 | | Das Familienunternehmen ist bei Boris Flick in kompetenten Händen. |
| 22.02.2008 - Zunächst arbeitete Harald Flick als Konsulatsangestellter, heiratete seine Freundin Anna und bekam zwei Söhne. Von 1958 bis 1975 bekleidete er das Amt des deutschen Honorarkonsuls auf Gran Canaria. Parallel dazu gründete er ein Unternehmen, das sich vorrangig dem Autoimport widmete und das heute der drittgrößte Importeur der Kanaren ist. Zunächst schuf man einen Markt für die deutschen Prestigefahrzeuge von Mercedes Benz. „Heute vertreten wir ein breites Spektrum der verschiedensten Automarken von Mercedes, Alfa Romeo und Porsche, über Mazda, Fiat und Smart, bis hin zu Daihatsu und Ssangyong und Isuzu“, erklärt der Enkelsohn die neue Firmenstrategie, die sich flexibel zeigt, um sich den Erfordernissen des Marktes möglichst schnell anzupassen.
„Wir nehmen unsere soziale Verantwortung ernst“
Vor 28 Jahren expandierte das Unternehmen nach Teneriffa und verfügt zusätzlich über Zweigstellen auf Fuerteventura und Lanzarote. Dabei blieb es immer im Familienbesitz. Zunächst stiegen die beiden Söhne des Gründers, Jürgen und Onno, ein und heute haben wiederum deren Kinder, Boris und Natalia die Firmenleitung übernommen. Das Benzin fließt ihnen sozusagen in den Venen und für die Liebe zum Auto scheint es in dieser Familie ein besonderes Gen zu geben. Boris Flick absolvierte in Madrid ein Wirtschaftsstudium und arbeitete drei Jahre lang für die deutsche Bank in der spanischen Hauptstadt. Eigentlich hatte er eine Karriere in diesem Sektor geplant. Als in der Flickgruppe, vor rund zehn Jahren, eine Stelle frei wurde, zog es ihn, des Stadtlebens müde, zurück auf die Inseln und er wurde Teil des Familienimperiums. „Ich hatte einen harten Start. Wenn man als Sohn des Chefs in die Firma einsteigt, muss man doppelt und dreifach beweisen, dass man von Beruf nicht nur ‘Sohn‘ ist, sondern die Position aufgrund von Professionalität und Kompetenz besetzt“, erklärt Boris Flick rückblickend. Inzwischen bestehen daran keine Zweifel mehr und seine Mitarbeiter schätzen ihn als sympathische und leistungsfähige Führungsfigur. „Mittlerweile hat das Unternehmen rund 700 Angestellte und wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern sehr bewusst. Bei uns hat eine pünktliche Lohnzahlung immer Vorrang gehabt. Man mag sich Investitionen überlegen und eventuell verschieben, aber die Gehälter, von denen ganze Familien abhängen, sind immer rechtzeitig auf dem Konto“, erklärt Boris die Firmenphilosophie, die gerade hier auf den Kanaren nicht unbedingt selbstverständlich ist.
„Kanaren sind eine Plattform zwischen Amerika, Afrika und Asien“
Tatsächlich setzt das Unternehmen auf Service und Professionalität. Eine gute Schulung und Einarbeitung der Angestellten soll diesen garantieren. „Außerdem strahlen motivierte Mitarbeiter ein positives Image aus, das sich letztlich in einem Gefühl des Vertrauens seitens des Kunden widerspiegelt“. Die Gruppe Flick investierte nicht nur in die Automobilbranche, sondern weitete die Aktivitäten auch auf andere Bereiche aus. „Wir importieren Whiskey aus Schottland, Champagner, Liköre sowie Wein aus vielen verschiedenen Ländern und waren die Ersten, die Red Bull auf die Inseln gebracht haben. Auf Gran Canaria erzeugen wir einen eigenen Wein, den Monte Alto“. Zudem ist das Unternehmen in der Baubranche und im Bereich der Wieder-aufforstung aktiv. Dieses Splitting in verschiedene Marktsektoren trägt entscheidend zur Stärke der Gruppe bei, denn nicht immer hat die Automobilbranche Hochkonjunktur. „Die hohen Hypothekenzinsen und die Teuerungsrate bei den Lebensmitteln haben die Nachfrage im letzten Jahr etwas gebremst. Essen muss man, aber ein neues Auto kann man vielleicht um ein paar Monate verschieben“, bewertet Boris die aktuelle Marktlage. Trotzdem ist die Flickgruppe weiter auf Expansionskurs und investiert gerade in die Erschließung ganz neuer Märkte. „Wir sehen eine gute Perspektive in Zentralamerika und Afrika. Tatsächlich haben wir bereits erste Bestellungen aus Panama, Marokko, Mauretanien und den Kapverden“. Besonders Bau- und Lastfahrzeuge werden aus diesen, sich entwickelnden, Ländern nachgefragt.
