Im Gespräch mit Peter-Christian Haucke, Konsul der Bundesrepublik Deutschland für die Kanarischen Inseln
Ein Diplomat mit Hirn und HerzPeter Christian Haucke ist seit August 2007 deutscher Konsul für die Kanarischen Inseln. Er wurde 1946 in Gladenbach bei Marburg an der Lahn geboren und ging den typischen Weg eines Auslandsbeamten. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging er auf die Akademie für Auswärtigen Dienst und ist seit 1972 als Diplomat im Ausland tätig.
Ein deutscher Diplomat ist in der Regel vier Jahre an einem Standort, dann muss er wechseln, um nicht zu sehr am Einsatzort zu verwurzeln. So hat der mittlerweile 61-Jährige schon in der halben Welt gelebt – er arbeitete zwei Jahre lang in der Botschaft in Reykjavik (Island), war anschließend fünf Jahre (von 1974 bis 1979) in Valletta (Malta), weitere drei Jahre in Bangui (Zentralafrikanische Republik) und ging 1982 für vier Jahre Nach New York. Von da aus ging es weiter nach Ankara (Türkei), Tirana (Albanien) und 1998 schließlich das erste Mal nach Spanien – nämlich nach Palma de Mallorca.
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 | | Peter-Christian Haucke ist seit August 2007 auf dem Archipel |
| Las Palmas - 19.11.2007 - Bevor Peter-C. Haucke im August das Konsulat in Las Palmas de Gran Canaria übernahm, war er fünf Jahr in Doha (Katra) tätig. Immer dabei – seine Frau und früher auch deren Tochter. „Als Beamter kann man immer mehrere Wünsche vorlegen und einer wird dann berücksichtigt. Ich hatte da eigentlich immer Glück. Schwierig ist es für die Familie“ gesteht der Konsul, der durch seine vielfältigen Erfahrungen nicht nur ein wahrer Kosmopolit, sondern durch den engen Kontakt zu Menschen unterschiedlicher Kulturen und sozialer Hintergründe ein ausgesprochen „menschlicher“ Diplomat ist. „Meine Frau hat da schon sehr viel mitmachen müssen, auch in Ländern mit hohem Sicherheitsrisiko. Und auch für unsere Tochter war es nicht einfach, ständig von einer Schule zur nächsten zu wechseln.“
Peter-C. Hauckes Tochter ist heute Hotel-Direktorin im arabischen Golf. „Ich hatte sie einmal gefragt, ob sie nicht auch eine Karriere im auswärtigen Dienst anstrebe und sie hat geanwortet: ‘Um Gottes Willen! Dieser ständige Wechsel, das will ich nie, nie wieder’“.
Meine Botschaft an die Deutschen, die hier leben und die sich hier wohl fühlen – seid froh und dankt es Gott, dass Ihr hier auf diesen wunderschönen Inseln leben dürft.
