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Interview mit Peter Raab

Wahnsinn oder Leichtsinn? Mit dem Ruderboot über den Atlantik

Der gebürtige Deutsche Peter Raab bezeichnet sich selbst scherzhaft als „Verrückten“. Er begibt sich nämlich am 8. Dezember auf eine Atlantik-überquerung, die mehr als nur abenteuerlich werden könnte. In einem kleinen Boot will Raab gemeinsam mit einem Kollegen von La Gomera nach Antigua in der Karibik rudern. Etwa zwei Monate werden die beiden unterwegs sein.
So verrückt und waghal­sig die Unternehmung auch klingt – Peter Raab ist nicht der einzige, der sich per Ruder­boot über den Atlantik traut. „Etwa 30 andere Boote rudern im Rahmen einer Regatta auf der gleichen Strecke“ erklärte uns der junge Deutsche. „Alle die teilnehmen, tun dies für ‘Charity‘“, was bedeutet, dass die Sponsoren-Gelder einem kari­kativen Zweck zukommen.


Der Deutsche Peter Raab will in diesem Boot den Atlantik überqueren - und zwar schneller, als das je zuvor einer geschafft hat
Der Deutsche Peter Raab will in diesem Boot den Atlantik überqueren - und zwar schneller, als das je zuvor einer geschafft hat
02.12.2007 - Raab und sein Kollege, bei dem es sich voraussichtlich um den Briten Tim Wilks handelt, nehmen nicht an der Regatta teil, sondern wollen den Atlan­tik auf eigene Faust bezwin­gen. „Die Einschreibegebühr für die Regatta kostet 20.000 Euro. Die Überfahrt selbst kos­tet uns 60.000. Wir suchen noch Sponsoren, da uns noch etwa 10.000 Euro fehlen.“ Um die Überfahrt zu finanzieren, hat Peter Raab gemeinsam mit seiner Frau Claudine Curtis und Freunden mehrere Wohltä­tigkeitsveranstaltungen organi­siert. Alles, was am Ende übrig bleibt, wird an die Organisa­tion „Asociación Oro­gal“ gespen­det. Dabei handelt es sich um eine kleine NPO (Non-Profit Organisation), die sich um die Betreuung behinderter Kinder auf Teneriffa annimmt.  Nur, um Gutes zu tun, begibt man sich allerdings nicht auf eine zwei-monatige Atlantiküberquerung, bei dem man das eigene Leben aufs Spiel setzt. Wir fühlten dem abenteuerlustigen Deutschen auf den Zahn, um herauszu­finden, was einen Menschen zu einem derart waghalsigen Unternehmen bewegt, wie die Überfahrt ablaufen soll.

Wie kommt man auf die Idee, im Ruderboot den Atlantik zu überqueren?

Peter Raab
Die Regatta gibt es schon seit 1997. Und da ich Bootsmate­rial verkaufe, hatte ich immer irgendwie damit zu tun. Ich hab mir immer gedacht, „das sind Verrückte“ und irgend­wann wollte ich es dann selber machen. Ich wollte eigentlich mit einem Canario rudern, wir waren schon ein eingeschwo­renes Team. Der kann jetzt aufgrund von familiären Gründen leider nicht. Wenn wir den Rekord gebro­chen hätten, dann wäre ich der erste Deutsche und er der erste Canario gewesen.

Ich wollte ja vor zwei Jah­ren schon einmal rudern, doch damals fanden wir nicht genug Sponsoren. Mein Partner von damals, ein Amerikaner, ist schließlich mit jemand ande­rem gerudert und hat den Rekord  gebrochen. Jetzt musste ich mir kurzfristig einen Ersatz-Partner suchen. Mein neuer Partner ist Tom Wilks aus England, den ich erst kennen gelernt habe.

Was macht den Unterschied, wenn Sie nicht offiziell im Rah­men der Regatta rudern?

Peter Raab
Wenn ich bei der Regatta mit­mache, gibt es ein Begleitboot, das uns helfen könnte, falls irgend etwas passieren würde. Aber wenn wir da draußen sind, dauert es mindestens 24 Stun­den bis das zu uns kommt. Wir haben eine Rettungsinsel an Bord und die Instrumente, um Schiffe oder Flugzeuge anzu­funken. Wenn wir den Rekord brechen, dann zählt das offi­ziell nicht. Wir können damit höchstens ins Guinessbuch der Rekorde kommen.

Was sind die größten Gefahren, die auf dem offenen Atlantik auf Sie lauern?

Peter Raab
Große Wellen und Sturm. Und Container-Schiffe. Wir fahren ja in dem Strömungskanal, auf dem sich auch die Container-Schiffe befinden. Die Kapitäne schalten nachts auf Autopilot und gehen dann schlafen. Wir haben einen Radar-Detektor und können andere Boote sehen. Aber die können uns nicht sehen. Unser Alarmsig­nal können wir auf bis 30 Meilen Entfernung set­zen und falls eine Kollision droht, müssen wir halt rechtzei­tig ausweichen. Einer von uns beiden muss immer wach sein. Wir werden selten beide gleich­zeitig rudern, sondern uns im Drei-Stunden-Takt abwechseln. Derjenige, der nicht rudert, ist immer an einer Sicherheitsleine befestigt. Falls man ins Was­ser fällt und sich dabei den Kopf anstößt, kann das näm­lich tödlich sein, wenn man sinkt, bevor einen der andere aus dem Wasser ziehen kann. Auch wenn die See ganz ruhig ist. Denn mit großen Wellen, die plötzlich und unerwartet auftauchen, muss man immer rechnen. Es kann auch sein, dass Haie das Boot angrei­fen oder ein Wal sich seinen Rücken daran reibt, weil er es versehentlich für einen anderen Wal hält. Das ist alles schon vorgekommen.

