruz hat noch viel mehr zu bieten.“
Zukunftspläne
Santa Cruz hat laut Ángel Llanos große Pläne für die Zukunft. Der Bau des Óscar-Domínguez-Centers und die Neugestaltung der Plaza de España sind dabei nur zwei der vielen großen Projekte, die die Hauptstadt noch attraktiver für Bewohner und Besucher machen sollen. Künftig will man auch vermehrt Gäste aus Las Palmas de Gran Canaria empfangen. Für einen Pauschalpreis von 85 Euro pro Nacht wird man von der Hauptstadt Gran Canarias aus nach Santa Cruz fliegen können. Im Preis enthalten sind: Kosten für Flug, Übernachtung im Hotel, Straßenbahnkarte, Spa-Aufenthalt, Eintritt in den Parque Marítimo, Eintritt ins Fitnesscenter, Stadtführung. Und oben drauf gibt es einen Rabatt von 20 Prozent auf zahlreiche Geschäfte und Restaurants.
Abschließend lädt Ángel Llanos alle ein, doch wieder einmal nach Santa Cruz zu kommen. „Es ist eine offene, kosmopolitische Stadt mit vielen europäischen Komponenten. Und gleichzeitig eine typisch spanische Stadt.“
Von Sheila Collis/Margot Aigner
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18.03.2010 - 
