Anstatt eines sesshaften Lebens hat Konsul Haucke sich für ein Nomadendasein entschieden. Für ihn ist der auswärtige Dienst nach wie vor ein Traumjob. Die Kanaren waren dabei nicht Wunschziel Nummer eins. Eigentlich wäre Haucke lieber nach Hotschiminh Stadt gegangen. Gran Canaria sei ein Kompromiss mit seiner Frau und seiner Tochter gewesen. „So sind wir nicht so weit weg von der Familie in Deutschland, man wird ja auch nicht jünger.“
Zu den Aufgaben eines Konsuls zählen vorwiegend „konsularisch-rechtliche“ Dinge. „Das heißt, alles, was den Deutschen im Ausland angeht. Wir sind der verlängerte Arm der Behörden Deutschlands im Ausland. Aber wir stehen auch Spaniern im konsularisch-rechtlichen Bereich zur Verfügung. Was macht ein Konsulat – es stellt Pässe aus, es verlängert Pässe, es stellt Bescheinigungen aus, es beglaubigt, es beurkundet usw. – alles eben, was Deutsche hier brauchen und wofür sie nicht zu deutschen Instanzen gehen können.“
„Und das Konsulat gibt Hilfe für in Not geratene Deutsche. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Und dabei reden wir nicht nur von denjenigen, die sich sagen ‘ach, da unten ist ein angenehmes Klima, wir buchen uns ein billiges Ticket für 25 oder 50 Euro und irgendwie kommen wir schon über die Runden’.“
Das größte Problem seien Familien, die aus Deutschland weg gingen, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und es dann im Ausland nicht schaffen, weil sie falsche Vorstellungen hatten. „Zurückgehen wollen sie oft nicht – aus Scham“ erklärt der Konsul. Eine weitere „Problemgruppe“, um die sich Peter-C. Haucke und seine Mitarbeiter annehmen, sind ältere Menschen, die schon seit Jahrzehnten im Ausland leben und wo dann im Lauf der Jahre das deutsche Umfeld wegbricht. Die Nachbarn sterben oder ziehen weg und plötzlich leben Deutsche nur mehr unter Spaniern, sind aber nicht integriert und sprechen oftmals auch die Sprache nicht. Dann kommt es häufig zu Problemen und die Betroffenen sehen sich einer aussichtslosen Lage gegenüber. In Not geraten Deutsche kurioserweise vor allem in Ländern, in denen es sich angenehm Leben lässt. „Die Menschen kommen mit falschen Erwartungen in solche Länder.“
Die Zahl der in Not geratenen Deutschen auf den Kanaren ist so groß, dass das Konsulat bereits überfordert ist, um allen helfen zu können. Trotz der Unterstützung durch die Honorarkonsulate bedürfe es der Zusammenarbeit mit lokalen Hilfsorganisationen. So arbeitet man bereits mit Kirchen und anderen karikativen Einrichtungen zusammen und sei dabei, diese Kooperation weiter auszubauen. Lokale Hilfseinrichtungen sollen zukünftig vermehrt Anlaufstellen für in Not geratene Deutsche sein. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe, vermitteln mit Deutschland. Es gibt ein europäisches Fürsorgeabkommen, das sagt, dass der spanische Staat für in Not geratene Deutsche verantwortlich ist. Aber manchmal funktioniert das nicht und dann müssen wir vermitteln und nach einer Lösung suchen.“
„Es gibt auch reiche, wohlhabende Deutsche auf den Kanaren – und die wollen wir mit ins Boot nehmen“ erkärt Peter-C. Haucke, der eine Solidargemeinschaft zwischen den ausgewanderten Deutschen anstrebt.
Eine der Hauptaufgaben des Konsulats besteht darin, in Not geratenen Deutschen zu helfen.
Zuständig ist das Konsulat auch für Eheschließungen, Namenserklärungen, Erbangelegenheiten und Unterhaltsfragen. Außerdem ist das Konsulat auch Seemannsamt und hilft als Behörde beispielsweise bei Unfällen auf See.
Auch im kulturellen Bereich ist das Konsulat aktiv, vor dem Hintergrund, Deutsche und Spanier einander näher zu bringen. „Das sind Dinge, die nicht in unser engeres Aufgabengebiet fallen, aber wir tun es trotzdem.“ Und auch im wirtschaftlichen Bereich ist das Konsulat tätig, wobei ihm auch hier vor allem eine Vermittlungsfunktion zu kommt - „wenn es darum geht, Kontakte zwischen Unternehmen herzustellen“.
