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Im Gespräch mit Juan Ramsden, Generaldirektor der Fährgesellschaft

Die neue Galionsfigur bei Fred Olsen

Juan Ramsden, gebürtiger Baske mit einem englischen Großvater, ist seit Anfang dieses Jahres Generaldirektor und somit die neue Galions­figur der Fred Olsen Fährge­sellschaft. Das Familienunter­nehmen wurde bereits 1904 von Thomas Olsen, Sohn einer norwegischen Reeder-Familie, gegründet. Damals verfiel der kühne Wikinger dem Charme La Gomeras und kam regelmäßig zu Besuch. Man brachte, noch mit Segelschiffen, Maschinen aus Europa auf die Insel und fuhr später mit Bananen und Tomaten wieder zurück.

Ein strahlender Chef für lächelnde Mitarbeiter. Seine Kompetenz hat Juan Ramsden ganz nach oben gebracht.
Ein strahlender Chef für lächelnde Mitarbeiter. Seine Kompetenz hat Juan Ramsden ganz nach oben gebracht.
25.03.2008 - 1974 wurde die erste Fährverbindung zwischen La Gomera und Teneriffa gegrün­det und heute, mehr als 100 Jahre später, zählt Fred Olsen zu den wichtigsten Unterneh­men des Archipels.

Fährschifffahrt zwischen allen Inseln, internationale Verschiffung, Kreuzfahrt­schiffe, Hotels, Golf, Rural-Tourismus und Restaurants zählen zu den zahlreichen Akti­vitäten der Gesellschaft. „Die Firmenphilosophie war immer, die erarbeiteten Gewinne wie­der auf den Kanaren zu inves­tieren. Ein Grundsatz, der sich bewährt hat und heute mehr als 1.000 Menschen auf den Inseln Arbeit gibt“, erklärt der frisch gebackene Generaldirek­tor Juan Ramsden, der seit zehn Jahren für das Unter­nehmen arbeitet. „Ich habe eine Ausbildung als Kapitän bei der Handelsmarine  absol­viert und später Wirtschaft stu­diert. Viele Jahre habe ich für verschiedene Schifffahrtsge­sellschaften in Spanien und Südafrika gearbeitet, ehe man mir eine Stelle bei Fred Olsen angeboten hat.“

„Lächelnde Mitarbeiter sind unser Markenzeichen“

Als Direktor der Flotte über­zeugte er durch seinen uner­müdlichen Einsatz. Jetzt hat er die Firmenleitung über­nommen, die Präsidentschaft obliegt aber immer noch dem Enkelsohn des ursprünglichen Gründers. „Mein Arbeitstag beträgt rund zwölf Stunden, allerdings ist es schon ein biss­chen anders, der Chef zu sein. Als Direktor der Fähren habe ich mich mit konkreten Aufga­ben auseinander gesetzt. Heute muss ich mich in Meetings mit meinen Direktoren absprechen und Entscheidungen fällen. Früher hatte ich immer noch jemanden über mir und heute bin ich derjenige der bestim­men muss, welche Richtung wir einschlagen, und vor allem muss man sich und seinem Personal immer wieder bewei­sen, dass man diese Position zu Recht eingenommen hat und die Mitarbeiter auf eine kluge Firmenführung vertrauen können“. Als eine der ersten Gesellschaften stellte man bei Fred Olsen in den 90er Jah­ren auf Schnellfähren um. Mittlerweile sind alle Fähren des Unternehmens (Bocayna Express, Bencomo Express, Bentago Express und Bonanza Express) schnelle Katama­rane und seit 2000 wurde die Flotte mit dem 45 Millio­nen Euro teuren Trimaran Ben­chijigua Express komplettiert. „Diese Fähre ist unser ganzer Stolz“, erklärt Ramsden. „Mit ihren fast 127 Metern Länge ist sie die größte Fähre welt­weit. Außerdem die modernste und sicherste. Während andere Schiffe schon bei rund zwei­einhalb Meter hohen Wellen unangenehm werden und häu­fig im Hafen bleiben müssen, steckt der Benchijigua Express locker Wellen bis zu dreiein­halb Metern weg. Obwohl Übel­keit auf See eine natürliche Körperreaktion ist, wird es an Bord dieser Fähre niemandem mehr schlecht. Man merkt gar nicht, dass man überhaupt auf einem Schiff ist. Vor kurzem waren sogar Experten der US-Navy hier, um das Boot ein­gehend zu studieren und zu ergründen, inwiefern sie diese Erkenntnisse für ihre eigene Flotte nutzen können“, erklärt Ramsden.