Wie geht man damit um, wenn man zwei Monate lang zu zweit auf engstem Raum lebt? Ist das nicht wie im Gefängnis?

Peter Raab
So ähnlich. Der Ausblick ist wahrscheinlich schöner. Aber die Situation ist so, als wäre man mit jemandem zwei Monate auf der Toilette ein­gesperrt. Man kann Kurse machen, um mit so einer Situ­ation zurecht zu kommen. Aber ich denke, man kann damit umgehen oder nicht. Ich bin von der Person her ziemlich ruhig und wenn mir etwas nicht passt, dann sage ich es sofort.

Welche körperlichen Voraus­setzung braucht man?

Peter Raab
Naja, man muss schon fit sein. Aber es ist vor allem Ausdauer – körperliche und psychische - die man braucht. Sie haben sich mich vielleicht als Mus­kelprotz vorgestellt, aber das bin ich ganz und gar nicht. Ich habe allerdings monate­lang trainiert und bin mehr­mals pro Woche mit meinem Partner, der jetzt leider nicht mitkommt, rudern gegangen. Mein Kollege Tom Wilks ist Bergsteiger und Mountainbi­ker und ist deshalb auch fit.

Wie ist das Ruderboot ausge­stattet? Und wie funktioniert die Verpflegung?

Peter Raab
Das Boot wurde speziell für Atlantiküberquerungen gebaut. Wir haben alles dabei, was wir brauchen könnten. Das meiste sogar doppelt und dreifach, falls irgend etwas kaputt geht. Wir haben Warn­systeme an Bord, ein GPS-Handy, meinen Laptop und alle Geräte, die man auf hoher See braucht. Strom wird mithilfe einer Solarzelle erzeugt.

Ernähren werden wir uns von Astronautennahrung, die wir in einem Gaskocher zube­reiten. Damit wir immer fri­sches Wasser haben, nehmen wir eine kleine Entsalzungs­anlage mit. Wir können nicht genügend Wasser mitnehmen, das würde zu schwer werden. Außerdem werden wir Fisch essen – dafür haben wir eine Angel dabei.

Was sind Ihre persönlichen Ziele auf der Reise? Außer, lebendig wieder zurückzu­kommen und vielleicht einen Rekord zu brechen?

Peter Raab
Zwei Spanier, die den Atlantik mit dem Boot, mit dem auch wir rudern, schon überquert haben, konnten mit den Sponsorgeldern ein Kinderheim in La Laguna finanzieren. So viel Geld werden wir wahrschein­lich nicht zusammenbekommen. Aber wir möchten den behinderten Kindern, die von der Asociación Orogal betreut werden, so gut wie möglich helfen. Mein Plan ist, nächs­tes Jahr jemand anderen zu finden, der wieder über den Atlantik rudert und die Organi­sation dadurch unterstützt.

Im Moment ist Peter Raab damit beschäftigt, das Boot zu reparieren, da es wenige Tage nach unserem Interview von einem Tauchboot beschädigt wurde.

Ehefrau Claudine war zunächst nicht allzu begeistert von dem waghalsigen Aben­teuer-Plänen ihres Manns. Doch mittlerweile fiebert sie mit ihm mit und freut sich darauf, wenn er heil wieder bei ihr ist. Zunächst auch darauf, ein paar Wochen für sich selbst zu haben.

„Das wird das letzte große Abenteuer, auf das ich mich einlasse“ verrät uns Peter Raab, denn im im kommen­den Jahr wollen er und seine Frau ein Kind aus China adoptieren und als verant­wortungsvoller Vater möchte der Deutsche kein so großes Risiko mehr eingehen und vor allem nicht so lange von seiner Familie getrennt sein.

Peter Raab lebt seit über zehn Jahren auf Teneriffa. Ursprüng­lich kommt er aus Franken, in der Nähe von Hof. Nach­dem er einige Jahre in Mün­chen gelebt und gearbeitet hatte, ging er im Alter von 21 Jahren nach Teneriffa und begann hier, im Hafen Puerto Colon zu arbeiten. Vor eini­gen Jahren machte er sich selbstständig. Er und seine Frau führen heute erfolgreich einen Bootszubehör-Laden namens „Total Marine“ in Puerto Colon.

Für seine Atlantiküberfahrt sucht der sympathische Deutsche noch Sponsoren, die sein Projekt und in weiterer Folge dadurch die gemeinnützige Asociación Orogal unterstüt­zen möchten.

Wer sein waghalsiges Unter­nehmen life im Internet mit­verfolgen will, kann sich auf www.bptenerife.com/atlantic-rowing-race über die aktuelle Position seines Ruderboots informieren. Auf der Seite wird Peter auch täglich seine Erfahrungen, die er auf der Reise macht, niederschrei­ben, sodass auch alle, die im Trockenen sitzen, einen Hauch von Abenteuer spüren kön­nen. Ein interessantes Detail am Rande – gerudert wird fast immer splitternackt. „Nach einigen Tagen legt sich das Salz auf die Haut und wenn man dann mit Kleidung rudert, dann reibt das“ erklärt Peter Raab schmunzelnd. Webcam gibt es an Board allerdings keine.

Wir wünschen ihm und sei­nem Partner jedenfalls Mast- und Schotbruch! 


Bildergalerie: Wahnsinn oder Leichtsinn? Mit dem Ruderboot über den Atlantik
Der Deutsche Peter Raab will in diesem Boot den Atlantik überqueren - und zwar schneller, als das je zuvor einer geschafft hat Noch liegt das Ruderboot im sicheren Hafen von Las Américas Bei stürmischem Wetter teilen sich die beiden Abenteurer die Schlafkajüte 
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