In seiner langjährigen Arbeit als Diplomat hat Peter-C. Haucke viele außergewöhnliche, manchmal gefährliche und sogar lebensgefährliche Erfahrungen gemacht. So hat er während seiner Zeit in Zentralafrika zwei Mal einen Bürgerkrieg miterlebt und sich mit seiner Familie selbst einmal in einer brenzligen Situation wiedergefunden. „Wir haben eine Situation bei Freunden erlebt, wo wir in deren Haus umzingelt wurden von 5.000 Afrikanern, die es aus Rache auf Europäer abgesehen hatten. Wir wurden im letzten Moment vom zentralafrikanischen Militär evakuiert, nachdem das Haus niedergebrannt worden war.“ Die Familie hatte sich im Keller verschanzt und war so mit dem Leben davon gekommen. „Unserer Tochter haben wir damals erzählt, man habe mit Mangos geworfen, obwohl es sich dabei um Molotov-Cocktails gehandelt hat.“
„In unserem Beruf passiert das mal, dass man an Dienstorten ist, wo es gefährlich ist. Dass man mit Golfschläger und Schrotflinte bewaffnet sein Haus beschützt. Das ist das Leben. Das Leben (als Diplomat) hat überwiegend Schönes zu bieten, aber es hat auch viele Schattenseiten.“
Neben seiner Tätigkeit als Diplomat im Ausland war Peter-C. Haucke auch vier Jahre lang (von 1992 bis 1996) als Dozent an der Diplomatenschule in Deutschland tätig. An diese Zeit erinnert er sich besonders gern. Schwierig hingegen sei es für ihn in Albanien gewesen. „Aber auch da, in diesem primitiven Land, habe ich wahnsinnig nette Menschen kennengelernt, zu denen ich noch immer Kontakt habe.“ Das sei das Schöne an seinem Beruf, meint Haucke, dass man immer interessante Leute kennenlerne.
Auf den Kanaren fühlen sich Peter-C. Haucke und seine Frau sehr wohl. „Hier ist nicht alles so steril wie in Katar. Es ist schön, wieder in diesen südländischen Charme einzutauchen.“ Neu ist für ihn, dass er nun oftmals von Insel zu Insel „hüpfen“ muss. Noch kennt er nicht alle Inseln. „Außer auf Gran Canaria war ich schon auf Teneriffa und La Palma. In zehn Tagen fliege ich nach Lanzarote und dann geht’s weiter.“
Sein Rat an unsere Leser: „Den Deutschen, die hier leben und die sich hier wohl fühlen – seid froh und dankt es Gott, dass Ihr hier auf diesen wunderschönen Inseln leben dürft. Denjenigen, die hier ihre Probleme haben, denen würde ich sagen: denkt rechtzeitig daran, eventuell nach Deutschland zurückzukehren, wenn Ihr keine Lösung für Euch finden könnt. Und all denjenigen, die planen, hierherzukommen, denen würde ich sagen: Euch erwartet hier was Tolles, aber prüft genau, ob es für Euch in Frage kommen kann. Es muss alles gut vorbereitet werden, gut geplant werden. Nicht nur das Berufliche. Wird sich der Ehepartner hier wohl fühlen? Werden die Kinder hier zurecht kommen? Das wird manchmal auch von Fernseh-Sendern, die solche Projekte begleiten, zu bunt und zu unproblematisch dargestellt.
Gefragt, ob er als Konsul auch Klischees über „die Deutschen“ ausmerzen müsse, meint Haucke: „Hier sehe ich dieses Problem eigentlich nicht. Aber ich war in meiner Anfangszeit in Südfrankreich, da war es unsere Aufgabe, die falschen Vorstellungen über die Deutschen auszumärzen. Der Deutsche war nicht so gern gesehen. Die deutsch-französische Abneigung saß da noch tief. Wir haben daran nicht durch öffentliche PR-Kampagnen oder Ähnliches daran gearbeitet. Das haben wir mehr in unsere Freizeit getan – in Bars.“
Die Kanaren sind voraussichtlich die letzte Station der Diplomatenlaufbahn des 61-Jährigen. In vier Jahren geht er in den Ruhestand, er will aber weiter in beratender Funktion tätig sein – konkret hat er sich damit aber noch nicht auseinander gesetzt. Zunächst freut er sich auf seine Zeit auf den Inseln und gefragt, wo er in seiner Rente leben möchte, verrät er uns, dass es ja vielleicht Spanien sein wird.
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