„Es ist schon etwas anderes, der Boss zu sein“

Während der Überfahrt, die beispielsweise zwischen Tene­riffa und La Gomera nur rund 40 Minuten dauert, stehen den Passagieren zahlreiche Möglichkeiten offen. Die Fähren verfügen über Ruhe­zonen, Arbeitstische, Bespre­chungszimmer, Kinderecken, Geschäfte und natürlich Cafeterias oder Restaurants. „Manchmal ist es interessant, die Reisenden und ihre Eigen­heiten zu beobachten. Die Spanier halten sich meist im Zentrum des Schiffes, in den Restaurants und Geschäften auf, während Engländer bevor­zugt am Bug stehen, um die Wellen zu beobachten, und die Deutschen legen sich am liebsten auf dem Heck in die Sonne“, schmunzelt unser Gesprächspartner. „Natürlich bieten wir häufig Reisenden spezielle Konditionen. Kun­den, die beispielsweise unserer Goldklasse angehören, werden beim Ein- und Auschecken bevorzugt behandelt“.

Jährlich befördert Fred Olsen rund 2,7 Millionen Menschen, 550.000 PKWs und 200.000 LKWs zwischen den Inseln des Archipels. Etwa die Hälfte der Reisegäste sind Residenten, die sich aus ver­schiedenen geschäftlichen oder privaten Motiven zwi­schen den Inseln bewegen, die andere Hälfte sind Urlau­ber, die auf einer anderen Insel ihren Urlaub verbrin­gen oder einfach einen Aus­flug machen. „Früher war La Gomera völlig isoliert, heute ist es eine attraktive Insel, die viele Menschen als Tages-Aus­flugsziel oder für einen Kurz-urlaub nutzen“. Vieles hat sich durch den regen Fährverkehr zwischen den Inseln geän­dert und die Lebensqualität der Menschen sowie die Kon­taktmöglichkeiten unterein­ander wurden wesentlich ver­bessert. Am wenigsten genutzt wird die Verbindung nach El Hierro, aber dennoch wird die Strecke aufrechterhalten, um sie an den restlichen Archipel anzubinden.

„Wir haben noch viele Pläne“

Ein häufiger Kritikpunkt, der in Bezug auf die Fähr­schifffahrt immer wieder auf­taucht, kommt seitens der Umweltschützer, die eine Bedrohung der zahlreichen Meeressäuger-Populationen fürchten. „Zu diesem Punkt möchte ich drei Dinge anmer­ken“, beginnt der Generaldi­rektor, „erstens fahren wir zum Beispiel zwischen Tene­riffa und La Gomera, wo sehr viele Wale und Delfine leben, nicht auf einer direkten Linie, sondern eine leichte Kurve. Wir meiden die Gebiete, die uns von Experten als Ruheplätze der Meeressäuger angege­ben wurden und respektieren sie. Zweitens sind diese Tiere nicht dumm, sie sind viel­mehr schnell und klug und tauchen einfach ab oder was auch häufig geschieht, kom­men sogar auf unsere Fähren zu, um sich zu zeigen. Dabei halten sie aber immer genü­gend Sicherheitsabstand. Drittens sind unsere Fähren sogar mit Nachtsichtgeräten ausgerüstet, die direkt unter der Wasseroberfläche ruhende Tiere anhand ihrer Körpertem­peratur orten und den Kapitän warnen. Tatsächlich hatten wir noch nie Probleme oder sind gar kollidiert“.