„Flexibilität ist der Zukunftsmotor“
Um den Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten dieser Staaten entgegenzukommen, hat Flick enge Handelsbeziehungen zu China aufgenommen. „Auch wir empfinden die Kanaren als logistische Plattform, die sich zur Drehscheibe Kontinenten-übergreifender Wirtschaftsverflechtungen entwickelt. Wir orientieren uns an dem alten Marktprinzip Angebot und Nachfrage und versuchen innerhalb dieses Rahmens das anzubieten, was der Kunde braucht und zu einem Preis, den er sich leisten kann. Nachdem die Asiaten niedrige Produktionskosten haben, können wir deren Fahrzeuge auch in finanziell labileren Märkten absetzen. Dort zählt letztlich weniger die Qualität, als vielmehr der Preis“, beschreibt Boris die Unternehmensstrategie, die schon lange nicht mehr auf die Kanaren beschränkt ist. Generell sieht er mittelfristig eine Entwicklung der Automobilbranche hin zu Hybridmotoren und alternativen Antriebsmotoren voraus. „Das ist nicht nur eine Frage der Ökologie, sondern es ist einfach eine Tatsache, dass uns irgendwann der Sprit, sprich der Rohstoff Erdöl, ausgeht“. Das Auto an sich, das dem Menschen Mobilität verliehen hat, wird seiner Meinung nach auch in Zukunft das Transportmittel Nummer Eins sein. Gerade in Bezug auf die jüngsten Planungen auf Teneriffa, betrachtet er die Schließung des Inselrings als das wichtigste Projekt, das die Inselregierung mit Nachdruck möglichst schnell realisieren sollte. Nicht nur aufgrund der vielen Nord-/Süd-Pendler, deren Leben sich immens vereinfachen würde, sondern auch weil die Straße immer noch allererste Priorität hat. Die geplante Zugverbindung hingegen sieht er eher skeptisch. „Eine Schiene stellt immer eine fixe Barriere dar, die die Flexibilität späterer Umordnungen und Pläne erheblich limitiert. Viel sinnvoller wäre es meines Erachtens, eine Sonderspur für Taxis und Busse zu bauen, die eine schnelle Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem Inselsüden garantiert und dennoch flexibel genug ist, sich künftigen Entwicklungen anzupassen. Für mich wäre die Bahnlinie sogar positiv, denn wir würden mehr Autos verkaufen. Die Menschen bräuchten dann nämlich eines um zum Zug zu kommen und ein weiteres, um dann vom Bahnhof zum Arbeitsplatz zu gelangen. Allein das ist paradox und ein weiteres Argument für die Vorrangigkeit des Inselrings, der den Menschen einen schnellen und individuell-flexiblen Anschluss ermöglicht“.
Kanaren müssen auf Qualität setzen
Boris Flick, der auf den Kanaren geboren und aufgewachsen ist, hat ein Gespür für die Inseln und betrachtet sie auch über den „Tellerrand“ seines eigenen Unternehmens hinaus. „Wir haben eine zauberhafte Natur, eine sympathische kanarische Mentalität und ein mildes Klima zu bieten. Wir sind ein Paradies für Menschen in ihrem dritten Lebensabschnitt und sollten dies auch fokussieren. Außerdem sollte der All-Inklusiv-Urlaub auf ein Minimum reduziert werden. Er treibt all die vielen kleinen und liebenswürdigen Restaurants in den Ruin und bringt uns stattdessen ein Klientel, das sich nicht einmal für die Reize der Insel interessiert, sondern sich innerhalb der Hotelmauern umsorgen lässt. Diesem Urlauber ist es im Grunde vollkommen egal ist, wo das Hotel steht und was die Umgebung zu bieten hat. Die Zukunft sollte dem aufgeschlossenen Touristen gehören, dem wir Qualität in jeder Hinsicht bieten müssen“, resümiert der aufgeschlossene Geschäftsmann seine Einschätzung. „Wenn wir, sowohl touristisch als auch auf Handelsebene die richtigen Weichen stellen, gehen die Kanaren einer stabilen und positiven Wirtschaftslage entgegen“, so das Fazit eines Insiders, der seine Firma mit Power und dem Gespür für den richtigen „Gang“ in die Zukunft lenkt.
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