Erstes Internationales Alzheimer Zentrum Santa Leonor und Santa Rita
Padre Antonio – der Engel der Alten und Armen„Der Wille versetzt Berge“ – dies ist für Padre Antonio keine leere Floskel, sondern ein Bekenntnis, nach dem er jeden Tag lebt.
Im Oktober 2006 feierte Padre Antonio in Puerto de la Cruz die Grundsteinlegung für das erste internationale Alzheimer Zentrum Santa Leonor und Santa Rita. Hier sollen nicht nur Alzheimer-Patienten ein liebevolles Zuhause finden, sondern internationale Wissenschaftler diese tückische Demenzerkrankung auch erforschen– um sie lindern, vielleicht eines Tages sogar verhindern zu können.
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 | | Padre Antonio ist ein himmlischer „Immobilienmakler“ und schafft damit ein Stückchen Paradies auf Erden. | | © www.inselteneriffa.es |
| Puerto de la Cruz - 06.04.2008 - Das Projekt steht unter der besonderen Schirmherrschaft von Kofi Anaan, König Juan Carlos sowie dem spanischen Präsidenten Zapatero und ist mit einer Investitionssumme von rund 25 Millionen Euro veranschlagt. Eine Summe bei der andere Hände ringend gen Himmel blicken, während Padre Antonio nur schmunzelt und optimistisch meint: „Ich vertraue auf die Hilfe Gottes und das Gute im Menschen“.
Tatsächlich hat er in den letzten 35 Jahren Menschen-Unmögliches möglich gemacht und das im wahrsten Sinne auf himmlische Weise. Der Pater wurde vor 70 Jahren in La Orotava geboren und leistete jahrelang Missionsarbeit in Südamerika. Als er vor rund 35 Jahren zurückkam, begann er an der Punta Brava unter freiem Himmel zu predigen und viele kamen, um seinen Worten zu lauschen.
„Ich verkaufe ein Stück Himmelreich und jeder bekommt dafür eine Urkunde.“
Eines Tages hörte er von einer alten Frau, deren Kinder weggezogen waren und die sich aus Verzweiflung, weil sie nicht mehr alleine zurecht kam, in einen Wassertank stürzte und ertrank. Dieses Schlüsselerlebnis gab ihm die Erkenntnis, dass etwas geschehen musste. Er wollte ein Heim für alte Menschen, in dem sie in freundlicher Atmosphäre ihren Lebensabend verbringen konnten. „Natürlich hatte ich keinen Cent und habe mir lange überlegt, wie ich das finanzieren könnte. Da kam ich auf die Idee, eine Himmelsbank zu gründen. Der Besitzer ist Jesus Christus. Petrus, Paulus, Santa Miriam, Rita und Leonor sind im Management und ich bin lediglich der Korrespondent auf der Erde. Ich verkaufe ein Stück Himmelreich und jeder bekommt dafür eine Urkunde. Egal ob für einen Euro oder für eine Million - in der Himmelsbank ist jeder willkommen. Ich sage immer, ein Tropfen Wasser mag wenig sein, aber viele Tropfen Wasser bilden Flüsse, Seen und ganze Ozeane“.
Auf diese Weise hat er die beiden Altersheime Santa Rita I und II finanziert und auch das neue Alzheimer Zentrum soll so entstehen. Heute bietet er 1.115 Menschen ein Zuhause und mehr als 400 einen Arbeitsplatz. Mehr als 50 Nationalitäten sind unter den Dächern von Santa Rita I und II friedlich vereint. Sie leben in einer freundlichen und friedlichen Atmosphäre zusammen. Allein 72 Bewohner beziehen überhaupt keine Rente, Frauen zum Beispiel, weil sie geschieden sind und keine eigene Rente haben, oder Alkoholiker, die noch nicht im Rentenalter sind und nicht als Invaliden anerkannt werden, oder Emigranten aus Südamerika, vor allem Venezuela, die in ihre Heimat zum Sterben zurückkommen. „Kommen sie reich zurück, haben sie vielleicht eine ‘Familie‘, sind sie arm, haben sie niemanden. Bei uns finden sie nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern einen Ort, an dem sie willkommen sind“.
Im Forschungszentrum soll unter anderem eine „Hirnbank“ entstehen.