Zu den zahlreichen Akti­vitäten, die Fred Olsen S.A. definieren, gehört auch ein umfangreiches Angebot zu Land. Seit der Gründung war La Gomera immer das Herz des Unternehmens. Es war nicht nur der erste Firmensitz, von dem aus die Erfolgsgeschichte ins Rollen kam; auch heute noch investiert das Unterneh­men in die touristische Ent­wicklung der kleinen grünen Schwesterinsel. Dazu gehören der 18-Loch-Golfplatz Tejina Golf, der auf einer Anhöhe des Lomada de Tecina von dem bekannten Designer Donald Steel kreiert wurde und den Spieler durch eine anmu­tige Gartenanlage mit einem grandiosen Panorama führt. Gleich daneben entstand auf einer 225.000 Quadratmeter großen Fläche eine exklusive Wohnanlage mit Villen und Appartements, eingebettet in eine reizvolle Landschaft.

Ein weiteres Highlight ist das Vier-Sterne-Hotel Jardin Tecina, das unter anderem über 434 Zimmer, fünf beheizte Pools, fünf Restaurants, vier Bars und Piano-Bar, Tennis-, Padel- und Squashplätze, Sauna, Fitness-Center und Minigolf verfügt. Es ist im Stil eines kanarischen Dorfes inmitten eines riesigen Gartens ange­legt. Rund 50 verschiedene

Pflanzenarten sorgen für ein grünes Paradies, das die Pri­vatsphäre des Gastes respek­tiert. „In Kürze werden wir beginnen, die Gegebenheiten und den Komfort noch weiter zu verbessern. Gerade durch die unmittelbare Nähe zum Golfplatz freuen wir uns mehr und mehr über eine Klientel, die eine luxuriöse Ausstattung zu schätzen weiß. Auch dem wollen wir gerecht werden und einen Fünf-Sterne-Komplex integrieren. Mittelfristig kön­nen wir uns sogar vorstellen, noch eine weitere Ferienanla­gen zu bauen, denn La Gomera hat viele reizvolle Täler, die es zu entdecken gilt. Dabei ver­steht es sich von selbst, dass wir jede touristische Erschlie­ßung in Harmonie mit der umgebenden Landschaft planen“, plaudert Ramsden aus dem „Nähkästchen“ der Zukunftsschmiede. Sicher scheint, dass die Erfolgskurve des Unternehmens weiterhin steil nach oben weist und noch viele Neuerungen und Überra­schungen bereithält, um auch in Zukunft die Nummer Eins auf den Kanaren zu sein. Dabei steht sowohl die Zufriedenheit der Gäste als auch der Mitar­beiter an erster Stelle. „Unsere Mitarbeiter sind motiviert. Sie lächeln viel, weil sie einfach Spaß an ihrer Arbeit haben. Das soll auch in Zukunft so bleiben, denn das ist das beste Renommee für eine Firma. Mein persönliches Ziel ist es, das Niveau der Firma unter meiner Leitung noch weiter zu erhöhen und sie (irgend­wann) in einem noch besseren Zustand an meinen Nachfol­ger zu übergeben, als ich sie übernommen habe“, bemerkt Juan Ramsden zum Abschluss des Gesprächs.
Von Sabine Virgin



Bildergalerie: Die neue Galionsfigur bei Fred Olsen
Ein strahlender Chef für lächelnde Mitarbeiter. Seine Kompetenz hat Juan Ramsden ganz nach oben gebracht. Juan Ramsden in Begleitung des damaligen kanarischen Präsidenten Adán Martín, anlässlich der Einweihung des Trimarans „Benchijigua Express“. Einweihung der ersten Schnellfähre, dem Bocayna Express. Diese Boote sorgen nicht nur für eine schnelle Verbindung, sondern geben das Gefühl auf einer Minikreuzfahrt zu sein. 
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