Immer häufiger kamen Menschen in das Heim, die an Alzheimer litten – eine Demenzerkrankung, die manchmal schon zwischen 40 und 60 beginnt und sich in ganz Eu-ropa ausbreitet. Die Ursachen sind unbekannt, eine wirksame Therapie gibt es nicht. „Bei uns wohnen 160 Menschen, die über 90 Jahre alt sind und keiner von ihnen hat Alzheimer. Bei den jüngeren Generationen tritt die Erkrankung aber immer häufiger auf. Dagegen muss man doch etwas tun“. So entstand die Idee des Forschungszentrums. Derzeit ist das künftige Appartement- und Forschungsgebäude für Wissenschaftler aus aller Welt im Rohbau fertig, aber der Innenausbau fehlt noch. Das eigentliche Zentrum, das einmal 400 Betten und 100 Tagesplätze beherbergen soll, ist im Moment still gelegt“. „Ich habe selbst den Bau gestoppt, ehe man mich dazu gezwungen hat. Ich habe alle nötigen Lizenzen und Pläne erstellen lassen und eingereicht. Das Problem ist, dass unser Grund als rustikal eingestuft ist und eigentlich nur zwei Stockwerke hoch gebaut werden darf. Aber wir haben fünf, übrigens auch Santa Rita II, das ja schon fertig ist. Durch den Machtwechsel nach den Wahlen wird unser Projekt hin und her geschoben, man schiebt die Verantwortung immer woanders hin, anstatt sich nach allen Kräften um einen zügigen Fortgang zu bemühen. Ich habe alle 31 Bürgermeister der Insel drei Mal besucht. Das erste Mal, um ihnen meine Idee vorzutragen, das zweite Mal mit meinem Miniaturzentrum unterm Arm, das ich überall mit hingeschleppt habe und das dritte Mal nach den Wahlen, um auch mit denen zu sprechen, die neu gewählt wurden. Alle haben mir ihre Unterstützung zugesagt, denn es gibt nicht eine Gemeinde auf der Insel, die nicht mindestens einen Bürger bei uns untergebracht hat. Auch der Inselpräsident Ricardo Melchior befürwortet das Projekt und in unserem Stiftungsgremium sitzen 220 Personen. Darunter wichtige Persönlichkeiten wie Wolfgang Kiessling, der Besitzer des Loro Parques, 24 Ärzte und Wissenschaftler, Hoteliers, Unternehmer, Architekten, Notare, acht Priester und viele mehr. Mehr als tausend Anwohner haben für uns unterschrieben, dass sie mit dem Bau einverstanden sind. Mehr als 2.000 Menschen kamen zur Grundsteinlegung und es fiel kein Wort darüber, dass die Baugenehmigung in Frage gestellt ist. Es liegt nun an der Stadt Puerto, uns die nötige Bewilligung zu erteilen. Ich kann nur an alle Instanzen appellieren, dass sie alle politische Doktrin außen vor lassen und nur im Sinne und Interesse der Menschheit entscheiden, damit wir endlich weiter machen können.“
Trotz aller Hürden und Stolpersteine beginnen im Mai die ersten Forschungsarbeiten. Wissenschaftler von der Universität La Laguna stehen in den Startlöchern. Teams aus aller Welt, vom spanischen Festland, aus Lyon, London und vielen anderen Ländern wollen im und mit dem Zentrum forschen. „Wir fangen jetzt einfach an. Auch wenn das Zentrum noch nicht fertig ist, haben wir jetzt schon etwa 400 Alzheimer Patienten und das Hotel Maritim hat uns großzügig Gratisunterkunft mit Frühstück für externe Wissenschaftler angeboten“, erklärt der sympathische Pater, der durch nichts zu bremsen ist.Seine Vision ist ein Ort, an dem Menschen geholfen wird und an dem Forscher aus aller Welt individuell, aber auch gemeinschaftlich nach Lösungen, Ursachen und Therapien suchen und sich austauschen können. Verschiedene Fachbereiche werden in die Untersuchungen einbezogen, Daten erfasst, genetische Ursachen überprüft und es soll sogar eine „Hirnbank“ entstehen. Gehirne, die nach dem Ableben der Patienten zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden. Die modern-sten und besten Bedingungen sollen dafür sorgen, dass die Medizin bald mehr über diese erschreckende Krankheit weiß und für Linderung oder Heilung sorgen kann. Vielleicht ist Puerto de la Cruz in nicht allzu ferner Zukunft weltweit in aller Munde, wenn neueste Erkenntnisse in internationalen Fachkreisen veröffentlicht werden. Auf die Frage, ob 400 Plätze nicht zu viel sind, antwortet der Padre spontan. „Zwei können viel und 1.000 können wenig sein. Es kommt nicht auf die Zahl an, sondern auf die Liebe“. Je mehr Menschen untergebracht sind, umso mehr Möglichkeiten der Erforschung findet das medizinische Team vor. Das moderate Klima, die gute Infrastruktur sowie die Anbindung an zwei Stadtkrankenhäuser prädestinieren Puerto de la Cruz für das Zentrum. Ein Hubschrauberlandeplatz soll auf dem Territorium entstehen.
„Ich vertraue auf die Hilfe Gottes und das Gute im Menschen“.
Der 70-jährige Pater ist noch kein bisschen müde – er wird sich so lange für sein Zentrum einsetzen, bis es endlich steht. In eigenen TV-Sendungen wirbt er für seine Sache. Ein Interview mit ihm in der spanischen Zeitschrift „Pronto“ wurde zur Nummer-Eins-Reportage, die alle anderen übertraf. Viele Menschen auf den Kanaren, in Spanien und sogar ganz Europa stehen hinter ihm, sie bewundern ihn und sein Engagement, helfen mit Geld- oder Sachspenden. Wer möchte, kann statt Geld auch Nahrungsmittel spenden. Reis, Kichererbsen, Milch, Gofio, Linsen, Bohnen, Öl, feine Suppennudeln und Oregano stehen zum Beispiel auf der Wunschliste.
Am 6. April findet im Auditorium ein Benefizkonzert zu Gunsten der Alzheimerstiftung statt, auf dem viele namhafte Künstler gratis auftreten. Rund 50 Karten à 20 Euro hat Padre Antonio noch zu vergeben. Auch der deutsche Männerchor del Norte gibt jedes Jahr (meist in der Weihnachtszeit) im Veranstaltungssaal von Santa Rita II ein Konzert zugunsten der Stiftung und viele Hände helfen ehrenamtlich bei der Betreuung der Bewohner mit. Geldspenden sind in Form von „Immobilienkauf im Himmelreich“ oder als monatlicher Förderungsbeitrag möglich. Der Glaube an das Gute in seinen Mitmenschen hat Padre Antonio noch nie verlassen und auch die letzten Hürden zur Realisierung des Zentrums wird er hoffentlich bald nehmen. Der Pater ist nicht nur der Hoffnungsträger der europäischen Wissenschaftler, die in diesem Bereich tätig sind, sondern er ist der irdische Engel, der vielen armen und alten Menschen ein Stück Himmelreich auf die Erde geholt hat. „So Gott will, feiern wir am vierten Oktober 2009 die Eröffnung des Alzheimerzentrums“, meint der Pater zuversichtlich. (sv)
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